Evangelische Kirche

Berliner Bischof Dröge will die Babyklappen erhalten

Markus Dröge sieht "keine Alternative" zu den Einrichtungen. Der Bischof der Evangelischen Kirche fordert aber eine bessere Kontrolle.

Foto: DAPD

Markus Dröge will die sogenannten Babyklappen erhalten. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sagte Morgenpost Online im Interview: „Es ist besser, dass ein Mensch lebt, als dass er in eine Mülltüte gesteckt und getötet wird. Auch wenn er seine Herkunft später nicht kennt.“ Zugleich sprach Dröge sich aber für eine bessere Kontrolle des Umgangs mit den Kindern aus. „Ich bin erschrocken, als ich gehört habe, dass man nicht genau weiß, was aus den Babys geworden ist, die dort abgegeben wurden. Bei einer hohen Zahl kann man nicht nachverfolgen, wo oder in welcher Familie sie heute leben“, sagte er. Dies sei den Jugendämtern nicht gemeldet worden, daher halte er es für erforderlich, die Kontrolle zu verbessern.

In der vergangenen Woche war die poltisch-ethische Debatte über die Zulässigkeit von Babyklappen neu entbrannt. Dort können Mütter ihr Neugeborenes kurz nach der Geburt anonym ablegen. Zuvor waren Pläne von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bekannt geworden, die anonyme Geburten künftig verbieten und demzufolge auch keine neuen Babyklappen zulassen will. Bestehende Einrichtungen sollen nur unter bestimmten Bedingungen weiter geduldet werden. Zu den Mindestanforderungen gehört laut Ministerium, dass die Betreiber das Findelkind sofort den örtlichen Behörden melden. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, soll eingeschritten werden. Bereits seit Längerem plant Schröder, die anonyme Geburt durch eine „vertrauliche Geburt“ zu ersetzen, bei der die Mutter ihre Identität preisgeben muss. Die persönlichen Daten sollen vertraulich behandelt werden. Allerdings soll das Kind nach einer bestimmten Frist die Identität seiner Mutter erfahren.

Politiker in Berlin und Brandenburg hatten sich in ersten Reaktionen auf Schröders Pläne für die Beibehaltung von Babyklappen in beiden Bundesländern ausgesprochen. Die Einrichtung habe sich bewährt, sagte etwa Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Frauen müssten in extremen Notsituationen ihr Kind anonym zur Welt bringen oder anonym abgeben können, meinte auch seine brandenburgischen Ministerkollegin Anita Tack (Linke).

Sie erhalten nun Rückendeckung vom obersten Vertreter der evangelischen Kirche in der Region. „Wenn man sich die Zahlen der letzten zehn Jahre anschaut, ist durchschnittlich alle drei Tage ein Neugeborenes in einer Babyklappe abgegeben worden“, sagte Dröge weiter. Seiner Ansicht nach handelten die meist sehr jungen Mütter bei der Abgabe ihres Neugeborenen nicht leichtfertig. Sie würden sich oft in einer verzweifelten Situation befinden. Die Not sei bei ihnen offensichtlich so groß, dass sie sich an keinen anderen Menschen wenden wollten. Dröge: „Natürlich wäre es schön, wenn es in Deutschland ein flächendeckendes Hilfssystem für solche jungen Frauen gäbe und wenn diese das dann auch noch annehmen würden. Aber die Situation ist nicht so. Ich sehe deshalb zu den Babyklappen momentan keine Alternative.“

In der Vergangenheit war es immer wieder auch zu Fällen gekommen, in denen Mütter ihr Kind unmittelbar nach der Geburt aus Verzweiflung töteten. Erst am Karfreitag fanden Spaziergänger in der Oberlausitzer Gemeinde Elsterheide eine Babyleiche. Der tote Körper war in eine Decke gewickelt in einem Waldstück nahe der Landesgrenze zu Brandenburg abgelegt worden und bereits stark verwest. Die Polizei sicherte die ganze Nacht zum Sonnabend Spuren an der Fundstelle, sucht bislang aber vergeblich nach der Mutter des Kindes.