Ein internationales Ärzteteam, darunter Charité-Chef Karl Max Einhäupl, hat die frühere ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko untersucht . Die Professoren aus Berlin, die bis in die frühen Morgenstunden Untersuchungen vorgenommen hatten, flogen zurück nach Deutschland. Unterdessen wurde im Umkreis der inhaftierten Oppositionspolitikerin Sorgen laut, die Behörden könnten die Untersuchungsergebnisse manipulieren.

„Ich verstehe nicht, warum die deutschen Ärzte, nachdem sie die Untersuchungen gestern gegen Mitternacht beendet hatten, weitere drei Stunden lang im Gefängnis festgehalten wurden“, sagte Timoschenkos Tochter Jewgenija vor Journalisten in Charkiw. Sie habe die Befürchtung, das Gesundheitsministerium oder die Gefängnisleitung könnten Druck auf die beiden Professoren aus der Berliner Charité ausgeübt haben.

Der Befund könnte über eine mögliche Verlegung in den Hausarrest entscheiden. Timoschenko misstraut ukrainischen Ärzten. Die Untersuchung durch internationale Experten im Straflager im ostukrainischen Charkow sei ein kleiner Sieg für Timoschenko, weil sich die Behörden lange dagegen gesträubt hatten.

Der Pressesprecher der Strafkolonie 54, Juri Tschumak, bestätigte laut Angaben der Nachrichtenagentur Unian, dass die Berliner Spezialisten Mittwochmorgen gegen 3.30 Uhr das Gefängnis Richtung Charkow Flughafen verlassen hätten. Am Mittag hätten drei kanadische Ärzte und Vertreter des ukrainischen Gesundheitsministeriums die Untersuchungen wieder aufgenommen, die auch am Donnerstag fortgesetzt werden sollen.

Laut Angaben aus Delegationskreisen, die die Mediziner in die Ostukraine begleitet haben, soll es nach Beendigung der Untersuchung Timoschenkos zu stundenlangen Verhandlungen gekommen sein. Am Ende hätten Professor Karl Max Einhäupl und Professor Norbert Haas einen versiegelten Umschlag mit den vorläufigen Befunden in Charkiw zurückgelassen.

Timoschenkos Verteidiger, Sergej Vlasenko, sagte auf einer Pressekonferenz in Kiew, dass dieser Brief an Timoschenko ausgehändigt werden sollte. Er habe jedoch keine Informationen darüber, ob das geschehen sei. „Nur Timoschenko selber habe das Recht, Ergebnisse der Untersuchungen zu veröffentlichen.“

dpa/dapd/mim