Jonny K.

Schläger vom Alex – Onur U. droht lange Haft in der Türkei

Im Fall Jonny K. hat die türkische Justiz gegen Onur U. Ermittlungen wegen Mordes aufgenommen und ein Rechtshilfeersuchen an Berlin gestellt. Ausgeliefert wird er aber keinesfalls.

Knapp ein halbes Jahr nach der tödlichen Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz ermittelt nun die türkische Justiz gegen den Hauptverdächtigen. Dies teilte die Berliner Justizverwaltung mit. Der 18-Jährige war in die Türkei geflohen. Die dortigen Behörden haben ihn noch nicht gefasst. Im Wortlaut heißt es in der Verbalnote der türkischen Justiz: „Die Oberstaatsanwaltschaft Sivas hat auf der Grundlage von Art. 11 des türkischen Strafgesetzes gegen Onur U. wegen ‚vorsätzlichen Mordes’ und ‚vorsätzlicher Körperverletzung‘ eine Ermittlung (Nr. 2012/14221) eingeleitet.“

Nach monatelangem Tauziehen steht laut Justizverwaltung fest, dass der mutmaßliche Schläger nicht nach Deutschland ausgeliefert wird, weil er neben der deutschen Staatsbürgerschaft seit 1998 auch wieder die türkische besitze. Eine Auslieferung an Deutschland ist damit nicht möglich – dies wäre auch andersherum der Fall, stellte die Justizverwaltung klar, Deutschland würde U. nicht an die Türkei ausliefern. Die Oberstaatsanwaltschaft Siva hat nun aber ein Rechtshilfeersuchens gestellt und die Türkei bekommt beglaubigte Kopien aus den Akten der Staatsanwaltschaft Berlin. Dadurch werde „zukünftig neben der Justiz Berlins auch die Türkei in die Lage versetzt, strafrechtlich gegen Onur U. vorzugehen“.

Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sagte laut Mitteilung: „Dass die Türkei nun ein eigenes Strafverfahren startet, begrüße ich sehr.“

Bei einer Verurteilung in der Türkei könnte nach Einschätzung von Experten eine höhere Strafe drohen als in Deutschland, auch weil dort das Jugendstrafrecht nicht angewendet wird. In Deutschland sieht dieses eine Höchststrafe von zehn Jahren vor.

Der 20-jährige Jonny K. war im Oktober 2012 nahe dem Alexanderplatz ohne Anlass so heftig attackiert worden, dass er wenig später an Gehirnblutungen starb. Fünf weitere Verdächtige hatten sich der deutschen Justiz gestellt, vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Im Mai soll ein Prozess beginnen.