Testlauf

In Berlin entscheidet der Po über die neuen U-Bahn-Sitze

Lieber Hartschale oder weiches Polster? Fahrgäste der BVG können seit Dienstag mitentscheiden, welche Sitze in die U-Bahn kommen sollen.

Einladung zum Probesitzen: Berliner können seit Dienstag an einem Test neuer U-Bahn-Sitze teilnehmen. So soll herausgefunden werden, welche der Sitzgelegenheiten den meisten Anklang bei den Fahrgästen finden, teilte die BVG am Dienstag mit. „Die Sitze müssen nicht nur uns gefallen, sondern vor allem unseren Kunden“, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak bei der Auftaktveranstaltung am Berliner Alexanderplatz.

Sieben Sitztypen stehen zur Wahl. Es sind Spenden von Verkehrsbetrieben aus ganz Deutschland, somit Sitze, die schon in Gebrauch sind. Mit dem bekannten BVG-Polstermuster versehen, sollen die Berliner nun herausfinden, welches Modell sie in ihrer U-Bahn wollen.

„Der Po soll entscheiden“, gab BVG-Chefin Sigrid Nikutta den Testern mit auf den Weg. Die Auswahl sei eine „Richtungsentscheidung“ für die nächsten Jahrzehnte. Hygiene, Komfort und Resistenz gegen Vandalismus seien für die BVG wichtige Kriterien.

Hartschale oder Polster

Die Testsitzer können zwischen Hartschale und Polster sowie zwischen Stoff- und Kunstlederbezug wählen. Auch die Längen der Sitzfläche und der Rückenlehne unterscheiden sich. Ein Wahlhelfer vor Ort gibt den Wunsch jedes Einzelnen dann in einen Computer ein.

Bis Mittwoch (17. Oktober) werden die Sitze noch im U-Bahnhof Alexanderplatz auf dem Gleis der U5 von Hönow kommend präsentiert. Danach tourt die BVG mit der Aktion bis zum 29. Oktober noch zu 23 weiteren Stationen in allen Berliner Bezirken. Zum Schluss werden vier der gezeigten Sitztypen verlost.

Fahrgäste wollen gepolsterten Komfort

Die ersten Tester freuten sich über das Probesitzen. „Wirklich eine Super-Aktion“, sagte die Berlinerin Anne Görges. Ihre drei kleinen Töchter Juliana, Pauline und Anna haben sich für einen Stoffsitz entschieden, der sei schön weich, und sie hätten genügend Platz.

Rentnerin Irmtraud Fritsche will ebenfalls einen gepolsterte Sitzplatz. Die Hartschalensitze seien „ganz ätzend“. Sie fahre fast täglich eine Stunde nach Spandau und werde nervös, wenn sie unbequem sitze. Sie ist gezielt zum Alexanderplatz gekommen, um an der Aktion teilzunehmen. „Sonst kann man ja nicht mitentscheiden.“

Die am Ende ausgewählten Sitzreihen sollen dann in den neuen U-Bahnen frühestens ab 2015 zum Einsatz kommen. Die neuen Züge werden sofort mit ihnen ausgestattet, die älteren werden nachgerüstet.

Kein Novum in der deutschen Bahngeschichte

Der Sitztest am Alexanderplatz ist kein Novum in der deutschen Bahngeschichte. In Großstädten wie München oder Stuttgart habe es so etwas schon gegeben, in Leipzig laufe derzeit ein ähnliches Projekt in den Straßenbahnen, sagt Kaiser. In Berlin werde nun zum ersten Mal Probe gesessen. Bei der Deutschen Bahn aber sind sogenannte Sitzlabore schon gut bekannt. „Vieles, was wir als Insider für innovativ halten, wird von Fahrgästen ganz anders verstanden“, sagt eine DB-Sprecherin.

Im hoch verschuldeten Berlin stehen für die Vorauswahl auch die Kosten im Vordergrund, sagt der U-Bahn-Direktor der BVG, Hans-Christian Kaiser: „Wenn man kein Geld hat, muss der Sitz wirtschaftlich sein.“ Pro Einzelplatz koste ein Sitz zwischen 150 und 350 Euro, die Bestuhlung eines gesamten Zuges bis zu 32.000 Euro.