Fall Jonny K.

Onur U. soll noch in dieser Woche angeklagt werden

Mitte Mai soll der Prozess um die tödliche Attacke vom Berliner Alexanderplatz beginnen. Und auch der Hauptverdächtige soll mit dabei sein.

Nach der Verhaftung des Hauptverdächtigen der tödlichen Attacke am Berliner Alexanderplatz soll es noch in dieser Woche zur Anklage kommen. Das sagte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) am Dienstag in Berlin. Die Verfahren aller sechs Verdächtigen sollten verbunden werden. Der gemeinsame Prozess könne dann idealerweise bereits am 13. Mai 2013 beginnen.

Zuvor hatte bereits die Staatsanwaltschaft ein zügige Anklage angekündigt. Wie die Sprecherin der Justizverwaltung, Lisa Jani, am Dienstag sagte, solle beim Gericht auch beantragt werden, das Verfahren gegen Onur U. mit dem der fünf anderen Verdächtigen zu verbinden.

Gegen Onur U. wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Ermittler sahen ihn nach früheren Einschätzungen als treibende Kraft des Angriffs.

Ein Verdächtiger auf freiem Fuß

Knapp ein halbes Jahr nach der Attacke gegen den 20-jährigen Jonny K. hatte sich am Montag Onur U. gestellt. Er war monatelang in der Türkei untergetaucht und kehrte nun zurück. Damit sind alle sechs Tatverdächtigen gestellt. Der 19-Jährige sitzt nun in U-Haft – ebenso wie vier weitere mutmaßlich Beteiligte. Ein Verdächtiger ist gegen Auflagen auf freiem Fuß.

Der Strafverteidiger von Onur U., Axel Weimann, betonte, sein Mandant sei aus freien Stücken nach Deutschland zurückgekehrt. Der Beschluss sei bereits vor zwei Wochen gefasst und die Tickets Ende März gekauft worden, sagte Weimann in einem Interview mit radioeins/RBB. Onur U. wolle zur Wahrheitsfindung während des Prozesses beitragen.

Jonny K. war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 vor einem Lokal nahe dem Alex so heftig geschlagen und getreten worden, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb. Auch ein Freund wurde verletzt. Die Gewaltorgie hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Berlins Justizsenator lobt Merkels Einsatz

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sagte am Dienstag dem Fernsehsender n-tv, der rot-schwarze Senat arbeite hartnäckig daran, die Jugendgewalt einzudämmen „und wir haben immerhin erste Erfolge“. Der CDU-Politiker wollte sich dazu am Nachmittag auf einer Pressekonferenz äußern.

Auf n-tv unterstrich Heilmann erneut den Einsatz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Er habe Anfang Februar mit ihr gesprochen, sie habe zugesagt, bei einem Treffen mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan den Fall zu besprechen. Die Türkei habe dann Mitte März reagiert und offensichtlich Ermittlungen aufgenommen. Experten gingen davon aus, dass Onur U. sich auch deshalb den deutschen Behörden stellte, weil ihm bei einer Verurteilung in der Türkei eine härtere Strafe gedroht hätte.

Innensenator Frank Henkel (CDU) lobte indes die Arbeit von Polizei und Justiz. Es sei ein „gemeinsamer Erfolg“, dass nunmehr alle sechs mutmaßlichen Täter gefasst seien, sagte er am Dienstag im Inforadio des RBB. Er hoffe nun, dass sie auch eine gerechte Strafe erhielten.