Wegen der Warnstreiks von Beschäftigten der Lufthansa wurden am Flughafen Tegel am Donnerstag fast alle Verbindungen der Airline gestrichen. Bis zum Mittag sollen 50 Flüge von und nach Tegel ausfallen, wie Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber im Inforadio des RBB ankündigte. Auch nach dem voraussichtlichen Ende des Warnstreiks an mehreren Flughäfen in Deutschland am Mittag werde es Ausfälle geben. Der Airport in Schönefeld ist nicht betroffen. Dorthin fliegt Lufthansa nicht.

Die Lufthansa hat bundesweit für den Vormittag nahezu das komplette Deutschland- und Europaprogramm gestrichen. In Tegel fielen unter anderem Flüge nach Frankfurt/Main, Düsseldorf, München, Saarbrücken und London aus. Gestrichen wurden zudem unter anderem Verbindungen von Nürnberg, Budapest, München, Frankfurt/Main und Stuttgart nach Tegel.

Die Gewerkschaft Ver.di will mit den Arbeitsniederlegungen den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen. Am Freitag soll die zweite Verhandlungsrunde über die Tarifgehälter von rund 33.000 Boden- und Sicherheitsmitarbeitern der Lufthansa stattfinden. Streikende Lufthansa-Mitarbeiter haben sich am Donnerstagmorgen vor dem Flughafen Tegel versammelt.

Am Flughafen versammelten sich am Morgen rund 250 Streikende. Zunächst blieb es relativ ruhig, weil der Streik angekündigt worden war und die meisten Passagiere bereits umgebucht oder sich Zugtickets besorgt hatten.

Allerdings rechneten Flughafenmitarbeiter damit, dass es nach dem Ende des Warnstreiks ab 12 Uhr chaotisch werden könnte. Dann sollten nämlich die wartenden Passagiere auf die Flüge verteilt werden.

Die meisten Passagiere nehmen es gelassen

Familie Köllmer saß am Morgen im Café spielte Karten. Sie seien um 5 Uhr aufgestanden, damit sie um 6 Uhr in Tegel sind. Ihr Flug nach barcelona wurde jedoch gestrichen. Stattdessen fliegen sie um 10.30 Uhr nach München und dann erst weiter. In Barcelona wartet am Abend ein Kreuzfahrtschiff auf sie. Die Familie nimmt die Streichung gelassen. Nur ihr Kreuzfahrtschiff wollen Philipp (10) und Pia (7) aus Wolfsburg auf keinen Fall verpassen: "Wir wollen in die Sonne!"

Weniger gelassen nahm heute Morgen Nazeeha Saeed (32) ihren gestrichenen Flug in ihre Heimat Bahrain. "7.30 Uhr sollte mein Flug gehen. Als ich gesehen habe, dass er ausfällt, war ich erst einmal völlig fertig." Vor 12 Uhr wird sie wahrscheinlich keine weiteren Informationen erhalten, denn so lange können weitere Flüge gestrichen werden.

Am Vormittag bildete sich eine längere Schlange vor dem Lufthansa-Counter, um Flüge umzubuchen. Probleme gab es auch bei anderen Fluggesellschaften, weil die Flugzeuge wegen des Winterwetters vereist waren. Die meisten Wartenden nahmen den Warnstreik gelassen. Weitere Informationen für die Fluggäste sollte es erst gegen Mittag geben.

Lufthansa streicht insgesamt 700 Flüge

Insgesamt fielen am Donnerstag knapp 700 Flüge aus. Interkontinental-Flüge sollten dagegen weitgehend stattfinden. „Wir halten den Warnstreik zum jetzigen Zeitpunkt für unverhältnismäßig“, sagte ein Konzernsprecher.

mit dpa