Nach der Massenentlassung bei der Drogeriekette Schlecker wehrt sich ein Teil der Betroffenen gegen den Rauswurf. Verdi will 49 Kündigungsschutzklagen beim Arbeitsgericht Berlin einreichen, in Brandenburg sind es bislang 16 Klagen, sagte die Handelsexpertin der Gewerkschaft, Janet Dumann, vor Ablauf der Klagefrist an diesem Freitag.
Hinzu kämen möglicherweise Klägerinnen, die selbst einen Anwalt eingeschaltet hätten. In Berlin und Brandenburg wurde im Zuge der Insolvenz mehr als 550 Schlecker-Beschäftigten gekündigt.
Beim Arbeitsgericht Berlin liegt bislang nur eine einzige Klage vor, sie ging Anfang April ein. Richterin Andrea Baer zeigt sich überrascht. „Es gilt eine Frist von drei Wochen ab Zugang der Kündigung“, hob sie hervor. „Danach ist es zu spät.“
In der Hauptstadt mussten 350 der 760 Beschäftigten gehen. Erfolgsaussichten haben aber nur Klagen, die sich auf Fehler in der Kündigung berufen können, erklärte Dumann. „Wenn bei der Sozialauswahl zum Beispiel ein Frau mit zwei Kindern nicht berücksichtigt wurde, wäre das ein eklatanter Fehler.“
Die geringe Zahl von Klagen könnte aber auch ein Indiz dafür sein, dass sich viele Gekündigte Hoffnung machen, schnell eine neue Stelle zu finden. Schon fünf Werktage nach der Kündigung – am Dienstag nach Ostern – hatte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit 30 Betroffene aus Berlin und Brandenburg vermittelt. Neue Zahlen gibt es Anfang Mai.
Am Dienstag hatte der Vorstand des Schlecker-Konkurrenten dm, Erich Harsch, den gekündigten Mitarbeiterinnen Arbeitsplätze in Aussicht gestellt.
„Die Betroffenen erhalten eine Menge Vermittlungsvorschläge“, sagte Direktionssprecher Olaf Möller. Der Arbeitsmarkt für Verkäuferinnen sei in der Region sehr aufnahmefähig. „Wir gehen davon aus, dass wir die Betroffenen unterbringen können.“
Das südbrandenburgische Logistikzentrum der zahlungsunfähigen Drogeriekette schließt Ende Mai. Wie Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) am Donnerstag sagte, habe er diese Information bei einem Gespräch mit dem zuständigen Mitarbeiter der Insolvenzverwaltung erhalten.
Die knapp 100 Beschäftigten des Auslieferungslagers, von denen zwei Drittel Frauen sind, hätten ihre Kündigung erhalten. Die weitere Zukunft des 10.000 Quadratmeter großen Lagers im Gewerbegebiet hänge von den Plänen eines neuen Investors ab. Von den 13 Schlecker-Logistikzentren in Deutschland sollen nur noch fünf oder sechs erhalten bleiben.
Unterdessen setzt der Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz im Streit mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungsbeitrag der Beschäftigten auf eine rasche Einigung. Die Entscheidung zu den Personalkosten liege bei der Tarifkommission, sagte er am Donnerstag bei Sondierungsgesprächen in Ulm.
Bisher verlangt Geiwitz nach Angaben der Gewerkschaft einen Lohnverzicht von 15 Prozent, den Verdi als überzogen ablehnt. Nach der Schließung vieler Filialen und tausenden Kündigungen arbeiten bei Schlecker noch 13.500 von einst knapp 25.000 Mitarbeitern.
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