Im wahrsten Sinne des Wortes komische Käuze zogen am Sonnabend durch Kreuzberg. Gefiedert und mit buschigen Ohren auf dem Kopf zeigten sich viele Teilnehmer der Kinderkarnevals-Karawane, mit welcher der Karneval der Kulturen traditionell seine Umzüge beginnt.
Die Eule ist das Mottotier der 16. Kinderparade. 15 Gruppen hatten sich für den Festzug angemeldet, der gegen Mittag am Mariannenplatz startete und sich in einem bis in den Abend dauernden Kinderfest im Görlitzer Park auflöste.
Einfallsreich und doch mit einfachen Mitteln hatten die mehrere hundert Aktiven ihre Requisiten kreiert. Ganz wie echte Eulen, konnte das überdimensionale Federtier der Kinder- und Jugendeinrichtung Alte Feuerwache seinen Kopf um 360 Grad drehen.
Verarbeitet hatten die jungen Künstler dabei Plastikrohre, Stoff und Papier, sogar das Bein einer Schaufensterpuppe. Als Augen dienten Gummireifen. Auch die 10-jährige Fatma hatte ihre bunt bemalte Augenmaske natürlich selbst gestaltet, ebenso wie ihre Freundinnen Dilan und Isabel.
Die echten Artgenossen ihres Kostümtieres hätten allen Grund, auf so viel Farbenpracht und glitzernde Zier neidisch zu sein. Die Mädchen gehören zur vierten Klasse der Kreuzberger Kurt-Schumacher-Grundschule, die im Rahmen einer Projektwoche eine Hip-Hop-Performance einstudiert hatte.
„Das hat echt Spaß gemacht“, erzählte Fatma strahlend. Ganz einfach sei es aber auch nicht gewesen, gestand Isabel, bevor sich die Mädchen aufgeregt in ihre Formation einreihten. Gelassener blieb Melina (12), die bereits zum zweiten Mal mit ihrer Tanzgruppe aus Tempelhof beim Umzug dabei war. Auch Valentin – der Schöneberger gehörte als einziger Junge zur Formation – gab sich wie ein Profi: „Ich kenne das ja schon“, sagte der 11-Jährige.
Für Elena (8) aus Joachimsthal dagegen war es der erste Straßenkarneval in Berlin, und das war ihr anzumerken. Auch wenn dann beim Start der Karawane doch alles prima klappte. Seit Jahren bereits kämen sie zum Kinderkarneval, erzählte Pfarrerin Beatrix Spreng von der Evangelischen Joachimsthaler Kirchengemeinde.
„Das ist eine schöne Gelegenheit für unsere Kinder, eine kulturelle Welt kennenzulernen, die es so bei uns nicht gibt. Davon erzählen sie später noch, auch in der Schule“, sagte Spreng. So seien bleibende Freundschaften zwischen Kreuzberger und Joachimsthaler Kindern entstanden. Das Engagement der Brandenburger Gemeinde ist Teil des Projektes „Bands auf festen Füßen“, das sich gegen Rechtsextremismus wendet.
Für unterhaltsamen Kulturaustausch steht auch der Straßenumzug des Karnevals der Kulturen am Pfingstsonntag, der um 12.30 Uhr am Hermannplatz startet und gegen 21.30 in der Yorckstraße Ecke Möckernstraße endet. 96 Gruppen mit zusammen mehr als 5000 Teilnehmern sind gemeldet. Wie schon in der Vergangenheit hatte die Werkstatt der Kulturen fehlende Unterstützung durch das Land für Berlins größte öffentliche Veranstaltung kritisiert.
Ebenfalls am Pfingstsonntag von 11 bis 24 Uhr sowie am Pfingstmontag von 11 bis 19 Uhr gibt es auf dem Blücherplatz das traditionelle Straßenfest. An 350 Ständen kann Kunsthandwerk erstanden und geschlemmt werden. Auf vier Bühnen sorgen Musiker dabei für Unterhaltung. Straßentheaterkünstler, Tänzer und Akrobaten zeigen außerdem auch auf dem „Rasen in Aktion“ ihr Können. Die Werkstatt der Kulturen erwartet wie in den vergangenen Jahren zum Karnevalsumzug etwa 700.000 Schaulustige sowie Tausende Besucher auf dem Straßenfest. Mit Verkehrsbeeinträchtigungen ist zu rechnen.



