Die Entschärfung einer russischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände des Lehrter Güterbahnhofs nahe dem Berliner Hauptbahnhof ist gelungen. Sprengmeister entfernten den Zündmechanismus der Bombe mechanisch. Die Entschärfung des Blindgängers dauerte knapp eine halbe Stunde und verlief nach Plan, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Absperrungen rund um den Fundort wurden am frühen Nachmittag wieder aufgehoben.
Die beiden Polizeibeamten, die die #Bombe entschärft haben - und der Zünder. #Vine vine.co/v/bI0p5Y7uZl7
— Berliner Morgenpost (@BMOnline) 3. April 2013 Bei der Entschärfung sei der Zünder mechanisch herausgedreht worden, sagte ein Polizeisprecher. „Die Entschärfer sagten, das Gewinde sei in einem Super-Zustand gewesen“, sagte der Sprecher. Es sei trotz der langen Jahren der Lagerung noch gefettet gewesen. Die Bombe wurde nach der Entschärfung zum Sprengplatz im Berliner Grunewald gebracht. Dort werde der Sprengstoff herausgenommen und „umweltgerecht entsorgt“. Das Metall der Ummantelung werde recycelt.
Zuvor waren rund 840 Anwohner evakuiert worden. In der Lehrter Straße zwischen Kruppstraße und Perleberger Straße hatte die Polizei die Anwohner aufgefordert, die Häuser zu verlassen. Gegen 12.30 Uhr konnten die Entschärfungsarbeiten dann beginnen.
Während der eigentlichen Entschärfung wurde auch der Flughafen Tegel gesperrt. Für etwa eine halbe Stunde sollten dort sicherheitshalber keine Flugzeuge landen, zwischen 12.45 und 13.15 Uhr. Zudem konnten in Tegel Flugzeuge während der Entschärfung ausschließlich Richtung Westen starten, um einen Überflug des Stadtzentrums zu vermeiden. Die Polizei hatte den Flughafen nach Behördenangaben darauf hingewiesen, dass während der Zeit der Bombenentschärfung vorsichtshalber keine Landeanflüge über den Hauptbahnhof hinweg führen sollten.
S-Bahnverkehr nicht betroffen
Auch einige Tausend Reisende, die mit der Bahn unterwegs sind, waren von Einschränkungen betroffen. Wie Bahnsprecher Achim Stauss vor der Entschärfung sagte, mussten Fahrgäste im Fernverkehr vor allem Verspätungen durch Zugumleitungen in Kauf nehmen. Mehrere Regionalexpresslinien fielen aus. Bis zu 50 Züge wurden umgeleitet.
Gegen 15 Uhr normalisierte sich der Zugverkehr wieder. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, wurde der zeitweise gesperrte Streckenabschnitt am Hauptbahnhof wieder freigegeben. Fern- und Regionalzüge würden wieder nach normalem Fahrplan verkehren. Es könne aber noch zu Verspätungen kommen.
Der S-Bahnverkehr war nicht betroffen.
Straßen- und Schifffahrtsverkehr behindert
Auch die Straßen rund um den Fundort waren gesperrt. Dies traf einmal mehr Berliner und Gäste, die zum Flughafen wollten, denn von Mitte führt der Weg nach Tegel in der Regel über die seit dem Morgen gesperrten Straßen rund um die Lehrter Straße.
Der Schiffsverkehr auf dem Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal wurde ebenfalls vorübergehend gestoppt.
Notunterkunft für Evakuierte in Schule
Die 100-Kilogramm-Bombe war nach Polizeiangaben am Dienstag in der Heidestraße/Lehrter Straße entdeckt worden – rund 600 Meter entfernt vom Hauptbahnhof. Der Sicherheitsradius wurde auf 300 Meter um die Fundstelle festgelegt. 30 bis 50 Häuser waren laut Polizeisprecher Stefan Redlich betroffen. Auch die 48 Kinder einer Kita in der Lehrter Straße mussten in die in der Moses-Mendelssohn-Schule, Stephanstraße 2 eingerichtete Notunterkunft umziehen. Rund 150 Menschen nahmen das Angebot an.
Panorama der (fast) menschenleeren Perleberger Straße. Die Entschärfung der #Bombe läuft, der Bereich ist evakuiert. twitter.com/BMOnline/statu…
— Berliner Morgenpost (@BMOnline) 3. April 2013 Von der Evakuierung betroffen waren die Bewohner folgender Häuser: Lehrter Straße 26 bis 58, Perleberger Straße 62a bis 67, Stephanstraße 146, Ellen-Epstein-Straße 2, Friedrich-Krause-Ufer 35 bis 39, Heidestraße 20 bis 25 und Teile der Fennstraße.
In der Nacht war der Fundort der Bombe abgesperrt worden, um Zwischenfälle zu vermeiden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Das Landeskriminalamt, die Bundespolizei und die Bahn würden gemeinsam entscheiden, welche Maßnahmen am Mittwochvormittag ergriffen werden müssten.
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plet/dpa/AFPap/sh




