Etwa 200 Menschen haben sich nach Angaben des Veranstalters in Berlin erneut für den kompletten Erhalt des weltbekannten Mauerdenkmals East Side Gallery stark gemacht. Mitglieder verschiedener DDR-Opferverbände hätten am Sonntag auf einer Bühne zu den Demonstranten gesprochen, sagte Lutz Leichsenring vom Bündnis „East Side Gallery retten!“.

Trotz wochenlanger Proteste hat Investor Maik Uwe Hinkel Ende März weitere Betonsegmente aus der Mauer heraustrennen lassen. Die neue Lücke soll Hinkel zufolge als Baustellenzufahrt für ein Wohnhochhaus genutzt werden.

East Side Gallery seit Jahren löchrig

Bereist Anfang März hatten die Bauarbeiten für das 63 Meter hohe Gebäude begonnen. Der Abriss von Mauerteilen wurde allerdings zunächst durch massive Proteste gestoppt. Die Initiatoren des Bündnisses fordern von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), ein Ersatzgrundstück zum Tausch anzubieten.

Künstler aus aller Welt hatten den 1,3 Kilometer langen Wall nach dem Mauerfall bemalt. Die Mauer-Galerie, die ein Magnet für Touristen aus aller Welt ist, wurde bereits in früheren Jahren an einigen Stellen durchbrochen.

Leo Schmidt, Professor für Denkmalpflege an der TU Cottbus, hatte das Land Berlin aufgefordert, einen Antrag zu stellen, dass die East Side Gallery in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufgenommen wird. Dieses Ziel verfolgt auch Kani Alavi, Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery. Er habe Anfang des Jahres einen Eilantrag an das Unesco-Büro in Bonn gestellt, sagte Alavi.

Entnahme weiterer Mauerteile nicht notwendig

Das 63 Meter hohe Wohngebäude soll im Frühjahr 2015 fertig sein, sagte Jürgen Scheunemann, Sprecher von „Living Levels“. „Aktuell werden die Baugruben ausgehoben für den Rohbau.“ Es sei nicht notwendig, weitere Mauerteile zu entnehmen. „Die Baustellenzufahrt, die am Mittwoch der vergangenen Woche geschaffen wurde, reicht für unsere Baustelle aus – sie ist temporär für die Dauer unserer Baustelle ausgelegt.“

Für diese rund sechs Meter breite Öffnung waren in der vergangenen Woche unter Polizeischutz mehrere Segmente entnommen worden. Sie könnten 2015, zum Ende der Bauarbeiten, wieder eingesetzt werden, sagte Scheunemann.

Bauherr will East Side Gallery neben eigenem Gebäude erhalten

„Wir wollen die East Side Gallery weitestgehend erhalten und unser Gebäude errichten“, so der Sprecher von Living Bauhaus weiter. „Denn wir glauben, dass hier beides möglich ist.“ Man verstehe die Sorge vieler Menschen um die East Side Gallery und habe das Bauprojekt deshalb seit Dezember 2012 nicht nur den Behörden vorgestellt, sondern auch im Forum Stadtspree ausgiebig diskutiert.

BM