Der Wintereinbruch hat für Verkehrsbehinderungen auf der Straße, der Schiene und in der Luft gesorgt. Kalte Füße holten sich im morgendlichen Berufsverkehr am Montag insbesondere Fahrgäste der Berliner S-Bahn. Aber auch Passagiere am Flughafen Tegel mussten aufgrund von Schnee und Eisglätte Geduld beweisen. Relativ ungeschoren dagegen blieben Autofahrer im Stadtgebiet: Während am Wochenende noch ein erhöhtes Unfallaufkommen gemeldet wurde, hat sich die Lage zu Wochenbeginn entschärft.

Teils erhebliche Behinderungen durch Zugausfälle meldete erneut die S-Bahn. Noch am Abend kam es auf den Ringbahnlinien S41 und S42 wegen einer Weichenstörung in Westend zu erheblichen Verspätungen und Ausfällen. Auch aufgrund anderer Weichenstörungen fielen tagsüber zahlreiche Züge aus. Die größten Probleme gab es dabei am Bahnhof Ostkreuz. Laut einem Bahnsprecher hatte sich dort Eis in einem Verschluss verkeilt, die Weichenzunge ließ sich dadurch nicht mehr bewegen.

Spezialisten mussten für die Reparatur angefordert werden. Zwischen 9.34 und 10.15 Uhr war nach Bahnangaben der Zugverkehr auf den Linien S5, S7 und S75 zwischen Lichtenberg und Ostkreuz gestört. Die Bahn organisierte Ersatzverkehr mit 14 Bussen. Die Reisenden benötigten erheblich längere Fahrzeiten. Für weitere Probleme sorgte ein schadhafter Zug der Linie S46, der kurz vor 10 Uhr in Neukölln liegen geblieben war. Die Folge waren Verspätungen auf den Ringbahn-Linien S41 und S42.

Weniger Doppelwagen im Einsatz

Wegen Eis und Schnee kam es zudem zu weiteren Zugausfällen. Insgesamt standen der S-Bahn am Morgen nur 501 Viertelzüge zur Verfügung, in der vergangenen Woche waren noch bis zu 517 Doppelwagen einsatzbereit. Deshalb wurde der Verkehr auf der Linie S45 (Flughafen Schönefeld–Südkreuz) eingestellt, die S46 verkehrte nur zwischen Königs Wusterhausen und Schöneweide. Ein weiterer Weichendefekt sorgte im Nordosten für Behinderungen. Züge der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) konnte auf der Regionalbahnlinie RB27 zeitweise nicht in den Endbahnhof Karow einfahren. Die NEB richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Schönerlinde und Berlin-Buch ein. Aufgrund der Weichenstörung kam es auch auf der S2 zu Verspätungen.

Deutlich besser lief es bei den Bussen und Straßenbahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Keine besonderen Vorkommnisse“ meldete BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Lange Schlangen und genervte Gesichter gab es jedoch bei vielen Fluggästen am Flughafen Tegel. Dort kam es wegen des winterlichen Wetters bei einigen Flügen zu Verspätungen. „Diese dauerten aber meist nicht länger als 20 Minuten“, sagte Flughafensprecher Lars Wagner. „So lange dauert es, bis ein Flugzeug von Schnee und Eis befreit ist und starten kann.“ Die Start- und Landebahn wurde die ganze Nacht über geräumt.

Auch am Morgen wurden noch die letzten Flocken Neuschnee beseitigt. „Angesichts der winterlichen Witterung war die Situation im Rahmen des Erwartbaren“, so Wagner weiter. Größere Ausfälle habe es nicht gegeben. Allerdings sorgten die Streiks am Flughafen Düsseldorf unabhängig vom Schneefall für zusätzliche Flugausfälle. „Die Folgen haben wir auch in Berlin zu spüren bekommen“, sagte Wagner. „Wenn aus Düsseldorf kein Flugzeug nach Tegel reinkommt, kann auch keines von hier aus abheben.“ Davon seien über den Tag verteilt elf Maschinen betroffen gewesen.

Während die Berliner Polizei am Montag „kein erhöhtes Unfallaufkommen“ meldete, hatten Autofahrer am Sonntagabend noch erhebliche Probleme. Wer gegen 19 Uhr von Norden kommend in Richtung Innenstadt unterwegs war, kam nur langsam voran. Auf der Autobahn in Stadtnähe waren die Fahrbahn zwar meist schneefrei. Doch spätestens ab der Abfahrt Kaiserdamm bewegten sich die Fahrzeuge im Schritttempo um die Kurven. Die Autos hielten Abstand und kamen sich daher nicht in die Quere.

Kritisch wurde es rund um den Großen Stern. Die Fahrbahnmarkierungen im Kreisverkehr waren nicht mehr zu erkennen. Am Sonntag zählte die Polizei allein in der Zeit von Mitternacht bis 13 Uhr 165 Unfälle, so ein Polizeisprecher. Dabei habe es sich jedoch zumeist um Blechschäden gehandelt.

Die Meteorologen kündigten unterdessen für Dienstag nur noch leichte Schneefälle an. Die Temperaturen steigen von minus fünf bis minus sechs Grad nachts auf tagsüber um die Null Grad, wie Diplommeteorologe Jürgen Schmidt von Wetterkontor erklärte. Die Nacht zu Mittwoch könne bei aufklarendem Himmel minus zehn Grad kalt werden. Erst am Wochenende drehe der Wind auf Südwest und bringe mildere Temperaturen nach Berlin.