Video im Internet

Timoschenko wird in Gefängniszelle gefilmt

Die ukrainischen Justizvollzugsbehörden haben Bilder aus der Haftanstalt Lukjanowskoje, in der die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko einsitzt, im Internet veröffentlicht - gegen ihren Willen. Die "Nobel-Zelle" ist mit TV, großem Bett und separatem Bad ausgestattet.

Foto: REUTERS

Die Präsentation eines Videos, das die inhaftierte Oppositionsführerin Julia Timoschenko in ihrer Gefängniszelle zeigt, hat in der Ukraine einen Sturm der Empörung ausgelöst. Zahlreiche Medien zitierten Timoschenkos Anwalt Sergei Wlasenko mit den Worten: „Einen solchen Film können nur Tiere aufnehmen.“ Es sei unmenschlich, eine Gefangene im Bett ihrer Zelle zu zeigen. Er beschuldigte einen Geheimdienstmitarbeiter, das Video gedreht zu haben.

Die ukrainischen Justizvollzugsbehörden hatten am Donnerstag Bilder aus der Haftanstalt Lukjanowskoje im Internet veröffentlicht. Auf den Fotos und einem kurzen Videofilm sind der Innenhof des Gefängnisses und die Zelle Nummer 260 zu sehen, in der Timoschenko untergebracht ist. Die 51-Jährige selbst ist kurz auf dem Video, aber nicht auf den Bildern zu sehen.

Klimaanlage, Flachbild-Fernseher, großzügiges Bett

Die Fotos zeigen einen Raum, der zwar nur ein kleines vergittertes Fenster hat, aber mit Klimaanlage, Flachbild-Fernseher, einem großzügigen Bett und einem separaten Badezimmer ausgestattet ist. In ukrainischen Medien war am Donnerstag von einer „Nobel-Zelle“ im Stil eines Hotelzimmers die Rede.

Einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass zufolge protestierten Timoschenkos Anwälte gegen die Veröffentlichung der Bilder. Aufnahmen aus dem Gefängnis zu zeigen, sei verboten.

Die Verteidiger der an Rückenschmerzen leidenden ehemaligen Regierungschefin hatten in den vergangenen Wochen die Haftbedingungen in dem Kiewer Gefängnis immer wieder als inhuman angeprangert und von einer winzigen Zelle ohne funktionsfähige Heizung gesprochen. Ähnlich kritisch äußerte sich die ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Nina Karpatschewa.

Zuletzt hatte Timoschenkos Tochter Jewgenija davon gesprochen, die Behörden wollten ihre Mutter im Gefängnis vernichten. Präsident Viktor Janukowitsch, den Beobachter für die Inhaftierung Timoschenkos verantwortlich machen, hatte dagegen kürzlich angekündigt, die Haftbedingungen überprüfen zu lassen.