„Macht Kunst“

Besucher halten Nickerchen vor Werken in der Kunsthalle

Die gesamte Nacht hindurch sind Besucher in die 24-Stunden-Ausstellung in der neuen Kunsthalle der Deutschen Bank gekommen. Für einige schien dies ganz normal zu sein, andere brauchten auch Pausen.

Die gesamte Nacht hindurch haben Besucher die neue Kunsthalle der Deutschen Bank Unter den Linden besucht. Die dortige Ausstellung „Macht Kunst“ mit Werken, die Bürger wenige Tage zuvor abgegeben hatten, endet am 9. April um 12 Uhr mittags.

Bis 2 Uhr nachts gab es noch eine 150 Meter lange Schlange vor dem Eingang. Bis 3 Uhr nachts waren beständig 20 bis 30 Kunstinteressenten in den Räumen der Ausstellung, zwischen 3 und 5 Uhr waren es etwas weniger, zeitweise waren drei Besucher allein, dann schauten sich wieder sechs oder sieben mitten in der Nacht die 344 Kunstwerke an den dicht behangenen Wänden an, „als wäre es das normalste der Welt“, wie Jacqueline Wolf, die nachts in der Kunsthalle arbeitete, sagte. „Viele sagten, sie können eh nicht schlafen und kommen dann eben nachts, dann müssen sie sich nicht anstellen.“ Wolf erzählte von einem Besucher, der sich in der Nacht im Shop auf eine Bank gelegt und kurz geruht habe, „manche saßen ganz lange vor einem bestimmten Bild und haben da ein kleines Nickerchen gemacht.“

Ab 6 Uhr wurde es dann wieder voll. Stand 9.15 Uhr hatten bereits 5167 Besucher die neue Kunsthalle aufgesucht, zu dem Zeitpunkt waren etwa 120 Menschen in den Ausstellungsräumen.

Mit Eröffnung der Ausstellung am 8. April um 12 Uhr standen Hunderte Schlange, um die Werke von Profis und Laien zu sehen. In den ersten fünf Minuten fanden schon 150 Besucher Einlass, schon nach einer halben Stunden waren es etwa 250, der Eingang musste vorübergehend geschlossen werden.

In der Vorwoche hatten Hobby- und Profikünstler mehr als 2000 Gemälde, Kollagen und Fotografien für die Ausstellung eingereicht. Wegen der großen Resonanz wurde bereits eine zweite – andere – Ausstellung angekündigt – am 28. April sollen ebenfalls für 24 Stunden die Werke, die nicht mehr in die aktuelle Ausstellung hineinpassten, an die Wände der Alten Münze in Berlin-Mitte kommen.

Den Künstlern, deren Werke nun ausgestellt werden, winkt nun neben der Ehre, von Hunderten gesehen zu werden, auch ein Preis. Jeder Besucher kann die ausgestellten Kunstwerke bewerten. Der Preis für das Exponat mit den meisten Stimmen ist ein Atelierstipendium für die Dauer eines Jahres, dotiert mit 500 Euro im Monat.

Außerdem bewertet eine Fachjury die Kunst. Die drei Gewinner können ihre Werke jeweils in einer zweiwöchigen Einzelausstellung in der neuen Kunsthalle präsentieren. Die Ausstellungen finden im Zeitraum November 2013 bis Februar 2014 statt.

Mit der Aktion „Macht Kunst“ will die Deutsche Bank auf die Eröffnung ihrer Kunsthalle – Nachfolgerin des Deutschen Guggenheim – am 18. April aufmerksam machen. Dann gibt es dort zum Auftakt eine Ausstellung des Künstlers Imran Qureshi aus Pakistan zu sehen.