Nahverkehr

Berliner erwartet an Ostern ein BVG-Chaos

Seit Tagen sind die U-Bahnlinie 2 und die S-Bahn unterbrochen. Ab Sonnabend wird es für die Fahrgäste noch schlimmer.

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Viel hilft viel. 300 Kubikmeter Sand und Kies türmen sich in der Ecke der Baugrube am Leipziger Platz. Dort, wo auf dem ehemaligen Wertheim-Areal künftig wieder ein großes Kaufhaus stehen soll, war in der vergangenen Woche Grundwasser durch eine Betonwand gesickert.

Drei Kubikmeter Sand sackten ab. Die riesige Menge Kies und Sand soll einen Gegendruck gegen das Grundwasser erzeugen. Bisher ist das Leck damit gestopft.

Eigentlich war alles nur ein vergleichsweise kleiner Schaden, wie Andreas Fettchenhauer, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Leipziger Platz, versichert. Weil aber der mehr als 100 Jahre alte Tunnel der U-Bahnlinie U2 die Baustelle kreuzt, sind die Folgen groß und treffen wohl noch wochenlang die Fahrgäste.

Seit Freitag ist die U-Bahn zwischen Mohrenstraße und Potsdamer Platz unterbrochen. Mit langen Metallsonden untersuchten Experten am Mittwoch, ob der wegen der Bauarbeiten durch zusätzliche Betonwände geschützte Tunnel unterspült ist. Erste Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen.

Mit den Daten der Sondierung und der im Tunnel montierten Sensoren müssen Gutachter im Auftrag des Bauherren und der Berliner Verkehrsbetriebe entscheiden, ob die U-Bahn sicher ist. Erst dann wird die für die BVG zuständige Technische Aufsichtsbehörde den Verkehr wieder freigeben. Aktuell geht die BVG davon aus, dass die Strecke möglicherweise erst nach dem 16. April wieder freigegeben werden kann.

Umsteigen auf die Straßenbahn

Für die Fahrgäste heißt das: Sie müssen bis auf weiteres in die Busse des Ersatzverkehrs umsteigen – und von Sonnabend an nicht erst in Mitte. Wie berichtet wird an der U2 nämlich für mehr als eine Woche planmäßig gebaut. In Prenzlauer Berg und Pankow schließt die BVG Signale und Weichen an ein neues elektronisches Stellwerk an.

Der gesamte Zugverkehr auf dem Nordost-Ast der Linie muss dafür ruhen. Ab etwa 6 Uhr am Sonnabend fährt nichts mehr. Ursprünglich sollte die Linie in der ersten Bauphase vom 7. bis zum 9. April zwischen den Stationen Pankow und Stadtmitte gesperrt werden.

Nach dem Wassereinbruch am Leipziger Platz wird die Sperrung nun bis zum Potsdamer Platz verlängert. Von Dienstagmorgen an sollen dann zumindest wieder Züge zwischen Rosa-Luxemburg-Platz und Mohrenstraße fahren.

Der U2-Abschnitt von Pankow bis Rosa-Luxemburg-Platz bleibt hingegen noch bis zum 16. April gesperrt. Etwa 30 Busse sind im Einsatz, um die Fahrgäste zu befördern. An der Schönhauser Allee wurden eigens Busspuren eingerichtet, damit die Ersatzfahrzeuge nicht im Stau stehen müssen.

Trotzdem rät die BVG ihren Kunden, den gesperrten Abschnitt wenn möglich mit anderen Verkehrsmitteln zu umfahren. Mehrere Straßenbahnlinien – darunter die Metrolinien M1 und M10 fahren mit mehr Wagen. Auf den U-Bahnlinien U6 und U8 sowie auf dem Westabschnitt der U2 fahren zeitweise längere Züge.

„Grenze der Belastbarkeit“

Trotzdem trifft es die Fahrgäste vor allem in Pankow und im Norden von Prenzlauer Berg hart. Denn seit Freitag vergangener Woche sind sie schon vom S-Bahnverkehr auf dem östlichen Ring abgeklemmt.

Am Ostkreuz werden die S-Bahngleise in die neue Bahnhofshalle verlegt, an der Frankfurter Allee geht ebenfalls ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb. Noch bis zum 16. April fahren deshalb keine S-Bahnen zwischen Schönhauser Allee und Neukölln beziehungsweise Baumschulenweg.

„Da stößt die Stadt schon an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“, sagt Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbandes Igeb. Was ihn und viele Nahverkehrskunden besonders ärgert, ist aber die vielerorts schlechte Information.

Am S-Bahnhof Schönhauser Allee etwa müssen Fahrgäste weit laufen, um die Haltestellen der Ersatzbusse zu erreichen, vorausgesetzt, sie finden sie angesichts der spärlichen Hinweisschilder überhaupt.

Ähnlich unübersichtlich sei die Situation am Bahnhof Frankfurter Allee, kritisiert Wieseke und fordert mehr Servicepersonal, auch um Touristen den Weg zu weisen.

Die S-Bahn hat inzwischen auf die anhaltende Kritik reagiert. „Unsere Mitarbeiter haben die Abläufe entlang des Ostrings genau beobachtet und im direkten Kundengespräch Verbesserungsvorschläge aufgenommen“, sagt eine S-Bahn-Sprecherin.

„Was möglich ist, wird kurzfristig realisiert.“ Nachbessern will die S-Bahn unter anderem bei den Beschilderungen an den Stationen Schönhauser Allee, Frankfurter Allee und Sonnenallee, bei den Durchsagen in den Bussen und den Fahrgastinformationen am Ostkreuz.

Auch die BVG verspricht, während der am Sonnabend beginnenden U2-Sperrung für eine bestmögliche Information zu sorgen.