Zehlendorf

Gesundheitssenator fordert Erhalt der Babyklappe

Bei einem Besuch im Krankenhaus Waldfriede informierte sich Mario Czaja über die Babyklappe und kündigte ein Schreiben an die Ministerin an.

Foto: Christian Kielmann

Wie funktioniert eine Babyklappe? Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wollte es genau wissen. Deshalb besuchte er am Freitag das Krankenhaus Waldfriede in Zehlendorf, das im Jahr 2000 als erstes deutsches Krankenhaus eine Babyklappe eingerichtet hat.

Die Initiatorin dieses Angebots, Seelsorgerin Gabriele Stangl, zeigte Czaja den Wärmekasten, der in das Fenster eines Krankenhauszimmers eingelassen ist. „Wird ein Baby in die Klappe gelegt, erschallt sofort ein Signal in der Pförtnerloge“, sagte Stangl. Dorthin würden auch Bilder aus dem Inneren der Klappe übertragen. Ein Bewegungs- und ein Entfernungsmelder sorgten für das Signal, sobald ein Kind in die Klappe gelegt wird. Nur zwei bis drei Minuten bleibe es dort, bis es von Schwestern der Entbindungsstation abgeholt werde. „Diese werden vom Pförtner alarmiert, sobald der das Signal aus der Klappe empfangen hat.“

Czaja bezeichnete die vier Berliner Babyklappen sowie das Angebot einiger Krankenhäuser wie das des Krankenhauses Waldfriede zur anonymen Geburt als Erfolgsgeschichte. „Diese Angebote müssen erhalten bleiben“, sagte er.

Ein Zeichen setzen

Mit seinem Besuch bei Gabriele Stangl und dem ärztlichen Direktor des Krankenhauses Waldfriede, Ingo Leister, wollte der Gesundheitssenator ein Zeichen setzen. Gegenwärtig wird bundesweit heftig über das Für und Wider von Babyklappe und anonymer Geburt debattiert. Auslöser für die Debatte war eine Studie des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Dort hieß es, dass bei einem Fünftel der rund 1000 Kinder, die bisher in Babyklappen abgelegt oder anonym entbunden wurden, der Verbleib nicht klar sei.

Gabriele Stangl wies diese Aussage zurück. „Die Jugendämter wissen, wo jedes einzelne Kind geblieben ist“, sagte sie. Für Berlin könne sie das aus eigener Erfahrung sagen. „Finden wir ein Kind in der Babyklappe oder wird ein Kind bei uns anonym entbunden, informieren wir sofort das Jugendamt.“ Die Behörde bestelle dann einen Vormund. Der nehme schnell Kontakt zu Adoptionsvermittlungen wie der Diakonie, der Caritas oder der Gesundheitsverwaltung auf. „Ein gesundes Kind bleibt nur zwei bis vier Tage bei uns, dann ist es in einer Familie“, betonte Stangl.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) plant indes, keine weiteren Babyklappen mehr zuzulassen, die anonyme Geburt zu verbieten und stattdessen die vertrauliche Geburt einzuführen. Czaja gab allerdings zu bedenken, dass das Angebot der anonymen Geburt erhalten bleiben müsse. „Wir brauchen dieses niederschwellige Angebot, selbst wenn die meisten Frauen ihre Anonymität doch noch aufgeben, wie das im Krankenhaus Waldfriede meist der Fall ist.“ Czaja räumte ein, dass es in diesem Zusammenhang einen Spagat zwischen Hilfe und Beihilfe gebe. „Das kann aber nicht dazu führen, dass diese Angebote abgeschafft werden“, sagte er.

Der Gesundheitssenator will die Berliner Erfahrungen in Sachen Babyklappe und anonymer Geburt brieflich festhalten und an die Bundestagsfraktion seiner Partei sowie an Bundesministerin Kristina Schröder weiterleiten. „Das vertrauliche Gespräch mit Gabriele Stangl und den Ärzten des Krankenhauses Waldfriede soll mir diesbezüglich zusätzliche Argumente liefern“, sagte er.