Julia Timoschenko

Charité-Chef Einhäupl schließt Diagnose ab

Charité-Chef Karl Max Einhäupl und der Chef-Orthopäde des Berliner Universitätsklinikums haben die inhaftierte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko untersucht. Nach Übergabe der Diagnose an die Behörden reisten sie wieder aus der Ukraine ab.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach fünfstündiger Untersuchung der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko haben Charité-Chef Karl Max Einhäupl und Norbert Haas, Chef-Orthopäde des Berliner Universitätsklinikums, ihre Diagnose an die Behörden der Ex-Sowjetrepublik übergeben. Der Umschlag sei versiegelt worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch in Kiew mit. Die beiden Spezialisten seien danach abgereist.

Drei kanadische Mediziner setzten ihre Arbeit in dem Straflager weiter fort. Auch zwei einheimische Ärzte waren an der Untersuchung in der ostukrainischen Stadt Charkow rund 450 Kilometer östlich von Kiew beteiligt.

Die wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilte Timoschenko (51) klagt seit Monaten über starke Rückenschmerzen. Nach Angaben ihres Anwalts Sergej Wlassenko kann sich die Oppositionsführerin nicht mehr aus eigener Kraft bewegen.

Der Untersuchung durch das internationale Team waren lange Verhandlungen vorausgegangen, weil Timoschenko den Ärzten des ukrainischen Gesundheitsministeriums misstraut und sie zunächst abgelehnt hatte. Der Besuch der Berliner Mediziner war auf Vermittlung der Bundesregierung zustande gekommen.

Mit dem Flugzeug von Kiew nach Charkiw, dann mit dem Bus in die Strafkolonie: So waren Einhäupl und Haas am Dienstag zur Behandlung angereist. Am Nachmittag durften die Berliner Ärzte dann Timoschenko in ihrer Zelle untersuchen.

Die ukrainischen Behörden hatten offenbar zur Auflage gemacht, dass neben dem internationalen Team, dem noch drei Kanadier angehören, auch sechs Ärzte aus dem Gesundheitsministerium der Ukraine teilnehmen. Stundenlang wurde darum gerungen, in welcher Reihenfolge die Mediziner in die Zelle durften.

Timoschenko war eine der treibenden Kräfte der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004. Sie war rund vier Jahre lang Ministerpräsidentin der Ukraine. "Der gesamte Fall ist eine einzige Provokation", sagte Timoschenkos Verteidiger Sergej Vlasenko. Ihm und Angehörigen wurde der Zugang in die Strafkolonie 54 am Dienstag verwehrt.

"Ich hoffe, die ausländischen Ärzte lassen sich bei ihrem Urteil keine Vorgaben machen", sagte Timoschenkos Tochter Jewgenija. Sie war vor Kurzem durch Deutschland gereist, um Unterstützung für ihre Mutter zu organisieren.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.