Mehr als 750 Bundespolizisten, Familienangehörige und Freunde haben sich am Mittwochnachmittag in Potsdam von dem bei einem Absturz tödlich verletzten Hubschrauberpiloten der Bundespolizei Lutz A. verabschiedet.
Die offizielle Trauerfeier fand in der bis auf den letzten Platz gefüllten katholischen Kirche St. Peter und Paul statt. Unter den Trauergästen waren auch Vertreter aller Dienststellen, die an der Großübung am vergangenen Donnerstag neben dem Olympiastadion teilgenommen hatten. Der Trainingseinsatz endete in einer Katastrophe.
Der aus Mecklenburg stammende Lutz A. hinterlässt eine Frau und vier kleine Kinder. Der 37-Jährige kam ums Leben, als ein Hubschrauber bei dichtem Schneetreiben neben seiner Maschine auf dem Maifeld landen wollte. Die ohnehin extrem schlechten Sichtbedingungen hatten sich plötzlich verschlechtert, als der von den Rotoren zweier bereits gelandeter Maschinen aufgewirbelte Schnee dem Piloten der dritten Maschine die Sicht vollends nahm. Sieben Menschen wurden bei dem Absturz verletzt.
Wenige Minuten vor Beginn der Trauerfeier um 15 Uhr betrat die Witwe mit zwei ihrer vier Kinder durch einen Nebeneingang das Gotteshaus. Auch die Eltern von Lutz A. nahmen Abschied.
Noch vor Beginn der offiziellen Zeremonie legten Polizeibeamte in der Kirche einen Kranz nieder. Es waren die Männer der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit der Bundespolizei, die in dem Unglückshubschrauber gesessen und nur wie durch ein Wunder überlebt haben. Mit der Kranzniederlegung und einem letzten Blick auf ein Schwarz-Weiß-Porträt des Piloten, das vor den Stufen zum Altar stand, nahmen die Männer Abschied.
„Er war ein leidenschaftlicher Flieger und ein hervorragender Pilot“
Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei, bedankte sich in seiner Rede bei der Familie des Toten, dass sie ihnen die Möglichkeit gab, von Lutz A. Abschied zu nehmen. Er sagte, der Verlust sei für die Familie und die Kollegen kaum zu ermessen, er sei unfassbar. Romann zählte Stationen aus dem Leben seines Piloten auf. 1993 kam A. als gelernter Maßschneider zum Bundesgrenzschutz. Dort habe er seine Ausbildung zum Hubschrauberpilot gemacht. 1995, nach der Auflösung des Bundesgrenzschutzes, ging Lutz A. zur Nachfolgeeinheit, der Bundespolizei.
„Er war ein leidenschaftlicher Flieger und ein hervorragender Pilot“, sagte Romann in seiner Trauerrede. „Er hat die Kunst des Fliegens verinnerlicht.“ Lutz A. sei einer der erfahrensten Piloten bei der Bundespolizei gewesen. Der Chef der Bundespolizei erinnerte an eine außergewöhnliche Leistung von Lutz A.: 2008 habe er einen Hubschrauber mehr als 5000 Kilometer von Ägypten nach Deutschland geflogen und bei äußerst schwierigen Wetterbedingungen die Alpen überquert.
Auch auf die öffentliche Kritik an der Übung im Schneetreiben und bei schlechten Sichtbedingungen ging Dieter Romann ein. Das sei die tägliche Praxis und die schließe derartige Flugbedingungen ausdrücklich mit ein. „1000 Schutzengel waren an diesem Tag unterwegs, aber einer hat gefehlt“, sagte Romann.
Der katholische Dekan der Bundespolizei, Pater Jordanus von Sachsen Brand, würdigte in seiner Trauerrede Lutz A. als einen umsichtigen und stets hilfsbereiten Menschen, der seine Familie und seinen Beruf über alles geliebt habe. Seine Familie sei für ihn ein unschätzbares Gut gewesen. Seine vier Kinder und seine Frau hätten ihm die Kraft gegeben, die an ihn herangetragenen Aufgaben pflichtbewusst und umsichtig zu erfüllen.
„Als Bundespolizist wollte er anderen helfen“
Lutz A. habe sehr schnell seinen Weg in die Reihen der Bundespolizei gefunden. Sein Traum sei es immer gewesen, Hubschrauberpilot zu sein. An der Verwirklichung seines Traumes habe er beharrlich gearbeitet und dafür viele Entbehrungen auf sich genommen. „Als Bundespolizist wollte er anderen helfen. Nun ist er selber auf tragische Weise ums Leben gekommen“, sagte Pater Jordanus.
Auch Thomas Helbig, Leiter der Fliegergruppe der Bundespolizei, betonte die fliegerischen Leistungen von Lutz A. und deren Anerkennung über die Landesgrenzen hinaus. Es habe Beileidsbekundungen von Fliegerstaffeln aus anderen europäischen Ländern, beispielsweise aus Frankreich und auch Spanien, gegeben. Nach einer Stunde war die Trauerfeier beendet. Lutz A. sollte zu einem späteren Zeitpunkt im kleinen Kreis beigesetzt werden.
Das Unglück hatte sich am Donnerstag vergangener Woche bei einer Großübung der Bundespolizei ereignet. Die drei Hubschrauber kamen von der Fliegerstaffel im brandenburgischen Blumberg. Bei der Übung, während der mehr als 400 Beamte einen Großeinsatz gegen Fußball-Hooligans simulierten, waren kurz hintereinander zwei Transporthubschrauber der Typen Puma und Eurocopter gelandet. Im dichten Schneetreiben prallte der dritte Hubschrauber gegen die kurz zuvor gelandete Maschine von Lutz A.
Der 37 Jahre alte Pilot wurde von einem Teil des Rotorblattes getroffen, das durch die Frontscheibe seiner Maschine geschlagen war. Lutz A. war sofort tot. Sieben weitere Insassen der beiden Maschinen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.
Das Flugmanöver bei widrigem Wetter hat massive Kritik ausgelöst, der Unfall wird vermutlich ein parlamentarisches Nachspiel im Abgeordnetenhaus haben. Mit den Untersuchungen zur Unfallursache befasst sich auch das Luftfahrtbundesamt. Ergebnisse werden erst in einigen Monaten vorliegen. Mit einem ersten Zwischenbericht ist frühestens im April zu rechnen. Auch die Bundespolizei hat Untersuchungen eingeleitet. Die Berliner Staatsanwaltschaft und die 7. Mordkommission haben laut Justiz die Ermittlungen mittlerweile eingestellt, da sie keine Hinweise auf Fahrlässigkeit gebe.
Die Stiftung der Bundespolizei hat einen Spendenaufruf zugunsten der vier Kinder des getöteten Piloten gestartet. Nach Angaben eines Stiftungssprechers sei bei den zahlreichen Beileidsbekundungen auch immer die Frage nach finanzieller Unterstützung für die Familie gestellt worden. Spenden können unter dem Stichwort „Flugunfall Olympiastadion“ an die Bundespolizei-Stiftung überwiesen werden. Kontonummer 683 680 bei der Sparta Bank West eG (BLZ 370 605 90).





