Die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko besteht auf eine Behandlung durch angereiste deutsche Spezialisten. Sie lehnte einheimische Ärzte weiter ab. Das bestätigte ihr Anwalt Sergej Wlassenko am Dienstag. Die 51-Jährige befürchtete, dass ukrainische Ärzte die Ergebnisse fälschen.

Um die über schwere Rückenschmerzen klagende Timoschenko zu untersuchen, waren zwei Experten der Berliner Charité in das Straflager in der ostukrainischen Stadt Charkow gereist. „Die Bundesregierung unterstützt die Untersuchung von Frau Timoschenko durch internationale Ärzte und hofft, dass eine solche Untersuchung tatsächlich ermöglicht wird“, teilte das Auswärtige Amt in Berlin im Vorfeld mit.

Deutsche Ärzte untersuchen Julia Timoschenko

Und tatsächlich hat ein internationales Ärzteteam hat am Dienstag Julia Timoschenko untersucht. Nach längerem Ringen um die Abwicklung des Besuchs wurden die Ärzte, unter ihnen auch Karl Max Einhäupl und Norbert Haas von der Berliner Charité, am Nachmittag in die Zelle von Timoschenko vorgelassen.

Die ukrainischen Behörden hatten offenbar zur Auflage gemacht, dass neben dem internationalen Ärzteteam, dem neben den Deutschen auch drei Kanadier angehören, auch sechs Ärzte aus dem Gesundheitsministerium der Ukraine teilnehmen. Stundenlang wurde anschließend darum gerungen, in welcher Reihenfolge die Mediziner in die Zelle vorgelassen werden sollten.

"Der gesamte Fall ist eine einzige Provokation“, sagte Timoschenkos Verteidiger, Sergej Vlasenko, der dapd. Dem Anwalt sowie Angehörigen der Oppositionsführerin wurde der Zugang in die Strafkolonie 54 in der östlichen Stadt Charkiw am Dienstag verwehrt.

Internationale Beobachter, die die Delegation begleiteten, zeigten sich zudem verwundert, dass die ukrainischen Behörden offenbar auch einigen Medienvertretern den Zugang ins Gefängnis erlaubt hatten. „Das hat mit Ausgewogenheit der Berichterstattung wenig zu tun, ich hoffe, die ausländischen Ärzte lassen sich bei ihrem Urteil keine Vorgaben machen“, sagte Timoschenko Tochter Jewgenija Reportern vor dem Haupteingang der Strafkolonie.

Sicherheitskräfte bewachen Umgebung der Haftanstalt

Timoschenkos Partei hatte am frühen Nachmittag zu einer Kundgebung eingeladen. Bei winterlichen Temperaturen forderten die Demonstranten „Freiheit für Julia“ und „Banditen hinter Gitter“. Der Eingang und die Umgebung des Frauengefängnisses in Charkiw wurden von den Sicherheitskräften bewacht.

Julia Timoschenko, eine der treibenden Kräfte der pro-westlichen Orangenen Revolution von 2004, war 2005 und von 2007 bis 2010 Ministerpräsidentin der Ukraine. Am 11. Oktober vergangenen Jahres wurde sie wegen Amtsmissbrauchs zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Seit dem 30. Dezember 2011 verbüßt sie ihre Strafe in einem Frauengefängnis in der Ostukraine. Timoschenkos Gesundheit soll angeschlagen sein, unter anderem soll sie unter starken Rückenschmerzen leiden.

dpa/dapd/nbo