Die umstrittenen Flugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld werden nach Informationen von Morgenpost Online ohne größere Veränderungen gegenüber den bisher bekannten Plänen in Kraft treten. Das für die Genehmigung zuständige Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) hat demnach die bereits im vorigen Sommer vorgestellten Pläne der Deutschen Flugsicherung (DFS) weitgehend bestätigt, heißt es aus Expertenkreisen. Offiziell will die Bundesbehörde erst am Donnerstag das verbindliche An- und Abflugkonzept für den BER vorstellen.
Nach den Plänen der Deutschen Flugsicherung werden Flugzeugen dicht besiedelte Gebiete im Süden Berlins und den angrenzenden brandenburgischen Gemeinden in teils sehr geringer Höhe überflogen. Das betrifft auch den Müggelsee bei Friedrichshagen: Das Naturschutz- und Erholungsgebiet soll bei Ostwind von täglich bis zu 122 Maschinen in einer Höhe von 1150 Metern überflogen werden.
Bürgerinitiative und Umweltverband kündigen Klage an
Damit sind weitere Auseinandersetzungen sicher. Die Grüne Liga Berlin und der Bürgerverein Friedrichshagen haben für den Fall der Festlegung einer Flugroute über den Müggelsee Klage angekündigt. Sollte die umstrittene Strecke freigegeben werden, sei der gemeinsame Gang vor Gericht geplant, teilte die Grüne Liga mit. Als Begründung führt der Landesverband die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung für das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet rund um den See ins Feld. Dieses Fehlen sei „rechtswidrig“.
Der Protest gegen die Flugrouten reicht bis zum September 2010 zurück. Damals hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) Flugrouten vorgeschlagen, die stark von den damaligen Annahmen abwichen. Eine Protestwelle rollte los. Mit der Fluglärmkommission aus Vertretern von Gemeinden und Luftverkehrsbranche handelte die DFS einen neuen Vorschlag aus, der im Wesentlichen am 4. Juli 2011 präsentiert wurde. Der Müggelsee würde demnach bei Ostwind überflogen, etwa 122 Mal am Tag. Dort wären die Maschinen mit 1200 Metern nur halb so hoch wie über dem Wannsee, der weiter vom Flughafen entfernt ist.
Umweltbundesamt gegen Müggelsee-Überflug
Zuletzt hatte sich das Umweltbundesamt dagegen ausgesprochen, die Seen zu überfliegen. Die Dessauer Behörde empfahl, als Alternative eine Route über das Landschaftsschutzgebiet Gosener Wiesen zu prüfen – wie es Bürgerinitiativen bereits zuvor gefordert hatten. Die DFS argumentiert, dass in diesem Fall Erkner (Oder-Spree) zu stark belastet würde, dessen Bürger schon Landeanflüge ertragen müssen. Bei Landungen gibt es wenig Spielraum für Änderungen.
Die Ursache für den Flugrouten-Streit liegt viele Jahre zurück. Im Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen wurden als Grobplanung Geradeausstarts von den beiden Start- und Landebahnen aufgenommen - auch auf Druck der Flughafengesellschaft, die darüber in intensiver Diskussion mit dem brandenburgischen Verkehrsministerium stand.
Verkehrsministerium verspricht Überprüfung nach einem Jahr
Die DFS wies in dem mehrere hundert Seiten langen Dokument aber mehrfach darauf hin, dass die Routen erst später in einem gesonderten Verfahren festgelegt werden, und dass Geradeausstarts nicht möglich sind, wenn der Flughafen die gewünschte Kapazität von 27 Millionen Passagieren haben soll. Die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg gaben später zu, dies den Bürgern nicht deutlich genug gesagt zu haben. Betroffene sprechen von Täuschung.
Denn um möglichst viele Maschinen abfertigen zu können, müssen sie von den beiden Pisten parallel und unabhängig von einander abheben können. Wegen Sicherheitsbestimmungen müssen die Maschinen dann aber nach dem Start abdrehen - und somit ganz andere Routen fliegen als mit der Grobplanung angedeutet.
Die Flugrouten, die am Donnerstag vorgestellt werden, sind aber nicht in Stein gemeißelt. Das BAF hat schon darauf hingewiesen, dass Flugrouten - formal eine Rechtsverordnung - immer wieder verändert werden können, wenn das notwendig ist. Das Bundesverkehrsministerium hat eine Überprüfung nach einem Jahr zugesagt.
Mit Material von dpa
Mehr Informationen zum Flughafen Berlin Brandenburg gibt es in unserem Schwerpunkt zum Flughafen BER .
BMO/ap




