Mauerabriss

Investor setzt Bauarbeiten an der East Side Gallery fort

Das Bezirksamt sucht Ersatzgrundstücke für das Hochhaus „Living Levels“ an der East Side Gallery. Die Mauerteile bleiben verschont – vorerst.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg prüft derzeit mehrere Grundstücke, die sich als Alternative für das geplante Wohnhochhaus "Living Levels" eignen könnten. Darüber habe sie am Sonntag mit dem Investor Maik Uwe Hinkel von der Firma "Living Bauhaus" gesprochen, sagte Antje Kapek, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. "Unsere Fraktion versteht sich als Mittler."

Um welche Flächen es sich im Einzelnen handelt, wollte Kapek nicht mitteilen. "Wir wollen jedoch auf keinen Fall ein Projekt gegen ein anderes ausspielen." Hinkel sei unter gewissen Bedingungen zu einem Grundstückstausch bereit, sagte die Fraktionschefin weiter. "Dazu gehört, dass die Entwicklung des Projekts auf dem neuen Grundstück nicht zu schwierig sein darf. Außerdem braucht er eine Verlängerung der Baugenehmigung um etwa ein halbes Jahr."

Jetzt lasse Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) mehrere Areale in Friedrichshain und in Kreuzberg auf diese Bedingungen hin untersuchen. "Seine Ergebnisse werden in das Gespräch am Dienstag mit dem Regierenden Bürgermeister und dem Investor einfließen", sagte Kapek. "Aber damit es zu einer Lösung kommt, müssen alle Beteiligten guten Willens sein."

Unterdessen setzt Investor Maik Uwe Hinkel die Bauarbeiten auf dem Grundstück an der Mühlenstraße in Friedrichshain fort. Dort soll ein 63 Meter hoher Wohnturm mit dem Namen "Living Levels" entstehen.

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"Wir gehen davon aus, das Projekt wie geplant an der dafür angedachten Stelle zu bauen", sagte er auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Er habe am Montagmorgen ein Gespräch mit Bezirksbürgermeister Schulz geführt, so der Investor. Man habe ergebnisoffen über "Living Levels" gesprochen. Weitere Einzelheiten könne er aktuell nicht mitteilen, weil die Unterredung weitergeführt werde. Ein anderes Grundstück als Alternative zur Fläche hinter der East Side Gallery könne jedoch nur der Senat anbieten, so Hinkel. "Das ist bislang noch nicht geschehen."

Fraglich bleibt, ob auch die Käufer, die bereits Wohnungen im neuen Hochhaus "Living Levels" erworben haben, mit einem Alternativgrundstück einverstanden wären. "Bisher haben wir 20 von 36 Wohnungen in ,Living Levels' verkauft", sagte Hinkel. Die Käufer der Wohnungen hätten auch die Lage mit gekauft. "Sie haben sich bewusst für einen Wohnungskauf in ,Living Levels' entschieden, weil sie von dem Wohnkonzept und dem Standort begeistert sind."

Entschädigung für das Areal wurde bislang nicht angeboten

Die Interessenten seien sich der besonderen Situation in Friedrichshain-Kreuzberg bewusst. "Sie suchen ja gerade die dynamische, besondere Mischung, die dieser Kiez bietet." Auch eine Entschädigung für das Areal an der Mühlenstraße, so Hinkel, sei noch in keinem Gespräch angeboten worden. "Allerdings entstehen durch die bereits erfolgte Bauverzögerung, Gutachten, Expertisen und anderes erhebliche Zusatzkosten für uns."

Ein Baustopp sei lediglich für die Mauerteile vorgenommen worden, "solange die Gespräche und Verhandlungen mit Bezirk, Senat und dem Investor auf dem Nachbargrundstück noch andauern". Anfang März war es zu intensiven Protesten gekommen, als Bauarbeiter Teile der East Side Gallery herauslösen wollten, um eine Zufahrt zum Grundstück zu schaffen.

Hasselhoff twittert wieder zur East Side Gallery

In den USA verfolgt "Baywatch"-Star David Hasselhoff (60) das Geschehen an der East Side Gallery. "Großartige Neuigkeiten: Die Proteste könnten Erfolg haben", twitterte er am Montag. Auch Hasselhoff setzt sich für den Erhalt der bemalten Mauer ein. Er nahm Mitte März an einer Demonstration an der Mühlenstraße teil. "Die East Side Gallery und ich sagen Danke an die 10.000 Leute, die dort waren", schrieb der Schauspieler und Sänger.

Die Initiative "Mediaspree versenken" will am Dienstag mit einer Mahnwache an der East Side Gallery beginnen. "Wir wollen zeigen, dass wir immer noch nicht zufrieden sind mit dem Erreichten", sagte Robert Muschinski von der Initiative am Montag. Die Mahnwache sei zunächst bis zum 3. April angemeldet worden. Der für Dienstag geplante Mauergipfel wurde unterdessen nach Informationen der Berliner Morgenpost abgesagt. Er soll nun am Mittwoch stattfinden.

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