1. Mai

Berlins Polizeichefin setzt auf kooperative Härte

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Dominik Ehrentraut

Für Margarete Koppers rückt der Entscheidungstag näher. Vor dem 1. Mai gibt sie sich gelassen – und vertraut auf ihre Einsatzleiter.

Es ist nicht leicht, in diesen Tagen an die amtierende Präsidentin der Berliner Polizei heranzukommen. Interviewanfragen werden höflich, aber bestimmt abgelehnt. Nein, im Moment stehe Frau Koppers für ein persönliches Interview nicht zur Verfügung, heißt es im Polizeipräsidium. Ihr Terminkalender ließe es einfach nicht zu – so die offizielle Version.

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich Margarete Koppers bewusst zurückhält, um nicht den Anschein zu erwecken, sich in den Vordergrund zu drängen. Schließlich sind die nächsten Wochen wichtige Wochen für die Vizepräsidentin. Der 1. Mai steht vor der Tür, und die Ausschreibung um das Amt des Polizeipräsidenten läuft.

Damit ist die 50-Jährige unter Druck. Seit dem Abschied ihres Vorgängers Dieter Glietsch im Juni 2011 steht die Juristin an der Spitze der Berliner Polizei. Äußerlich gibt sie sich in Hinblick auf den 1. Mai dennoch unbeeindruckt. Im Netz angekündigte Krawalle kommentiert sie nur mit einem „Wir sehen das gelassen“.

Ihr dritter 1. Mai

Immerhin sei es ihr dritter 1. Mai, seitdem Koppers im März 2010 vom Berliner Landgericht zur Polizei wechselte. Zudem könne sie sich auf ihren erfahrenen Einsatzleiter Jürgen Klug verlassen, der seit sieben Jahren für den Einsatz der Beamten zuständig ist. Dennoch wird Koppers zum ersten Mal die Verantwortung für den Verlauf der Tage vor und am 1. Mai tragen. Sofern es so friedlich wie in den vergangenen beiden Jahren bleibt, wird sie Lob von allen Seiten bekommen. Nicht auszudenken ist jedoch, wenn es schwere Ausschreitungen geben sollte. Das mediale Echo wäre eindeutig. Vielleicht treten dann auch wieder jene Kritiker in Erscheinung, die sich daran stören, dass Koppers keine typische Polizeikarriere vorzuweisen hat.

Margarete Koppers studierte von 1980 bis 1985 Jura in Berlin. Nach ihrem Referendariat am Kammergericht arbeitete sie als Richterin beim Amtsgericht Tiergarten und wechselte 1991 in die Senatsjustizverwaltung. Es folgten Posten beim Landgericht, eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und die Rückkehr zum Landgericht. Am 8. März 2010 gab sie ihren Einstand bei der Berliner Polizei als Vizepräsidentin.

Dass sie schon viele als nächste Polizeipräsidentin sehen, wird ihr gefallen. Zumal sie durch die neue Stellenausschreibung nicht noch einmal vom Bewerbungsverfahren ausgeschlossen wird. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte angedeutet, dass er möglichst vielen Bewerbern eine Chance geben wolle. Denn Henkels Vorgänger Ehrhart Körting (SPD) hatte die Ausschreibung so verfasst, dass sich nur Kandidaten mit Erfahrung im Vollzugsdienst bewerben durften. Für die Juristin Koppers bedeutete dies das Aus. Nun hat sie eine neue Chance. Der Frage, wann sie ihre Kandidatur bekannt gebe, weicht sie aber noch professionell aus. Sie bereite sich derzeit intensiv auf den 1. Mai vor, anschließend werde sie die geforderten Voraussetzungen prüfen, lässt Koppers mitteilen.

Ein gemäßigterer Ton

Mit Innensenator Henkel hat sie offenbar schon einmal einen prominenten Befürworter. In der Vergangenheit hatte sich der CDU-Politiker immer wieder positiv über sie geäußert. Auch vonseiten der Gewerkschaft gibt es zumeist wohlwollende Töne. „Natürlich gibt es zwischen der Gewerkschaft und Frau Koppers Meinungsverschiedenheiten“, sagt der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei, Klaus Eisenreich. „Der Austausch der Argumente erfolgt jedoch sehr fair und auf Augenhöhe.“ Während zu Zeiten von Dieter Glietsch noch ein autoritärer Ton im Präsidium angeschlagen wurde, wähle Koppers einen gemäßigteren Ton.

Ihren Führungsstil bezeichnet Koppers selbst als „grundsätzlich kooperativ“. „Ich habe aber auch keinerlei Probleme, klare und erforderlichenfalls harte Entscheidungen zu treffen“, so Koppers. In 24 Jahren Justiz und langer Zeit als Vorsitzende einer Großen Strafkammer habe sie gelernt, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen. „Das ist keine schlechte Voraussetzung für eine Führungskraft“, sagt sie über sich selbst.

Für Margarete Koppers war der Weg an die Spitze jedoch nicht einfach. „Ich bin in der Justiz zu einer Zeit groß geworden, in der im Wesentlichen die Männer die entscheidenden Positionen besetzt hatten“, sagt sie. Dennoch habe sie immer gerne und sehr gut mit Männern zusammengearbeitet. Bei der Polizei sei sie gleich als Vizepräsidentin eingestiegen. „Ich musste mich also nicht auf dem Weg nach oben durchsetzen, sondern stand gleich an der Spitze.“ Für eine bessere Polizistin halte sie sich jedoch nicht. „Sondern für eine Führungskraft, die ihre Entscheidungen nach Einholung der Meinung ihrer Experten wohl abwägt und erst dann trifft.“