Sexueller Missbrauch

Handydaten bringen Polizei auf die Spur des Tatverdächtigen

Die Polizei hat am Freitag im Fall einer missbrauchten Schülerin in Berlin-Wedding einen 30-jährigen Mann festgenommen.

Die Berliner Polizei hat bei ihren Ermittlungen zum Missbrauch einer acht Jahre alten Grundschülerin in Wedding einen ersten Erfolg erzielt. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) nahm am frühen Freitagnachmittag einen 30 Jahre alten Tatverdächtigen in seiner Weddinger Wohnung fest. Er gilt als dringend tatverdächtig, ein Richter erließ bereits vor dem Zugriff Haftbefehl gegen den Mann.

Bei dem 30-Jährigen soll es sich um einen griechischstämmigen Mann handeln. Er soll in einem Lokal als Kellner arbeiten. Der Festgenommene ist nach Informationen von Morgenpost Online als Exhibitionist polizeibekannt.

Auf die Spur des Verdächtigen kamen die Ermittler durch eine Funkzellenüberwachung. Dabei stellten die Beamten fest, dass das Handy des Verdächtigen während der Tatzeit in der Funkzelle des Tatorts nahe der Humboldthain-Grundschule an der Grenzstraße aktiv war. Dort war am 1. März während der Schulzeit ein achtjähriges Mädchen von einem Mann auf die Schultoilette gezerrt, mit einem Messer bedroht und sexuell missbraucht worden. Der Fall wurde erst am Mittwoch dieser Woche bekannt.

Durch die Verhaftung hat die Polizei jetzt die Möglichkeit, DNA-Material des Verdächtigen mit den am Tatort gesicherten Spuren zu vergleichen. Sollte es eine Übereinstimmung geben, wäre der Fall so gut wie aufgeklärt. Bislang hält sich die Behörde allerdings noch bedeckt. „Wir haben einen vielversprechenden Ansatz, der auf eine mögliche Täterschaft des Festgenommenen hinweist“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich vorsichtig.

Bislang kein Zusammenhang zu Missbrauchsfall in Frohnau

Bei dem zweiten Fall, der sich am 7. März in Frohnau ereignet hatte, und ebenfalls erst in diese Woche bekannt wurde, fehlt von dem Täter noch jede Spur. Dort hatte ein Mann ebenfalls versucht, in den Toilettenräumen einer Grundschule ein Kind zu missbrauchen. Er scheiterte jedoch glücklicherweise, da eine weitere Schülerin auftauchte, die laut um Hilfe rief. Daraufhin flüchtete der Unbekannte.

Laut Polizeisprecher Redlich gebe es in dem Frohnauer Fall zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung, denen man jetzt nachgehen würde. Er betonte nochmals, dass nach bisherigem Kenntnisstand beide Taten von unterschiedlichen Tätern begangen wurden. Zufrieden äußerte sich Redlich darüber, dass es die Funkzellenüberwachung war, die zu einem ersten Durchbruch führte. Die Berliner Polizei hatte bereits bei den Ermittlungen zu den zahlreichen Autobrandstiftungen im vergangenen Jahr auf eine flächendeckende Handy-Überprüfung gesetzt und war deshalb wegen datenschutzrechtlicher Bedenken heftig angegriffen worden.

Senatorin Scheeres: „Schule darf kein Hochsicherheitstrakt sein“

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) reagierte am Freitagnachmittag erleichtert auf die Verhaftung. Dennoch stehe das Thema Sicherheit an Grundschulen nach dem Missbrauchsfall ganz oben auf der Agenda, sagte die Senatorin. „Schule darf kein Hochsicherheitstrakt sein, aber Schule muss ein geschützter Ort für die Kinder sein“, so Scheeres weiter. Sie rief alle Bezirke als Schulträger auf, die Schulen zusammenzubringen und zu überprüfen ob weitere Sicherheitsmaßnahmen nötig sind. Auch die Gremien an den Schulen sollten noch einmal darüber diskutieren, mit welchen Mitteln sie die Sicherheit erhöhen können.

Scheeres betonte, dass es keine flächendeckende Standardlösung geben werde. Welche Möglichkeiten genutzt werden, sei abhängig von den Gegebenheiten vor Ort. Hilfe bei der Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen würden die Präventionsbeauftragten der Polizei bieten, sagte Scheeres weiter. Aber auch Kleinigkeiten wie beispielsweise die Festlegung, dass Kinder nur zu zweit auf die Toilette gehen, könnten schon helfen, so die Senatorin.

Der Bezirk Mitte habe professionell reagiert und mit der Humboldthain-Grundschule umgehend alle nötigen Maßnahmen abgesprochen. Die Schule wird nach den Ferien von Montag bis Donnerstag zwischen 8 Uhr und 15.45 Uhr verschlossen sein. Kinder, die zu spät kommen, müssen sich am Eingang der Schulstation melden und werden dann von den Pädagogen in ihre Klassen gebracht.

In Reinickendorf kündigte Bildungsstadträtin Katrin Schultze Berndt (CDU) an, dass sie nach den Osterferien alle Grundschulleitungen im Bezirk zu einem Gespräch bitten will, um mögliche Sicherheitsvorkehrungen abzustimmen. Eine Blitzumfrage der Berliner Morgenpost an Grundschulen zeigte unterdessen, dass an vielen Schulen bereits erste Maßnahmen getroffen wurden, um die Kinder besser schützen zu können.

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