Rainer Eppelmann

DDR-Bürgerrechtler kämpft für die East Side Gallery

Erneut haben Hunderte Berliner gegen den Teilabriss der East Side Gallery protestiert - darunter der DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann. Er warnt vor einer „Mickey-Mouse-Landschaft“ am Todesstreifen.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Der DDR-Bürgerrechtler und ehemalige CDU-Politiker Rainer Eppelmann hat sich am Sonntag für den Erhalt der East Side Gallery eingesetzt. Er sprach vor etwa 300 Menschen, die sich am Mittag vor einer Bühne gegenüber dem Mauerdenkmal versammelt hatten – weit weniger Menschen als bei den Kundgebungen der vergangenen Wochen. Unterstützung bekam Eppelmann, der vor der Wende als Pfarrer in Ost-Berlin arbeitete, dabei auch vom einstigen politischen Gegner. "Er ist einer, der die Sachen sagt, wie sie sind", sagte Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele, der die Rede im Publikum verfolgte.

"Vielen Dank, dass Sie Sorge dafür tragen, dass die gleichen Fehler nicht erneut gemacht werden", sagte Eppelmann, dem Publikum zugewandt, und nahm direkt Bezug auf die außergewöhnliche Rolle, die er nach dem Fall der Mauer selbst als Politiker einnahm. "Als Minister für Abrüstung und Verteidigung habe ich selbst dazu beigetragen, dass diese grausame Mauer abgebaut wird", sagte der 70-jährige Berliner, der mehrmals ins Visier der SED-Diktatur geraten war. Damals sei sie lediglich Symbol für die Schrecken des Stasi-Staats und damit entbehrlich gewesen, heute aber stehe sie als einmaliges Zeichen, das den Menschen helfen soll, zwischen Demokratie und Diktatur zu unterscheiden. "Und deshalb geht es auch nicht nur um Vergangenes, um unsere Geschichte, sondern genauso um unsere Zukunft", sagte Eppelmann.

Warnung vor "Mickymaus-Landschaft"

Der ehemalige CDU-Politiker kritisierte nicht nur die Bebauungspläne, sondern nahm auch den Berliner Senat in die Pflicht. "Wenn alles so gebaut wie ursprünglich geplant wird, dann entsteht hier eine Art Mickymaus-Landschaft", rief der Vorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Und fügte hinzu: "Die Politik hat hier instinktlos und falsch entschieden."

Zu der Kundgebung eingeladen hatte das Bündnis "East Side Gallery retten", das sich, seit der Investor Maik Uwe Hinkel Ende März Betonstücke aus der Mauer heraustrennen ließ, massiv für den Erhalt des mit 1,3 Kilometern längsten noch erhaltenen Mauerabschnitts einsetzt. In der Kritik steht vor allem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). "Er hat leider durchblicken lassen, dass er die Bebauung mit dem geplanten Wohnturm an dieser Stelle sehr reizvoll findet", sagte der Initiator des Bündnisses, Sascha Disselkamp. Seitens des Senats heißt es indes auf eine Kleine Anfrage, dass das Projekt bereits Anfang der 90er-Jahre von Senat und Bezirk entwickelt worden sei. Zudem sei der Bezirk auch für das Baugenehmigungsverfahren im Jahr 2008 zuständig gewesen.

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