Mauerdenkmal

Scharfe Kritik an neuem Abriss der East Side Gallery

Am Mittwoch haben Bauarbeiter in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mehrere Teilstücke des weltbekannten Mauerkunstwerks entfernt.

An der weltbekannten East Side Gallery hat der Investor eines geplanten Hochhauses mit der umstrittenen Entfernung eines Teilstücks der Berliner Mauer begonnen. Am Mittwochmorgen waren ab 5.30 Uhr vier Mauerelemente entfernt worden – laut Polizei für eine provisorische Baustellen-Zufahrt. Die etwa fünf bis sechs Meter breite Öffnung wird jetzt durch ein Tor geschlossen.

Es handele sich um das Teilstück, das nach heftigen Demonstrationen zunächst vom Abriss verschont worden war, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwochmorgen. Die Polizei, die Demonstrationen befürchtete, war mit etwa 250 Beamten im Einsatz und beobachtete die Arbeiten. Weitere Maßnahmen seien am Mittwoch nicht geplant, sagte die Polizei.

Gespräche brachten kein Ergebnis

Der Investor eines dort geplanten Hochhauses hatte in den vergangenen Wochen die Bagger zunächst angehalten. Nachdem Gespräche mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und dem Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), ohne konkretes Ergebnis geblieben waren, wird nun abgerissen.

Der Investor des umstrittenen Bauprojekts hat angekündigt, herausgetrennte Mauerteile später wieder einzusetzen. Die „temporäre Mauerversetzung“ sei aber notwendig geworden, weil in Gesprächen mit dem Senat, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Investoren des Nachbargrundstücks auch nach vier Wochen keine Alternative gefunden worden sei, teilte Living Bauhaus am Mittwoch mit.

Der Initiator der Initiative „Mediaspree versenken“, Robert Muschinski, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass jetzt die Gegner des Projektes mobilisiert würden. Ohnehin war am Mittwoch die Fortsetzung einer am Dienstag begonnenen Mahnwache vorgesehen. In den vergangenen Wochen hatten bis zu 6000 Demonstranten gegen den Abriss protestiert. Die von internationalen Künstlern bemalte East Side Gallery ist das längste noch erhaltene Stück Mauer.

Senatssprecher kritisiert Vorstoß des Investors

Senatssprecher Richard Meng sagte, offenbar habe der Investor vor den anstehenden Kompromissgesprächen Fakten schaffen wollen. Dies sei kein Zeichen für Kooperationsbereitschaft. Für die CDU ist Investorenschelte dagegen fehl am Platz. “ Fraktionschef Florian Graf erwarte, „dass sich der Regierende Bürgermeister und der Kreuzberger Bezirksbürgermeister in Gesprächen mit dem Investor besonders engagieren und eine Einigung herbeiführen“.

Der DDR-Opfer-Hilfe e.V. hat die begonnene Zerstörung der East-Side-Gallery in Berlin als geschichtsvergessen kritisiert. Der längste noch erhaltene Mauerabschnitt werde offenbar schrittweise ausradiert, kritisierte der SED-Opferverband und erinnert daran, dass an dieser Stelle während der SED-Diktatur bei Fluchtversuchen mehrere Menschen ums Leben kamen, darunter Kinder. Der DDR-Opfer-Hilfe e.V. bedauerte, dass der Berliner Senat offenbar nicht in der Lage sei, das Problem im Sinne der ehemals politisch Verfolgten zu lösen.

Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende und stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, sagte zu den Verhandlungen über die East Side Gallery: „Das gestrige Gespräch hat zwischen VertreterInnen des Senats und des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg ohne die Investoren stattgefunden. Ein Kompromiss und eine gemeinsame Lösung kann aber nur mit allen Beteiligten gefunden und durchgesetzt werden, wenn alle Akteure ihre Verhandlungsbereitschaft und ihren Lösungswillen zeigen.“

>>>Das große Special zur East Side Gallery<<<