Brandstiftung

Polizei in Sorge vor Krawallen am 1. Mai

In Berlin-Mitte haben wieder Autos gebrannt. Die Polizei geht von einem politischen Motiv aus. Bis zum 1. Mai sind es nur noch zwei Wochen.

Foto: KIETZMANN,BJÖRN

Fassungslos steht Gerald Schramm auf seinem Firmengelände an der Köpenicker Straße in Mitte. Sein Blick wandert über die Berge von Löschschaum und verharrt an den verkohlten Resten seiner vier Autos. Unbekannte haben in der Nacht zu Dienstag Feuer an den Fahrzeugen gelegt, nun sind sie reif für den Schrottplatz. „Der Schaden dürfte bei 50.000 Euro liegen“, sagt er. Zwei der Fahrzeuge hat er erst vor Kurzem gekauft. Der Geschäftsführer von „Graffiti Frei“ glaubt, dass es sich um einen gezielten Anschlag gehandelt hat. Immerhin ist seine Firma darauf spezialisiert, Graffiti und Schmierereien zu entfernen – und bis zum 1. Mai sind es nur noch zwei Wochen. Auch die Polizei vermutet ein politisches Motiv. „Wir gehen davon aus, dass die Täter aus dem linksradikalen Spektrum stammen“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf.

Die Brandstifter schlugen in der Nacht zu Dienstag gegen 3.15 Uhr zu. Mitarbeiter einer Wachschutzfirma entdeckten bei einem Kontrollgang die vier brennenden Fahrzeuge. Sie alarmierten sofort Polizei und Feuerwehr. Die drei Transporter und ein Opel brannten dennoch komplett aus.

Gerald Schramm sorgt sich nun um einen möglichen Imageverlust seines Unternehmens. „Wir bieten eine spezielle Versicherung an. Darin verpflichten wir uns, neu entstandene Graffitis innerhalb von 24 Stunden zu entfernen“, sagt er. „Und natürlich gibt es auch heute Aufträge, die wir zu erledigen haben“, so Schramm weiter. Ob ihm das gelingt, ist jedoch fraglich. Nur ein einziges Fahrzeug ist ihm geblieben. Der Geschäftsführer, der zehn Mitarbeiter beschäftigt, muss sich nun schnellstens um Ersatzfahrzeuge kümmern, damit er sein Versprechen auch einhalten kann.

Wie in solchen Fällen üblich hat der Staatsschutz beim Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen. Ein Bekennerschreiben, wie etwa jenes, das von Angehörigen der linken Szene nach einem Brandanschlag auf neun Firmenfahrzeuge der Telekom im Internet veröffentlicht wurde, liege nicht vor, so die Polizei. In der Nacht zu Ostersonntag hatten mutmaßlich Linksextreme die Firmenwagen an der Storkower Straße in Prenzlauer Berg angezündet. Die Flammen beschädigten auch fünf weitere Fahrzeuge, die in unmittelbarer Nähe standen.

Am selben Tag veröffentlichte eine linke Gruppe im Internet ein Bekennerschreiben. Man habe der Telekom ein „Osterei“ vor die Tür gelegt, als „Zeichen unserer feurigen Solidarität mit allen GenossInnen weltweit im Kampf gegen Staat und Herrschaft“, so die Mitteilung. Offiziell gibt sich die Polizei gelassen. Denn im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der Autobrandstiftungen deutlich niedriger. Auch zahlreiche Demo- und Protestankündigungen seien in den Wochen vor dem 1. Mai „normal“, so ein Polizeisprecher.

Henkel will an Strategie festhalten

Innensenator Frank Henkel (CDU) setzt rund um den 1. Mai auf Kontinuität. Er werde die Doppelstrategie seines Amtsvorgängers Ehrhart Körting (SPD) fortsetzen, so der CDU-Politiker am Dienstag. Neben Kommunikation mit linken Gruppen im Vorfeld zählt er dazu auch ein gezieltes, schnelles und konsequentes Vorgehen gegen Gewalttäter. „Mein Ziel ist ein friedlicher 1. Mai. Es soll nicht eine kleine Gruppe von Gewalttätern sein, die das Bild bestimmt, sondern die große Menge, die politisch demonstriert und friedlich feiert“, so Henkel.

Die linksradikale Szene hat jetzt im Internet eine nicht angemeldete Demo gegen Mietsteigerungen am Mariannenplatz angekündigt. Unverhohlen wird dazu aufgerufen, sich mit Geschirrtüchern oder Mundschutz zu vermummen. Dies wäre ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Bereits vom 26. April an wird zudem zu „Tagen des Widerstands“ aufgerufen. Die Polizei rechnet daher damit, dass es vor dem 1. Mai zu vermehrten Einsätzen kommen wird.

Genug zu tun haben wird auch Gerald Schramm. Denn wenn die Demonstranten abgezogen sind, bleiben häufig neue Graffitis und somit viel Arbeit für ihn zurück.