Brandschutz-Probleme

Eröffnung verschoben - Berlins Flughafen kriegt keinen TÜV

Der Hauptstadt-Flughafen in Schönefeld wird nicht am 3. Juni eröffnet. Es gibt Probleme mit dem Brandschutz - und mit dem TÜV.

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld (BER) wird nicht wie geplant am 3. Juni eröffnet. Das wurde am Dienstag aus Kreisen von Bundesregierung und Landesregierung Brandenburg bestätigt. Die Verzögerung könne mehrere Wochen oder auch Monate dauern, hieß es.

Berliner Flüge werden vorerst weiterhin über die Airports in Tegel und Schönefeld abgewickelt, teilten Branchenkreise Morgenpost Online mit. Unklar ist bislang, wie mit neuen Verbindungen ab BER umgegangen wird.

„Es ist unklar, wann der Flughafen eröffnet wird, ob im August, ob im September. Die Sicherheit geht vor“, sagte Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) in Potsdam. Problem seien der Brand- und Katastrophenschutz, die Meldewege sowie Türabsperrungen.

Die obligatorische Prüfung durch den Technischen Überwachungsvereins (TÜV) könne nicht abgeschlossen werden, weil die entsprechenden Anlagen noch nicht fertig sind. „Es kann also keine Abnahme vom TÜV geben. Sie sind noch nicht so weit“, sagte Woidke: "Es gibt keine abnahmefähigen Unterlagen.“ Branchenkreise bestätigten Morgenpost Online, dass weitere Nachbesserungen erforderlich seien.

Bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung von Berliner Senat und Brandenburger Landesregierung sollte der Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen, Rainer Schwarz, einen Sachstandsbericht abgeben. Dabei wurde klar, dass der Eröffnungstermin 3. Juni nicht haltbar ist.

Anscheinend wurden die Landesregierungen der beiden Bundesländer wie auch das Bundesverkehrsministerium von der Verschiebung überrascht. In einer gemeinsamen Erklärung des Sprechers der Landesregierung Brandenburg, Thomas Braune, und des Sprechers des Senats von Berlin, Richard Meng, heißt es, man habe sich "umgehend" entschlossen, die Gespräche statt in Potsdam auf dem Flughafengelände fortzusetzen - aufgrund von "Informationen des Sprechers der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen in der heutigen gemeinsamen Kabinettssitzung".

Eine gemeinsame Pressekonferenz des Brandenburger Kabinetts und des Berliner Senats wurde am Vormittag abgesagt. Es wurde auf eine Pressekonferenz der Flughafengesellschaft um 13 Uhr verwiesen. Flughafenchef Schwarz und sein Chefplaner Manfred Körtgen sollen über die Einzelheiten der Terminabsage Auskunft geben.

Noch vor zwei Wochen, am 24. April, hatte Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen gesagt, die Genehmigungen auch für den Brandschutz seien auf dem Weg. Schon damals gab es Berichte, die Belüftungsanlage für den Brandfall im Terminal funktioniere nicht ordnungsgemäß.

Die Inbetriebnahme des Willy-Brandt-Flughafens wird damit zum zweiten Mal verschoben. Im Juni 2010 war der Termin November 2011 gekippt und auf den 3. Juni 2012 verlegt worden. Hauptgrund war damals eine Umplanung für zusätzliche Pavillons, die für neue Sicherheitsschleusen errichtet werden mussten.

Die Fraktionsvorsitzende der Berliner Grünen, Ramona Pop, kritisierte den verzögerten Start des Flughafens in Schönefeld als „Posse“. Die Entscheidung sei ein Schlag ins Gesicht des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD).

Dieser habe die Fertigstellung des Flughafens zu seinem wichtigsten Projekt gemacht. „Es ist der vorläufige Höhepunkt eines von Fehlplanungen, Intransparenz und Pannen begleiteten Flughafenbaus“, erklärte Pop am Dienstag in Berlin. Diese „neue Posse“ passe zu den „jahrelangen Täuschungen“ der Anwohner durch den Senat über die Flugrouten.

Sie vermutet Probleme beim Lärmschutz für die Anwohner als wahren Grund der Verschiebung der Flughafeneröffnung. Dem Radiosender 104.6 RTL sagte sie: "Bevor man sich die Eröffnung des Flughafens von den Anwohnern wegklagen lässt, dann zieht man lieber selber zurück. Und ich denke, das ist auch das, was hier passiert ist."

Schönefelds Bürgermeister Udo Haase bezeichnet die Verschiebung als "große Enttäuschung": "Zumal wir das ja schon mal erlebt haben." Für seine Gemeinde sei dies nicht zuletzt eine finanzielle Belastung. "Manche Firmen werden daher nun später kommen oder sich die Entscheidung noch mal überlegen", sagte Haase.

Vor allem für die neu gebauten Hotels sei dies eine schlechte Nachricht: "Die hatten sich auf den Start am 3. Juni eingestellt und müssen nun mit Ausfällen rechnen. Und nun wird auch die geplante Party abgesagt - es war "einiges geplant", so Haase: "Wir wollten den Umzug mit einem Fest begleiten und mit der ersten S-Bahn um 3:34 Uhr morgens am 3. Juni an den BER fahren." Das ist nun alles geplatzt.

>>> Alle Informationen rund um den neuen Hauptstadtflughafen BER im Special von Morgenpost Online