Mehrere Fahrgastverbände haben am Mittwoch gefordert, auf höhere Ticketpreise für Busse und Bahnen in Berlin und Brandenburg zu verzichten. Ob sie damit Erfolg haben werden, ist aber mehr als fraglich. Denn schon an diesem Donnerstag kommt der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg zusammen, um über die künftigen Nahverkehrstarife zu entscheiden.

Branchenkenner erwarten, dass das Gremium, in dem die beiden Länder, die kreisfreien Städte und Landkreise vertreten sind, die von den Verkehrsunternehmen beantragten Erhöhungen beschließen werden.

Vom 1. August an würden die Tickets dann teurer werden – im Durchschnitt wohl um etwa 2,5 bis 3 Prozent. Durchgesickert war bislang etwa, dass der Einzelfahrschein für das Berliner Stadtgebiet (Tarifzone AB) dann 2,40 statt bislang 2,30 Euro kosten soll.

Auch bei den übrigen Ticketkategorien soll es Aufschläge geben. Kurz vor der letzten Tariferhöhung im Januar 2011 hatte der VBB-Aufsichtsrat zwar noch kurzfristig Änderungen im Detail durchgedrückt, das Gesamtpaket aber bewilligt.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb lehnt die Preiserhöhungen zum jetzigen Zeitpunkt ab und fordert, zunächst alle Einsparpotenziale – etwa durch die Beschleunigung von Bussen und Straßenbahnen – zu nutzen. Igeb-Sprecher Jens Wieseke erinnert auch daran, dass die Berliner S-Bahn wegen Personal- und Fahrzeugmangels noch für viele Monate nur ein eingeschränktes Angebot bieten werde.

Die Fahrgäste hätten kein Verständnis, dafür auch noch mehr bezahlen zu müssen. Der Verkehrsclub VCD Nordost fordert von den Verkehrsunternehmen „mehr Mut und Fantasie“. Statt Preiserhöhungen sollten sie durch neue attraktive Ticketangebote mehr Kunden und damit mehr Einnahmen gewinnen, sagt VCD-Sprecher Stefan Kothe.

„Wir sind bisher nicht überzeugt, dass die Verkehrsunternehmen für eine spürbare Einnahmeerhöhung eine Tariferhöhung benötigen.“ Beide Verbände wenden sich auch gegen eine automatische Tariferhöhung in Höhe der jährlichen Inflationsrate. Dies hatte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) jüngst vorgeschlagen.

fal