Flugreisende müssen sich an diesem Donnerstag auf einen erneuten Chaostag einstellen. Im Tarifkonflikt bei der Lufthansa ruft die Gewerkschaft Ver.di ihre Mitglieder zu einem mehrstündigen Warnstreik auf.
Am Flughafen Berlin-Tegel sollen die Flugbegleiter der größten deutschen Airline ihre Arbeit niederlegen. Allein bei der Protestaktion in Berlin rechnet Ver.di mit etwa 150 Teilnehmern. Bundesweit sollen nach Gewerkschaftsangaben vom Mittwoch fast alle großen Flughäfen punktuell bestreikt werden.
Schwerpunkte sollen die Airports in Frankfurt (Main) und Hamburg sein. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt soll der Ausstand voraussichtlich von 5 bis 10 Uhr dauern. Aktionen sind auch in München, Düsseldorf und Köln/Bonn geplant.
Alle deutschen Flughäfen könnten betroffen sein
Über die genaue Streiktaktik machte Ver.di noch keine Angaben. Es handele sich um „ein Warnsignal“ an die Arbeitgeber, sagte ein Sprecher. Deshalb würden auch noch nicht alle Lufthansa-Beschäftigten an den Aktionen beteiligt. Je nach Standort sollten einzelne Berufsgruppen ihre Arbeit niederlegen. Es sei nicht geplant „den ganzen Betrieb lahmzulegen“.
Ungeachtet dessen bereitete sich die Lufthansa am Mittwoch auf das Schlimmste vor. Voraussichtlich würden bis zum Mittag alle Flüge innerhalb Deutschlands und alle Verbindungen in Europa gestrichen, sagte Unternehmenssprecher Wolfgang Weber der Berliner Morgenpost. Weber rechnete damit, dass – zumindest mittelbar – alle deutschen Flughäfen betroffen seien.
„Auch Standorte, die nicht direkt bestreikt werden, werden die Auswirkungen zu spüren bekommen“, sagte er. Die Liste aller betroffenen Flüge veröffentlichte die Lufthansa am Nachmittag auf ihrer Internetseite. Den Angaben zufolge sollten vom frühen Morgen bis zum Nachmittag insgesamt 480 Verbindungen ausfallen. Viele Flüge seien vorsorglich gestrichen, um den Kunden Planungssicherheit zu geben, teilte das Unternehmen mit.
Am frühen Morgen blieb das Chaos allerdings zunächst aus. „Da der Streik vorher angekündigt war, konnten sich die Fluggäste zum Glück darauf einstellen. Lange Schlangen an den Schaltern bilden sich derzeit noch nicht“, sagte Ver.di-Sprecher Gerold Schaub am Morgen in Frankfurt.
Passagiere können kostenfrei stornieren oder umbuchen
Beim Flug- und Abfertigungsbetrieb seien wegen der Ausstände „erhebliche Beeinträchtigungen“, darunter lange Wartezeiten, zu erwarten. Laut Lufthansa sollen aber zumindest Langstreckenflüge an den Flughäfen Frankfurt, München und Düsseldorf „nach Möglichkeit“ stattfinden.
Zehntausende Kunden, die bei der Buchung ihre Kontaktdaten angegeben hatten, wurden bereits am Mittwoch per E-Mail oder SMS über das drohende Chaos auf den Flughäfen informiert. Allein am Flughafen Tegel streicht das Unternehmen 25 Abflüge. Ebenso 25 Flüge nach Berlin fallen aus.
Passagieren, deren Flüge gestrichen wurden, bietet Lufthansa die Möglichkeit an, kostenfrei zu stornieren oder umzubuchen. Einen Anspruch auf weiteren Schadenersatz haben die Kunden nicht, wie Unternehmenssprecher Weber betonte.
Germanwings, ein Tochter-Unternehmen der Lufthansa, muss wegen der Warnstreiks nach eigenen Angaben keine Flüge streichen. Allerdings seien am Donnerstag Verzögerungen bei der Abfertigung sowie Verspätungen zu erwarten, teilte Germanwings mit.
Ver.di fordert 5,2 Prozent mehr Gehalt für Lufthansa-Mitarbeiter
Mit dem bundesweiten Warnstreik will Ver.di Druck in den laufenden Tarifverhandlungen für die etwa 33.000 Lufthansa-Beschäftigen machen. Die nächste Verhandlungsrunde ist am Freitag geplant. Ver.di fordert für die Lufthansa-Mitarbeiter 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten.
Außerdem verlangt die Gewerkschaft verbindliche Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen im laufenden Umstrukturierungsprozess des Konzerns. Die Lufthansa lehnt die Forderungen bisher ab und verweist auf die schwierige wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Aus Sicht der Arbeitgeber ist angesichts der Wirtschaftslage nur eine „Nullrunde“ bei Löhnen und Gehältern möglich.
Nach Ver.di-Angaben will das Lufthansa-Management aber nicht nur einen zweijährigen Verzicht auf Gehaltserhöhungen durchsetzen. Auch längere Arbeitszeiten und das Aussetzen von stufenweisen Tarifsteigerungen sei vorgesehen.
Sicherheitspersonal in Düsseldorf und Köln hat bereits gestreikt
„Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber und ihre Gegenforderungen zu Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung sind eine Provokation, die bei den Lufthanseaten zu starker Unruhe und Verärgerung geführt hat“, sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.
Verhandelt wird über die Gehälter der Beschäftigten bei Lufthansa Cargo, der Catering-Tochter LSG, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie der Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine.
Flugreisende müssen nicht zum ersten Mal in diesem Jahr unter den Folgen von Tarifkonflikten leiden. Im März hatten bereits Warnstreiks des Sicherheitspersonals an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn für bundesweite Ausfälle und Verspätungen gesorgt.
mit rtr; AFP




