Alkoholverbot

In Berliner Bussen ist Alkohol verboten – theoretisch

Die Berliner BVG ist skeptisch, ob sich ein Alkoholverbot in der Praxis durchsetzen lässt. Dabei ist der Genuss gar nicht zulässig.

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Die Forderung des Geschäftsführers des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, nach einer gesetzlichen Grundlage für ein bundesweit einheitlich gültiges Alkoholverbot für den öffentlichen Nahverkehr stößt nicht nur bei der Bahn und im Bundesinnenministerium auf Widerstand.

Die Skepsis, ob solch eine Regelung tatsächlich gegen angetrunkene Randalierer helfen würde, teilen auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Wir sind ein Verkehrsunternehmen, keine Ordnungsmacht“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bei täglich 2,7 Millionen Fahrgästen bei BVG und S-Bahn sei ein strenges Alkoholverbot „nicht kontrollierbar“.

Denn auch wenn es viele Berliner gar nicht wissen: Nach den geltenden Beförderungsrichtlinien ist es in Berlin verboten, Busse oder Bahnen mit offenen Speisen oder offenen Getränken zu betreten oder diese während der Fahrt zu konsumieren. Die Mitnahme alkoholischer Getränke ist hingegen erlaubt.

Die BVG setzt daher, auch in Abstimmung mit Verkehrssenator Michael Müller (SPD), derzeit eher auf Aufklärung und mündige Bürger. „Wir waren jüngst mit Sicherheitskräften in der Party-Tram M10 unterwegs und haben die Fahrgäste gezielt angesprochen“, sagt Reetz. „Die meisten haben entspannt regiert und gesagt, sie hätten von dem Verbot gar nicht gewusst.“ Die BVG hat daraus bereits Lehren gezogen. An einigen Bussen und Bahnen kleben neue Piktogramme, die auf die Regeln hinweisen. Bis Ende des Jahres sollen alle Fahrzeuge damit beklebt sein.

Reetz verweist auf die Erfahrungen mit dem Rauchverbot in Bahnhöfen. Als das eingeführt wurde, habe niemand geglaubt, dass es konsequent durchgesetzt werden könnte. Inzwischen sei es aber durch gesellschaftliche Veränderungen auch ohne Kontrollen weitgehend akzeptiert.

Der Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes, Jens Wieseke, fordert, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und ihre Maßnahmen abstimmen. „Es gibt ein regelrechtes Chaos an Vorschriften, der Fahrgast blickt nicht mehr durch, was nun erlaubt oder verboten ist.“ VBB-Chef Franz zeigte sich enttäuscht von der Position der Bahn, will das Thema aber weiterhin auf die Tagesordnung setzen. „Ich bin überzeugt davon, dass wir am Ende den Alkoholkonsum stark einschränken oder ganz verbieten werden“, sagte der Verbundschef.