Schlägerei am Alex

Kanzlerin Merkel greift im Berliner Fall Jonny K. ein

Im Fall von Jonny K., der am Alexanderplatz totgeschlagen worden war, hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel interveniert. Sie drängte die Türkei, Ermittlungen gegen Onur U. einzuleiten.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich persönlich für die Strafverfolgung des in die Türkei geflüchteten Tatverdächtigen im Fall des totgeprügelten Jonny K. eingesetzt. Die Kanzlerin sprach bereits am 25. Februar bei ihrem Spitzentreffen mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan in Ankara darüber, bestätigte eine Regierungssprecherin am Sonntag. Zuvor hatte „Der Spiegel“ darüber berichtet. Merkel habe in dem Gespräch die Erwartung geäußert, dass die Türkei aktiv nach dem letzten noch flüchtigen Tatverdächtigen, dem ehemaligen Amateur-Boxer Onur U., fahnde.

Dem Gespräch war eine Initiative von Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) vorausgegangen. Er hatte Merkel auf den Sachverhalt angesprochen. „Flucht darf sich nicht lohnen, Täter gehören vor Gericht“, sagte Heilmann am Sonntag der Berliner Morgenpost. „Deshalb habe ich die Kanzlerin eingeschaltet.“ Die Justiz sei für die Opfer da, so Heilmann weiter. „Ich bin ziemlich sicher, Onur U. kommt bald vor Gericht.“

Der 20 Jahre alte Jonny K. war im Oktober 2012 nahe dem Alexanderplatz ohne Anlass so heftig von mehreren Angreifern attackiert worden, dass er wenig später an Gehirnblutungen starb. An diesem Sonntag wäre Jonny 21 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass sollte am Abend ein großes Gedenkkonzert im Berliner Admiralspalast veranstaltet werden.

Der Hauptverdächtige ist bis heute in der Türkei

Fünf Verdächtige hatten sich der deutschen Justiz gestellt, vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft in Berlin. Im Mai soll ein Prozess beginnen. Der Hauptverdächtige war nach der Prügelattacke in die Türkei geflohen.

Der Einsatz der Kanzlerin hatte offenbar Erfolg. Ein halbes Jahr nach dem brutalen Überfall teilte Berlins Justiz vor drei Tagen mit, dass nun die türkische Justiz gegen den 19-Jährigen wegen vorsätzlichen Mordes ermittele. Er werde nicht nach Deutschland ausgeliefert, weil er neben der deutschen Staatsbürgerschaft auch die türkische besitze. In der Türkei ist der 19-Jährige noch nicht gefasst.