Umfrage

Berliner fühlen sich in der U-Bahn nicht sicher

Eine Umfrage zeigt, wo die BVG nachbessern muss. Fahrgäste bemängeln vor allem das Fehlen von Personal auf den U-Bahnhöfen.

Foto: Timur Emek / dapd

Die Berliner U-Bahn gehört statistisch zu den sichersten Verkehrsmitteln in der Stadt. Doch nicht jeder Fahrgast fühlt sich in den gelben Zügen und auf den Bahnsteigen auch wohl. Das bestätigt jetzt auch eine aktuelle Fahrgastbefragung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Danach erhält die U-Bahn zwar für ihre Schnelligkeit und Pünktlichkeit vergleichsweise gute Noten (1,9 und 2,0).

Sehr hoch ist auch die Akzeptanz der Video-Überwachungstechnik, die inzwischen auf allen Bahnhöfen und in einem Teil der Wagen eingesetzt wird. Schlechte Zensuren gibt es dagegen für die Sicherheit und Sauberkeit von Zügen und den Bahnsteigen. Besonders bemängelt wird von den Fahrgästen dabei das Fehlen von BVG-Mitarbeitern in den Bahnhöfen.

Angesichts der schlechten Umfragewerte zur subjektiv empfundenen Sicherheit kündigte U-Bahn-Chef Hans-Christian Kaiser Schritte an, mit denen wieder mehr Präsenz auf den Bahnsteigen erreicht werden kann. „Es gibt erste Überlegungen bei uns, über die aber noch weiter diskutiert werden muss“, sagte Kaiser am Montag bei einer Veranstaltung des Berliner Fahrgastverbandes Igeb.

Umfangreiches Sicherheitsprogramm

Der Verband begrüßte diese Überlegungen. „Wir fordern seit Langem wieder mehr sichtbares Personal auf den Bahnsteigen. Das ist nicht nur eine Frage des subjektiven Sicherheitsgefühls, sondern gehört einfach zum guten Kundenservice“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Er verwies auf positive Erfahrungen in anderen Großstädten. „Die Züricher Verkehrsbetriebe werben beispielsweise damit, dass sie nach 20 Uhr in den S-Bahnen Mitarbeiter in den Zügen mitfahren lassen.“

Die Sicherheit speziell in der U-Bahn ist spätestens seit der Abschaffung der Bahnhofsaufsichten ein Dauerthema in der öffentlichen Diskussion. Nach mehreren schweren Gewalttaten speziell in U-Bahnhöfen ist die Sicherheitsdebatte vor einiger Zeit wieder voll entbrannt.

Nach zwei besonders brutalen Überfällen im vergangenen Jahr in Lichtenberg und im Bahnhof Friedrichstraße, die auch bundesweit für erhebliches Aufsehen sorgten, gab es sogar einen Sicherheitsgipfel unter der Ägide des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Beschlossen wurde im Mai 2011 zwar ein umfangreiches Sicherheitsprogramm, das unter anderem eine verstärkte Präsenz von Polizei und privaten Sicherheitskräfte in der U-Bahn vorsah. Doch bis die ersten neu ausgebildeten Polizisten einsatzbereit sind, wird es noch bis Herbst 2013 dauern.

Sicheres Gefühl am Tag

Das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste ist daher weiterhin eher schlecht, wie die repräsentative Befragung von 1035 Fahrgästen im Sommer dieses Jahres belegt. Laut der BVG-Studie, die Morgenpost Online in Auszügen vorliegt, wird die Personalpräsenz auf Bahnhöfen mit der Note 3,7 mit Abstand am schlechtesten bewertet.

Ein Vergleichswert zum Vorjahr liegt nicht vor, weil dieses Qualitätsmerkmal erstmals abgefragt wurde. Die „persönliche Sicherheit nachts in den Bahnhöfen“ bewerteten die befragten Fahrgäste mit der gleichfalls vergleichsweise schlechten Note 3,4. Die „persönliche Sicherheit nachts in der U-Bahn“ wurde mit 3,3 kaum besser benotet.

Deutlich besser fiel die Bewertung der persönlichen Sicherheit am Tage aus. Die Bahnhöfe bekamen die Note 2,4, die Fahrt im Zug wurde sogar mit einer überdurchschnittlich guten 2,2 bewertet. Die Bewertungen lagen entweder auf Vorjahresniveau oder waren geringfügig besser.

Ständige Präsenz zu teuer

Offiziell waren die Aufsichten und damit die ständige Präsenz von BVG-Mitarbeitern Ende der 1990er-Jahre abgeschafft worden, weil die BVG ein neues Abfertigungssystem einführte, bei dem die Triebfahrzeugführer sich selbst das Abfahrtssignal gaben. Verbunden damit war aber auch eine erhebliche Personaleinsparung, was zur Kostensenkung bei der hoch verschuldeten BVG beitrug.

Der Kostendruck ist inzwischen nicht geringer geworden, die Verbindlichkeiten der BVG sind auf rund 800 Millionen Euro angewachsen. Ständig präsente Mitarbeiter auf den Bahnsteigen würden für die BVG mit erheblichen Mehrkosten verbunden sein. Zusätzliches Geld vom Senat ist angesichts der auch dort klammen Kassen nicht zu erwarten, heißt es.

BVG-Vorstandschefin Sigrid Nikutta hat die Unternehmensbereiche U-Bahn und Sicherheit jetzt aufgefordert, in einem Projekt bis zum Jahresende konkrete Vorschläge für Verbesserungen auf dem Gebiet der subjektiven Fahrgastsicherheit und deren Finanzierung zu entwickeln.

Fahrgastverband gegen Preiserhöhungen

Dabei sollen auch Erfahrungen von anderen Verkehrsunternehmen ausgewertet werden. Finanziert werden soll eine möglicherweise stärkere Präsenz von BVG-Mitarbeitern auf den Bahnsteigen in erster Linie durch organisatorische Änderungen. Zusätzliches Geld soll das Projekt möglichst nicht kosten.

Die Finanzierung eines höheren Personaleinsatzes über höhere Ticketpreise, wie es von Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) ins Gespräch gebracht wurde, lehnt der Fahrgastverband strikt ab. „Ein besseres Sicherheitsgefühl in der U-Bahn gerade am Abend sorgt für mehr Fahrgäste. Mehr Fahrgäste bescheren der BVG auch mehr Einnahmen“, argumentierte Wieseke.