Rückkehr aus Türkei

Hauptverdächtiger im Fall Jonny K. in Berlin verhaftet

Onur U. war nach der tödlichen Prügelattacke im Oktober 2012 in die Türkei geflohen. Am Montagnachmittag kehrte er nach Berlin zurück.

Der mutmaßliche Haupttäter im Fall des zu Tode geprügelten Jonny K. ist zurück in Berlin. Nach Information der Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen ist Onur U. am Montagnachmittag gegen 14 Uhr am Flughafen Tegel eingetroffen. Dort wurde er von Polizeibeamten empfangen und in Untersuchungshaft gebracht. Er kam mit einer Maschine aus Izmir.

Berlins Justizbehörden bestätigten, dass sich Onur U. selbst gestellt hat und freiwillig nach Deutschland zurückkehrte.

Der 19-Jährige war nach der tödlichen Prügelattacke im Oktober 2012 in die Türkei geflohen. Wie sich erst kürzlich herausgestellt hatte, besitzt Onur U. die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft. Eine Auslieferung erschien deshalb bislang als unwahrscheinlich.

Die türkischen Behörden leiteten jedoch ebenfalls gegen den 19-Jährigen Ermittlungen wegen vorsätzlichen Mordes und vorsätzlicher Körperverletzung ein. Sein Aufenthaltsort galt als unbekannt. Das hatte die Berliner Justiz am vergangenen Donnerstag mitgeteilt.

In der Türkei hätte ihm bei einer Verurteilung ein härtere Strafe gedroht. Dort wird auch kein Jugendstrafrecht angewendet.

Nach Onur U. wurde mit europäischem Haftbefehl gefahndet

Jonny K. war am 14. Oktober 2012 in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes von mehreren Jugendlichen überfallen und geschlagen worden. Der 20-Jährige starb wenig später an seinen schweren Verletzungen. Dabei soll der als Hauptbeschuldigter unter Verdacht stehende Onur U. gerade durch seine brutale Vorgehensweise maßgeblich für die tödlichen Verletzungen verantwortlich gewesen sein. Nach ihm wurde mit deutschem und europäischem Haftbefehl gefahndet.

Mit Onur U. befinden sich nun alle Tatverdächtigen in Haft und können vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. Voraussichtlich im Mai soll der Prozess gegen die anderen Beschuldigten beginnen.

Festnahme ein wichtiges Signal für die Familie des Opfers

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) hat die Festnahme des Hauptverdächtigen als wichtiges Signal an die Opfer gewertet. „Ich freue mich, dass sich nun auch der sechste Verdächtige für diese abscheuliche Tat vor einem deutschen Gericht verantworten muss“, sagte der Politiker. Er hoffe, dass das Gericht das Verfahren gegen Onur U. mit dem Prozess gegen die fünf anderen Verdächtigen verbinden könne, so der Senator.

Innensenator Frank Henkel (CDU) würdigte das Vorgehen der Ermittlungsbehörden. „Der hohe Druck hat sich in allen Fällen ausgezahlt. Die Geduld hat gesiegt – und die Beharrlichkeit von Polizei und Justiz“, sagte er. Henkel wertete die Festnahme als Erfolg für Polizei und Justiz, „die sich unermüdlich in diesen Fall hineingekniet haben“. Es sei aber auch eine wichtige Nachricht für die Familie des Getöteten, die nun hoffen könne, dass dieses entsetzliche Verbrechen angemessen betraft werde.

Kanzlerin Angela Merkel hatte sich in den Fall eingeschaltet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich persönlich für die Strafverfolgung des in die Türkei geflüchteten Tatverdächtigen eingesetzt. Die Kanzlerin sprach bereits am 25. Februar 2013 bei ihrem Spitzentreffen mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan in Ankara darüber, bestätigte eine Regierungssprecherin am Sonntag.

An diesem Sonntag wäre Jonny K. 21 Jahre alt geworden. Nach Veranstalterangaben besuchten mehr als 1000 Menschen ein Benefizkonzert, das Jonnys Schwester Tina K. im Admiralspalast initiiert hatte. Neben Tanzgruppen sangen auch Bands wie Seeed Vocalists, Glasperlenspiel oder OK KID. Das Konzert stand unter dem Motto "Stimmen für unseren Bruder".