Wie man die East Side Gallery in ihrer jetzigen Form erhalten und Neubauten auf dem einstigen Todesstreifen verhindern kann, darüber führen der Berliner Senat, das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und der Chef des Unternehmens Living Bauhaus, Maik Uwe Hinkel, derzeit Gespräche. Am Dienstagnachmittag soll es im Roten Rathaus ein Treffen von Fachleuten des Senats und des Bezirksamtes gegeben haben. Der Investor war nicht eingeladen. Er plant an dem Standort ein Wohnhochhaus.

Senatssprecher Richard Meng sagte am Dienstag, zur Rettung der East Side Gallery – ohne die Bauinvestitionen zu verhindern – komme derzeit nur die Idee in Frage, den Zugang für das fragliche Baugrundstück über das Nachbargrundstück zu legen und so einen neuen Mauerdurchbruch zu vermeiden. Dies werde geprüft.

„Nach meinem Kenntnisstand gibt es noch keinen Ausschlussgrund für diese Idee“, so Meng. Sollte dieser Ansatz doch scheitern, stehe zu befürchten, dass der ursprünglich geplante Durchbruch der Mauer realisiert werden müsse, schließlich habe der Investor Baurecht. Es herrsche Zeitdruck, denn die Baugenehmigung erlischt Ende Juni. „Der Investor möchte loslegen, er hat die Hälfte seiner Wohnungen bereits verkauft“, sagte Meng.

Zufahrt bleibt problematisch

Doch aus Sicht des Investors bleibt die Erreichbarkeit des Baugrundstücks ein Problem. „Die angedachte Lösung einer Erweiterung der bereits auf dem Nachbargrundstück vorhandenen Öffnung ist aus technischen Gründen schwierig“, sagte Jürgen Scheunemann von „Living Bauhaus“. „Wir benötigen für die Baustelle – und dann natürlich später für die Bewohner – eine nachhaltige, sichere und technisch umsetzbare Zufahrtsmöglichkeit.“

Sie müsse allen aktuellen Auflagen der Bauordnung genügen, vor allem bei Einsatz von schwerem Gerät wie Kränen. Deshalb sei das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gefragt. „Denn jede Lösung muss von den Behörden begutachtet und genehmigt werden. Wir sind auch offen für entsprechende Alternativideen. Bislang haben wir keine weiteren Vorschläge vom Bezirk erhalten.“ Man warte seit vier Wochen darauf. Doch für das Grundstück und die direkte Erschließung gebe es eine Baugenehmigung.

Eine Baugenehmigung gibt es auch für den Gebäuderiegel neben dem Wohnturm, der als Büro- und Geschäftshaus mit rund 31 Metern Höhe geplant ist. Eine israelische Gruppe will das Haus errichten. Auch sie hat Anspruch auf eine separate Zufahrt für die Baufahrzeuge und später für die Bewohner. Dafür soll eine bereits bestehende Öffnung in der East Side Gallery auf etwa zwölf Meter verbreitert werden – das Mauerloch, das nach dem Willen des Senats auch für das Projekt des Unternehmens Living Bauhaus genutzt werden soll. Geplant ist, dass die betreffenden Segmente herausgehoben und hinter der Gallery wieder aufgestellt werden.

Für den heutigen Mittwoch ist nach Informationen der Berliner Morgenpost ein Gespräch des Investors Maik Uwe Hinkel mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit vereinbart. Weder Senatssprecher Richard Meng noch ein Sprecher von Maik Uwe Hinkel wollten sich dazu äußern.

Gespräch über Tausch-Grundstücke

Meng sagte, die Gespräche um den Erhalt der East Side Gallery und die Interessen der Investoren seien vertraulich. Deshalb würde er auch keine Angaben zu Zeitpunkten und Beteiligten machen. Gespräche fänden „zeitnah“ statt, so Meng. Der Sprecher des Regierenden Bürgermeisters warnte davor, Debatten etwa um Tauschgrundstücke allzu viel Beachtung zu schenken. „Da ist viel Nebel und Ablenkung ins Gespräch geworfen worden“, sagte Meng. Die Debatten seien aber „höchst virtuell“, es gebe kein anderes Grundstück, das sofort bebaubar wäre und für einen Tausch in Frage käme.

Bereits am Sonntag und Montag hatten Politiker der Grünen mit Hinkel über Tausch-Grundstücke gesprochen. Um welche Flächen es geht, die als Ersatz für das Wohnhochhaus „Living Levels“ in Frage kommen, dazu wollte sich der Sprecher von Living Bauhaus, Jürgen Scheunemann, noch nicht äußern. „Wir geben über vertrauliche Gespräche keine Auskunft“, sagt er. „In der Öffentlichkeit wurden verschiedene Ersatzgrundstücke in die Diskussion gebracht – doch wir sehen nach wie vor die großen rechtlichen, zeitlichen und wirtschaftlichen Probleme eines neues Grundstücks.“ Daher konzentriere man sich nach wie vor auf eine Lösung an der Mühlenstraße 60.

Dort haben die Aushubarbeiten begonnen. Ein Tieflader mit Spundwänden sei vorgefahren, sagte Robert Muschinski von der Initiative „Mediaspree versenken“, die zum Bündnis „East Side Gallery retten“ gehört. Das Bündnis hat am Dienstag eine Mahnwache begonnen. Ziel der Künstler, Klubs und Initiativen ist es, den Wohnturm und weitere Durchbrüche der einstigen Hinterlandmauer zu verhindern.

Die Initiatoren der Mahnwache haben einen beheizten Campinganhänger nahe der Zufahrt zu dem Grundstück aufgestellt, auf dem das 63 Meter hohe Gebäude errichtet werden soll. Von dort könne man die Bauarbeiten beobachten und mit Passanten ins Gespräch kommen, so Muschinski. Die Mahnwache sei bis zum 3. April angemeldet. „Wenn dann noch kein Ersatzgrundstück gefunden ist, setzen wir die Mahnwache fort oder planen weitere Aktionen.“ Auch der Jörg Bereths hatte den Aufruf des Bündnisses im Internet gelesen. „Ich verstehe nicht, wie man die Baugenehmigung für das Hochhaus erteilen konnte“, sagte der Programmierer. „Tausende kommen her, um die East Side Gallery zu sehen.“ Sie verliere an Wirkung, wenn hinter ihr Gebäude errichtet würden.