Nach einer weitgehend ruhigen Walpurgisnacht bereitet sich die Polizei gelassen auf die bevorstehenden 1. Mai-Demonstrationen in Berlin vor. Rund 7000 Beamte sollen die Veranstaltungen sichern und Ausschreitungen verhindern. Dabei muss sich die Polizei auf neue Einsatzorte einstellen: Die bis zu 15.000 erwarteten Teilnehmer der „Revolutionären 1. Mai-Demo“ am Abend ziehen erstmals aus Kreuzberg heraus bis ins Regierungsviertel. Dabei passiert der Demonstrationszug auch mehrere Bundesministerien.

Um 9 Uhr hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund zur Auftaktveranstaltung zwischen Hackeschem Markt und Spandauer Straße aufgerufen. Ab 10 Uhr setzte sich von dort der Demonstrationszug in Richtung Brandenburger Tor in Bewegung. Auf der Straße des 17. Juni findet dann nach der Abschlusskundgebung ein Maifest für Familien statt. Die Veranstalter erwarten 20.000 Teilnehmer.

Parallel beginnt am Vormittag in Kreuzberg 36 das MyFest, organisiert unter anderem vom Bezirksamt. Beim Straßenfest werden bis in die Nacht auf 21 Bühnen diverse Künstler und Musikgruppen vor schätzungsweise insgesamt 25.000 Menschen auftreten.

Das ist die Route der 18-Uhr-Demonstration

Ab 13 Uhr starten in Kreuzberg die Demos. Zunächst sind mehrere Tausend Teilnehmer für die „Revolutionäre 1. Mai“-Demo angemeldet, die sich zwischen Oranien- und Heinrichplatz bewegen soll. Der berüchtigte 18-Uhr-Aufzug „Heraus zum Revolutionären 1. Mai“ startet am Lausitzer Platz und führt in diesem Jahr über Oranien- und Wilhelmstraße zur Straße Unter den Linden. Endpunkt soll der Bebelplatz sein.

Polizeisprecher Thomas Neuendorf ging grundsätzlich von einem friedlichen Verlauf des 1. Mai aus. Nach den Erfahrungen aus der Walpurgisnacht sagte er am Dienstagvormittag: „Es kann wieder zu kleineren, vereinzelten Zwischenfällen kommen.“ In den Vorjahren war vor allem in Kreuzberg am Abend des 1. Mai immer wieder Gewalt aufgeflammt.

In der Nacht zum 1. Mai waren Krawalle ausgeblieben - vereinzelt warfen Demonstranten Flaschen, Steine und Böller. Entlang einer Demoroute im früheren Arbeiterbezirk Wedding hatten Vermummte auf mehreren Dächern bengalische Feuer gezündet.

Unsere Video-Reporter haben die Walpurgisnacht dokumentiert

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Laut Polizei waren bis zu 3300 Teilnehmer gekommen - weit mehr als erwartet. Mit der Demo unter dem Motto „Nimm was Dir zusteht“ sollte ein Zeichen gegen soziale Ausgrenzung gesetzt werden. Die Protestaktion war aber vorzeitig beendet worden, nachdem etwa 200 schwarz gekleidete Demonstranten eine Menschenkette bilden wollten und die Polizei einschritt.

Es seien acht Polizisten leicht verletzt worden, sagte der Polizeisprecher. Es habe etwa 20 Festnahmen gegeben.

Die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers bezeichnete den Einsatz der Beamten als sehr gelungen. „Das ist ein gutes Zeichen für den 1. Mai.“ Die Polizei habe sich nicht provozieren lassen. Rund 3200 Beamte waren im Einsatz. Am 1. Mai wird die Berliner Polizei von rund 3000 Beamten der Bundespolizei und aus anderen Ländern unterstützt.

Die Polizei agiert auch in diesem Jahr mit einer Doppelstrategie. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte zuvor bekräftigt, die Polizei halte sich zurück, solange es friedlich zugehe. Bei Straftaten werde aber konsequent eingeschritten.

Keine Zunahme der Gewalt befürchtet

Seit 1987 kommt es am Rande dieser Demonstration regelmäßig zu gewalttätigen Ausschreitungen. Trotz des 25. Jahrestags erwartet Henkel keine Zunahme bei der Gewalt. Für eine „neue Qualität“ gebe es keinerlei Erkenntnisse, sagte der Senator. Die Aufrufe im Internet und in kursierenden Flugblättern bewegten sich auf dem Niveau der Vorjahre.

Henkel und Koppers tragen erstmals die politische Verantwortung rund um den 1. Mai. Die Hauptstadt-Polizei wird von Bundespolizisten sowie Beamten aus mehreren Bundesländern unterstützt.

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus, Peter Trapp (CDU), bescheinigte der Polizei in der Walpurgisnacht ein besonnenes Vorgehen. Grünen-Abgeordneter Benedikt Lux meinte, es sei so ruhig wie noch nie geblieben. Die Serie des friedlichen Protests setze sich fort. Im Mauerpark in Prenzlauer Berg feierten mehr als 1000 Menschen friedlich die Walpurgisnacht.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begann am Vormittag mit seiner traditionellen 1. Mai-Demonstration und zog zum Brandenburger Tor. Unter dem Motto „Gerechte Löhne - soziale Sicherheit“ ist dort eine Kundgebung geplant. In Kreuzberg startete um 11 Uhr das traditionelle Myfest auf dem Mariannenplatz.

Die rechtsextremistische NPD hat ebenfalls drei kleine Kundgebungen im Ostteil Berlins angemeldet. Gegendemos werden erwartet.

Im Vorjahr waren rund um den 1. Mai rund 100 Polizisten verletzt worden. 161 Störer waren festgenommen worden - wesentlich weniger als in den Jahren zuvor.

dpa/dapd/mim