Autos angezündet

Staatsanwalt erhebt Klage gegen Serienbrandstifter

Der Berliner Polizei gelang im Oktober 2011 ein Coup, auf den sie monatelang gehofft hatte. Ihr ging ein mutmaßlicher Serienbrandstifter ins Netz, der mehr als hundert Autos angezündet haben soll. Jetzt ist die Anklageschrift fertig.

Vier Monate nach der Festnahme eines mutmaßlichen Serienbrandstifters hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Nach Angaben des Behördensprechers Martin Steltner soll der 29-jährige André H. aus Moabit 102 Autos in verschiedenen Stadtbezirken in Brand gesetzt haben. Der gelernte Maler und Lackierer habe Sozialneid als Motiv genannt, teilte Steltner am Donnerstag mit.

Die Ermittler sehen keinen politischen Hintergrund der Brandstiftungen. Der Mann habe Aufmerksamkeit erregen wollen, sagte Steltner. Auch die Berichterstattung über Autobrände habe ihn zu den Taten verleitet. Der Angeklagte sitzt seit dem 21. Oktober 2011 in Untersuchungshaft. Er sei geständig, erklärte Steltner.

In Berlin brannten nach Angaben einer Polizeisprecherin im Jahr 2011 mehr als 700 Autos. Etwa die Hälfte wird Tätern aus linksextremen Kreisen zugerechnet. Die übrigen Bandstiftungen sollen auf das Konto von Trittbrettfahrern und Versicherungsbetrügern gehen. Die zahlreichen Autobrandstiftungen hatte für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. Hunderte Bundespolizisten unterstützten die Berliner Fahnder bei der Suche nach den Tätern. Zeitweise brannte es fast jede Nacht. Im Schutz der Dunkelheit waren die Täter schwer zu fassen.

Dem 29-Jährigen war die Polizei durch die Überwachungskamera einer U-Bahnstation auf die Spur gekommen. Nach Angaben von Steltner wurde eine verdächtige Person aufgezeichnet, die ein Polizist später durch Zufall wiedererkannt habe. Laut Steltner hatte André H. nach der „klassischen Methode“ der Autobrandstifter Grillkohleanzünder auf Autoräder gelegt und angezündet. 14 der 102 Fälle seien als Versuch gewertet worden.

In Berlin haben die Richter bisher zumeist Bewährungsstrafen gegen Autobrandstifter verhängt. Ein Fotograf mit Kontakten zur linken Szene wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Für Brände, die als politisch motiviert eingestuft wurden, gab es bisher keine Verurteilung. Zwei Angeklagte aus der linken Szene wurden freigesprochen.