Verdi-Chef Frank Bsirske macht Druck für den Aufbau einer Transfergesellschaft für Mitarbeiter der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker. Die Bundesregierung müsse die staatliche Förderbank KfW anweisen, den nötigen Kredit von 70 bis 75 Millionen Euro zu geben – auch wenn die Förderkriterien nicht erfüllt würden, sagt Bsirske auf einer Kundgebung am Donnerstag in Berlin. Die KfW habe auch dem Luftfahrtkonzern EADS geholfen. „Eine solche Anweisung erwarten wir auch von der Bundesregierung.“

Bund und Länder müssten dann für den Kredit für die Gesellschaft bürgen, die 12.000 Beschäftigte auf neue Stellen vermitteln soll. „Die Transfergesellschaft ist ein richtig guter Schritt“, sagte Bsirske vor rund 400 Schlecker-Beschäftigten aus Berlin und Brandenburg. „Die Alternative wäre der Sturz in die Arbeitslosigkeit.“ Verdi werde wo nötig den Bund und die Länder auch beim Investorenprozess in die Pflicht nehmen.

„Wir lassen uns nicht verramschen“, hieß es auf Hemden der Demonstranten vor dem Roten Rathaus, die meisten von ihnen Frauen. „Schlecker-Frauen kämpfen um ihre Zukunft“, stand auf Transparenten. Zur Kundgebung kamen auch Politiker der Linkspartei, darunter die Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch. Nach Gewerkschaftsangaben tagt zu Schlecker am Montag eine bundesweite Staatssekretärsrunde.

Diese Berliner Schlecker-Filialen werden geschlossen:

Zur Karte: Bei insgesamt 27 Filialen geht aus den Angaben von Schlecker bislang nicht klar hervor, welches von mehreren Geschäften in den jeweils angegebenen Straßen geschlossen wird. Diese Filialen sind in der Karte zunächst nicht als geschlossen gekennzeichnet.

Verdi: "So ein Klotz am Bein birgt Risiken für Investoren"

In Transfergesellschaften werden unter anderem Mitarbeiter weitergebildet, von denen sich Unternehmen trennen wollen. Scheitere die Gründung einer Transfergesellschaft, drohe Schlecker eine Fülle von Kündigungsschutzklagen, und die meisten davon hätten Aussicht auf Erfolg, sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Damit drohe dem weiter bestehenden Teil von Schlecker massiver wirtschaftlicher Schaden.

Zudem stelle sich die Frage, welcher Investor ein Unternehmen kaufen wolle, „das so einen Klotz am Bein hat und solche Risiken mit sich bringt“, sagte der Verdi-Sprecher.

Der Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), erteilte einer Hilfe von Seiten des Bundes allerdings erneut eine klare Absage. „Es ist keine Aufgabe des Bundes, Unternehmen zu retten“, sagte der Vertreter des Wirtschaftsflügels der Union im ARD-„Morgenmagazin“. Hilfen für die Beschäftigten könnten allenfalls von der Bundesagentur für Arbeit kommen – falls dies überhaupt nötig sei, denn in vielen Regionen herrsche Vollbeschäftigung.

Schlecker hatte am 23. Januar Insolvenzantrag gestellt. Rund 2010 Filialen werden am 24. März geschlossen. Am Donnerstag startete dort der Ausverkauf: Laut Insolvenzverwalter sind alle Artikel um mindestens 30 Prozent reduziert, einige auch um 50 Prozent. Einzige Ausnahme sind preisgebundene Bücher und Zeitschriften sowie Zigaretten.

Infolge der Filial-Schließungen gibt Schlecker bis August auch fast zwei Drittel seiner Warenlager auf. Acht Distributionsstandorte werden demnach geschlossen, fünf Standorte bleiben erhalten. Durch das deutlich reduzierte Filialnetz sei es „unumgänglich“, auch die Logistikstrukturen anzupassen, erklärte der Insolvenzverwalter.

dapd/afp/bee