Investorensuche

Großes Zocken um Schlecker hat begonnen

Bis Pfingsten soll der Verkauf von Schlecker entschieden sein. Ein neuer Besitzer muss sofort eine dreistellige Millionensummen investieren.

Foto: DAPD

Jetzt kommt es zum großen Zocken um Schlecker: Fünf Investoren sind nach Angaben der Insolvenzverwaltung interessiert, die verbliebenen 3200 Läden mit ihren 13.500 Mitarbeitern zu übernehmen. Und das seien ausschließlich „ernst zu nehmende“ Interessenten, sagte ein Sprecher von Verwalter Arndt Geiwitz. Darunter befindet sich das Düsseldorfer Beratungs- und Investmenthaus Droege, dem unter anderem schon der IT-Dienstleister Actebis und die österreichische Zeitarbeitsfirma Trenkwalder gehört. Erste Orientierungsgespräche hätten stattgefunden, hieß es in der Düsseldorfer Zentrale des Unternehmens.

Unter den Bietern ist auch die tschechisch-slowakische Finanzgruppe Penta Investments. „Wir haben ein unverbindliches Angebot eingereicht“, zitierte der „Spiegel“ einen Penta-Sprecher. Demnach will Penta keine weiteren Schlecker-Filialen schließen und die verbliebenen Stellen erhalten. Den Kindern des Firmengründers, Meike und Lars Schlecker, die einen Co-Investor suchen, wolle Penta aber höchstens eine symbolische Beteiligung zubilligen.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz geht davon aus, bis Pfingsten einen Käufer für Schlecker zu finden. Zuletzt hatte er von fünf ernst zu nehmenden Interessenten gesprochen. Anfang April waren bei Schlecker insgesamt 10.000 Mitarbeiter entlassen worden. Zuvor war die Finanzierung einer Auffanggesellschaft für die Gekündigten gescheitert.

Nach Informationen von Morgenpost Online ist jetzt noch eine Handvoll Investoren im Rennen. Wie in solchen Verfahren üblich, wird die Zahl so schnell wie möglich auf maximal zwei bis drei Bewerber reduziert, mit denen dann intensiv weiterverhandelt wird und die alle notwendigen Daten aus dem Inneren des Unternehmens bekommen. Meldungen über dreistellige Millionensummen, die für Schlecker geboten worden seien, sind zurzeit aber mit Vorsicht zu genießen. Üblicherweise werden die Summen reduziert, wenn sich der Interessent ein detailliertes Bild vom Zustand des Unternehmens gemacht hat und von dem, was noch da ist: Bei Schlecker dürften das die Ladeneinrichtungen, vor allem die Lagerbestände, die Auslandsgesellschaften etwa in Spanien, Österreich, Tschechien, Frankreich oder Italien sowie Grundstücke oder Logistikstandorte sein. Nicht zuletzt spielt der veranlagte – oder geschätzte – Wert des operativen Geschäftes sowie des Markennamens eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, welche Summe der Interessent am Ende tatsächlich bietet.

Unklar ist, ob auch die ebenfalls insolvente Schlecker-Tochter „Ihr Platz“ Teil des Angebotes ist. Grundsätzlich sehen Experten den Wert der Schlecker-Reste durchaus im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Der Investor müsste allerdings auf der anderen Seite wohl sehr schnell erst einmal 100 bis 200 Millionen Euro ins Unternehmen schießen, um nur das Geschäft zu stabilisieren – bevor überhaupt die Investitionen in ein verändertes Geschäftsmodell beginnen könnten. Offen ist auch noch, ob und in welcher Form sich die Mitarbeiter durch Lohnverzicht an der Sanierung beteiligen.

Auch offene oder verdeckte Sanierungsbeiträge der Lieferanten oder der Warenkreditversicherer – in erster Linie über Preisnachlässe – dürften festgezurrt werden, bevor ein Investor seine Unterschrift unter einen Kaufvertrag setzt. Da solche Verhandlungen sehr kompliziert sind und vom guten Willen vieler Akteure abhängen, ist auch auf der Zielgeraden im Mai noch ein Scheitern der Verkaufsverhandlungen möglich.