Berliner Nahverkehr

Ticketpreise steigen im Durchschnitt um 2,8 Prozent

Fahrten in Bussen und Bahnen in Berlin werden teurer: Zum 1. August kostet zum Beispiel der Einzelfahrschein AB 2,40 Euro und damit zehn Cent mehr. Begründet wird die Tariferhöhung mit gestiegenen Energie- und Materialpreisen.

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Fahrten mit Bussen oder Bahnen in Berlin und dem brandenburgischen Umland werden ab dem Sommer teurer. Wie Morgenpost Online bereits im Februar exklusiv berichtete, steigen die Ticketpreise zum 1. August im Gebiet des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) im Durchschnitt um 2,8 Prozent steigen.

Das hat nun der Aufsichtrat VBB am Donnerstag bestätigt. Die Verkehrsunternehmen, darunter die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin, erhoffen sich davon Mehreinnahmen von jährlich 29 Millionen Euro.

In Berlin kostet der Einzelfahrschein für die Tarifzone AB ab August 2,40 Euro und damit 10 Cent mehr als bisher. Die bei Gelegenheitsfahrern beliebte 4-Fahrten-Karten verteuert sich moderat um 20 Cent auf dann 8,40 Euro. Für die normale Berliner Monatskarte (Tarifbereich AB) sind 77 Euro statt bisher 74 Euro zu bezahlen.

Einzig die Kurzstreckentarife in Berlin und Potsdam, das Sozialticket (Monatskarte S) und das Schüler-Freizeit-Ticket bleiben im Preis stabil. Die letzte Preisanhebung im Verkehrsverbund hatte es im Januar 2011 gegeben. Damals waren die Fahrscheinpreise in der Region gleichfalls um 2,8 Prozent angehoben worden.

Einige Tarifbeispiele:

Begründet wird die neuerliche Tariferhöhung vor allem mit den stark gestiegenen Energie- und Materialpreisen. Allein der Dieselkraftstoff hat sich nach VBB-Angaben seit 2010 um 21,9 Prozent verteuert. Strom und Gas wurden um jeweils knapp zehn Prozent teurer. „Angesichts dieser Entwicklung ist die beschlossene Fahrpreiserhöhung moderat und vertretbar. Sie bewegt sich in einem Rahmen, die die Kunden akzeptieren werden“, sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz.

Die jüngst von Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) vorgeschlagene regelmäßige Erhöhung der Fahrpreise entsprechende der Inflationsrate wurde laut Franz aber noch nicht beschlossen.

Die Mehrbelastung durch die aktuelle Fahrpreiserhöhung kann indes für die einzelnen Fahrgäste sehr unterschiedlich ausfallen. Während etwa die Monatskarte für Fahrten innerhalb Berlins im Preis nur moderat steigt, müssen Berufspendler aus dem Umland künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. So verteuert sich etwa die Jahreskarte für die Tarifzonen ABC von 848 auf 895 Euro (plus 5,5 Prozent), im Abonnement kosten die Zeitkarten bei monatlicher Abbuchung künftig 914 statt 875 Euro (plus 4,5 Prozent).

Scharfe Kritik an Fahrpreis-Erhöhung

Fahrgastvertreter und Oppositionspolitiker kritisieren die beschlossene Erhöhung der Ticketpreise scharf. So verweist der Berliner Fahrgastverband Igeb auf den durch Personal- und Fahrzeugmangel die anhaltenden Angebotseinschränkungen bei der Berliner S-Bahn, der vor allem auf den Mangel an einsatzbereiten Zügen und Lokführern zurückzuführen seien. „Die Fahrgäste haben kein Verständnis dafür, für ein unzureichendes Angebot auch noch mehr bezahlen zu müssen“, sagte Igeb-Vorsitzender Christfried Tschepe.

Der Fahrgastverband verweist auch auf erhebliche Einsparpotenziale bei der BVG. Würden zum Beispiel alle Ampelvorrangschaltungen und Busspuren realisiert, könnte das landeseigene Verkehrsunternehmen viele Millionen einsparen. Der Grund: Ein Bus, der schneller durch die Stadt kommt, kann mehr Touren am Tag fahren. Es werden dadurch weniger Fahrzeuge und Busfahrer benötigt.

Auch der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) kritisieren die beschlossene Tarifanhebung. Wieder einmal sei der einfachste und bequemste Weg gewählt worden, sagte der DBV-Landesvorsitzende Frank Böhnke.