Die zahlreichen Bürgerproteste der vergangenen Monate waren offenbar vergebens. Die umstrittenen Flugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld werden nach Informationen von Morgenpost Online ohne größere Korrekturen gegenüber den bisher bekannten Plänen in Kraft treten. Das für die Genehmigung zuständige Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) hat demnach die bereits im vorigen Sommer vorgestellte Pläne der Deutschen Flugsicherung (DFS) weitgehend bestätigt, heißt es aus Expertenkreisen. Offiziell will die Bundesbehörde erst am Donnerstagvormittag das verbindliche An- und Abflugkonzept für den BER vorstellen.

Nach den Plänen der Deutschen Flugsicherung wird ein Großteil der Flugzeuge dicht besiedelte Gebiete im Süden Berlins und den angrenzenden brandenburgischen Gemeinden in teils sehr geringer Höhe überfliegen. Von dem damit verbundenen Fluglärm sind insbesondere die Gemeinden Blankenfelde und Rangsdorf sowie der Berliner Südosten betroffen. Zehntausende Berliner und Brandenburger hatten in den vergangenen Monaten gegen diese Routen protestiert, insbesondere gegen jene über den Müggelsee bei Friedrichshagen. Das Naturschutz- und Erholungsgebiet soll bei Ostwind von täglich bis zu 122 Maschinen in einer Höhe von nur 1150 Metern überflogen werden.

Dagegen waren die vielen Protestaktionen im Südwesten Berlins und in Potsdam überwiegend erfolgreich: Die im September 2010 von der DFS vorgelegten Pläne hatten zunächst vorgesehen, dass auch Lichtenrade, Nikolassee, Wannsee und Potsdam überflogen werden. In Lichtenrade hätten die Flugzeuge gerade mal eine Höhe von 600 Metern erreicht. Nun sollen bei Westwind täglich bis zu 140 Düsenjets geradeaus bis zum Autobahndreieck Nuthetal und damit an Berlin und Potsdam vorbei fliegen und erst dort in Richtung Osten abdrehen dürfen. Täglich bis zu 48 Flüge dürfen dagegen abgefächert über die Gemeinden Stahnsdorf, Kleinmachnow oder Teltow und die Berliner Ortsteile Lichterfelde, Zehlendorf, Nikolassee und Wannsee geführt werden.

In einer ersten Reaktion auf das aktuelle Flugrouten-Konzept haben bereits mehrere Bürgerinitiativen und Gemeinden angekündigt, rechtliche Schritte dagegen einzuleiten. So will der Bürgerverein Friedrichshagen gemeinsam mit der Grünen Liga Beschwerde bei der EU-Kommission gegen das Flugrouten-Konzept mit der Müggelsee-Route einlegen.

Auch die Bürgerinitiative Rangsdorf kritisierte am Mittwoch, dass ihre Gemeinde nach den bekanntgewordenen Planungen Fluglärmgebiet werde. Das widerspreche dem Planfeststellungsbeschluss für den neuen Airport. Damit gerieten die Grundfesten des Planungsrechts in Deutschland „mächtig ins Wanken“, hieß es in einer Mitteilung. Der Bürgermeister des Ortes, Klaus Rocher (FDP), will nun prüfen, „ob wir als Gemeinde selbst klagen werden oder ob die Erfolgsaussichten besser sind, wenn dies die Bürgerinitiative übernimmt.“ Die Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf dagegen haben Klagen bereits angekündigt.

BMO