Wegen des bundesweiten Warnstreiks bei der Lufthansa sind am Berliner Flughafen Tegel am Donnerstag 89 Verbindungen ausgefallen. Neben 25 Starts und 25 Landungen von Lufthansa-Maschinen seien auch andere Airlines betroffen gewesen, sagte Flughafen-Sprecher Lars Wagner. Die Lufthansa-Maschinen hätten den Platz auf dem Flughafen blockiert, so dass auch andere Flugzeuge nicht abgefertigt werden konnten.

Zu großem Chaos kam es Wagner zufolge nicht. Durch die Ankündigung des Streiks am Vortag seien viele Passagiere informiert gewesen und gar nicht erst zum Flughafen gekommen. Trotzdem habe es Schlangen an den Schaltern gegeben.

Die Gewerkschaft Verdi hatte den Ausstand mehrerer tausend Mitarbeiter am Vortag angekündigt. Rund 6000 Mitarbeiter legten dann am Donnerstag den Flugverkehr des Unternehmens weitgehend lahm. „Wir wollten ein Warnsignal an die Arbeitgeber aussenden und denken, dass das funktioniert hat“, sagte Verdi-Sprecherin Martina Sönnichsen. Die Lufthansa strich wegen der Ausstände nach eigenen Angaben über 670 von rund 1800 geplanten Flügen, darunter nahezu alle Inlands- und Europaflüge.

Am Standort Hamburg legten nach Angaben von Verdi rund 4000 Lufthansa-Mitarbeiter die Arbeit nieder. In Frankfurt beteiligten sich demnach 2000 Angestellte an dem Streik, sowie einige hundert an weiteren Standorten. Neben Berlin wurden außerdem München, Düsseldorf und Köln teilweise bestreikt. Die seit Ende Februar laufenden Tarifverhandlungen sind derzeit festgefahren: Die Gewerkschaft Verdi fordert 5,2 Prozent mehr Lohn, die Lufthansa beharrt auf einer Nullrunde.

Kostenlose Stornierungen und Umbuchungen

Der Streik begann in den frühen Morgenstunden und dauerte bis zum Mittag an. „Bis zum Abend sind noch Einschränkungen zu erwarten, weil viele Rückflüge davon abhängig sind, dass der Hinflug stattgefunden hat“ sagte eine Sprecherin der Lufthansa. Über die Gesamtzahl der von den Ausfällen betroffenen Fluggäste und die entstandenen Kosten wollte der Konzern keine Angaben machen. Lufthansa bietet für Flüge, die gestrichen wurden, kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an.

Verdi hatte am Mittwoch zu dem Warnstreik aufgerufen, weil Lufthansa einen „völlig inakzeptablen Forderungskatalog“ vorgelegt habe, sagte Christine Behle, Mitglied im Bundesvorstand der Gewerkschaft. Laut Verdi forderte die Lufthansa neben einer Nullrunde bis Januar 2015 auch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde.

Gleichzeitig sollen demnach bis Januar 2015 auch Steigerungsstufen bei den Mitarbeiterentgelten ausgesetzt werden. Vorgesehen sei daneben, dass Teile der Bezahlung der Mitarbeiter vom Geschäftserfolg abhängig gemacht werden. Verdi dagegen verlangt für die rund 33.000 Beschäftigten des Konzerns 5,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Gewerkschaft will daneben Verbesserungen für die Auszubildenden der Fluggesellschaft. Auch das Thema Beschäftigungssicherheit steht für die Gewerkschaft auf der Tagesordnung.

Die Lufthansa durchläuft derzeit ein Sparprogramm. Der Konzern will unter anderem weltweit 3500 Stellen in der Verwaltung streichen und dadurch zusammen mit anderen Schritten sein Ergebnis im laufenden Geschäft um 1,5 Milliarden Euro verbessern.

dpa/AFP/sh