Berlin-Trend

Die Piraten bleiben die Aufsteiger in Berlin

Die Piraten sind in Umfragen den Berliner Grünen dicht auf den Fersen. Deutlich im Ansehen zugelegt hat auch Innensenator Henkel (CDU).

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Die Piraten und der Innensenator und CDU-Landeschef Frank Henkel sind die Gewinner im Berlin-Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau. Die Oppositionspartei konnte sich gegenüber der Umfrage aus dem Dezember 2011 um fünf Prozentpunkte auf 14 Prozent verbessern und ist damit an der Linken vorbeigezogen und den Grünen als immer noch stärkster Oppositionskraft nahe gerückt. Der Innensenator hat nach knapp fünf Monaten im Amt im Ansehen der Berliner deutlich zugelegt.

Stärkste politische Kraft bleiben die Sozialdemokraten mit 29 Prozent. Mit drei Punkten weniger als im Dezember liegt die Regierungspartei jetzt wieder auf ihrem Niveau vom Wahlergebnis aus dem September. Es folgt die CDU mit unverändert 25 Prozent vor den Grünen mit wie gehabt 16 Prozent. Die Piraten liegen knapp dahinter mit 14 Prozent (plus 5). Die Linke erreicht 10 Prozent (minus 1). Die FDP erreicht ein Prozent.

Stark im Ostteil der Stadt

Die Aufsteiger der Piraten sind im Ostteil der Stadt mit 16 Prozent etwas stärker als im Westen mit 13 Prozent. Männer wählen die Neulinge deutlich häufiger als Frauen. Unter den männlichen Wählern würde derzeit jeder fünfte (20 Prozent) für die Piraten stimmen, von den Frauen würden das nur acht Prozent tun. Die Werte, die Infratest dimap vom 13. bis 16. April bei 1000 wahlberechtigten Berlinern telefonisch erfragt hat, belegen auch, dass die Piraten nicht nur eine Partei der jungen Leute sind.

Nur in der Generation 60 plus schneiden die Piraten mit sieben Prozent deutlich schlechter ab als im Durchschnitt der Bevölkerung. Unter den 18- bis 29-jährigen erreicht die Partei 18 Prozent, ebenso wie unter den 30- bis 44 Jahre alten Wählern. Aber selbst in der Altersgruppe zwischen 45 und 59 würden 16 Prozent die Orangen wählen. Und die Anhänger der Piraten sind auch keineswegs alle gut gebildet. Unter Menschen mit Hauptschulabschluss erreicht die Partei 18 Prozent, deutlich mehr als unter Berlinern mit Abitur, die nur zu zwölf Prozent die Verfechter der Freiheit im Internet unterstützen.

Die Zufriedenheit der Berliner mit ihrer neuen Regierung fällt mit 43 Prozent eher gering aus. 47 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden.

Die vergleichweise große Skepsis der Berliner gegenüber der Arbeit der Landesregierung insgesamt spiegelt sich jedoch nicht in der Bewertung des politischen Spitzenpersonals wieder. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) löst bei fast zwei von drei der Befragten positive Reaktionen aus. 62 Prozent sind mit Wowereits Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Das sind noch einmal zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten vergleichbaren Umfrage vom September 2011. Deutlich an Profil und Ansehen gewonnen hat in seinen ersten Monaten auf der Regierungsbank der CDU-Landesvorsitzende und Innensenator Frank Henkel. 36 Prozent sind mit Henkels Arbeit zufrieden, das sind acht Prozentpunkte mehr als vor einem halben Jahr. 23 Prozent sehen Henkel negativ.

Henkel genießt steigende Beliebtheit

Vor einem Jahr, als Henkel noch Fraktionsvorsitzender der CDU war, bewerteten nur 14 Prozent die Arbeit des damaligen Oppositionsführers positiv. Deutlich mehr Berliner, nämlich 25 Prozent, zeigten sich mit Henkels Arbeit unzufrieden. Viel mehr Befragte als heute, nämlich 58 Prozent, kannten Henkel im April 2011 nicht oder konnten sich kein Urteil erlauben. Inzwischen hat sich der Anteil derjenigen, die ihn nicht kennen, annähernd halbiert.

Vor allem im eigenen Lager genießt Henkel inzwischen eine Beliebtheit, die fast mit der des Regierenden Bürgermeisters unter den Anhängern der SPD heranreicht. Wowereit finden 83 Prozent der SPD-Sympathisanten gut. Henkels entsprechender Wert unter CDU-Wählern liegt inzwischen bei 71 Prozent. Henkels Manko im Vergleich zu Wowereit bleibt seine geringere Bekanntheit. Immerhin 38 Prozent gaben an, den zweitmächtigsten Politiker der Stadt nicht zu kennen oder sich kein Urteil über sein Wirken erlauben zu können.

Alle anderen Berliner Politiker bleiben in den Augen der Bürger weit hinter den Spitzenleuten zurück. Das gilt auch für Stadtentwicklungssenator Michael Müller, obwohl dieser als SPD-Landesvorsitzender und langjähriger Fraktionschef im Abgeordnetenhaus schon seit zehn Jahren in der ersten Reihe der Landespolitik steht. 20 Prozent sind mit Müller zufrieden, 19 Prozent unzufrieden, die anderen kennen den Senator nicht.

Mit dem Problem mangelnder Bekanntheit auch bei den Anhängern der eigenen Partei schlagen sich auch Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), SPD-Fraktionschef Raed Saleh und die Oppositionspolitiker Ramona Pop (Grüne), Udo Wolf (Linke) und Andreas Baum (Piraten) herum.