Im Fall des getöteten Babys von Hellersdorf ist am Montagnachmittag gegen die Mutter Nadine K. (20) und ihren Lebensgefährten Ronny B. (21) Haftbefehl erlassen worden - wegen Totschlags durch Unterlassen.

Beide hatten zuvor bei einer Vernehmung, die Vorwürfe gegen sie weitgehend gestanden. Danach hat das Paar das Baby verhungern oder verdursten lassen. „Das Baby wurde nicht versorgt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag.

Experte: Baby wahrscheinlich verdurstet

Der tote Säugling ist nach Ansicht eines Experten eher verdurstet als verhungert. „Wenn ein Kind ein oder zwei Tage nichts zu Trinken kriegt, ist es schnell in einem lebensbedrohlichen Zustand“, sagte der stellvertretende Direktor der Klinik für Pädiatrie der Berliner Charité am Montag.

Nach Ansicht von Stephan Henning ist es nicht der Mangel an Kalorien, der das Kind schwäche. Ein Säugling brauche täglich eine Flüssigkeitsmenge, die einem Sechstel seines Körpergewichts entspreche. Bleibt diese aus, entgleist laut Henning der Stoffwechsel des Neugeborenen. Schließlich werde der Säugling komatös und könne nicht mehr richtig schreien.

Staatsanwaltschaft prüft mögliche Mordmerkmale

Das Paar ware am Sonntag festgenommen worden. Die Anklagebehörde wirft dem Paar Totschlag durch Unterlassen vor. Es würden aber noch mögliche Mordmerkmale geprüft, sagte Steltner.

Der Mann ist laut Sprecher nicht der Vater des Kindes. Nadine K. soll nach Informationen der Berliner Morgenpost in Schwedt an der Oder gemeldet, lebte aber bei ihm in der Hellersdorfer Wohnung. Die 20-Jährige soll bereits zwei Söhne

Eine Hundehalterin hatte den wenige Tage alten Säugling am vergangenen Dienstag in einer Plastiktüte in einer Grünanlage am Rande einer Plattenbau-Siedlung entdeckt.

dpa/ap/mb