Fast eineinhalb Jahre wurde diskutiert und protestiert - nun stehen die Flugrouten für den Hauptstadtflughafen fest. An diesem Donnerstag erfahren Tausende Berliner und Brandenburger ob sie künftig in der Einflugschneise des Hauptstadtflughafens liegen. Dann stellt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) die endgültigen Flugrouten vor.
Erste Details sind bereits durchgesickert. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung wird das BAF die Vorschläge der Deutschen Flugsicherung (DFS) vom 4. Juli 2010 kaum ändern. Danach wird der Müggelsee von startenden Maschinen überflogen. Auch Flüge über Blankenfelde sollen sicher sein. Über Gebiete wie Wannsee, Kleinmachnow, Teltow und Lichterfelde sollen sich laut „Bild“ 50 Abflüge pro Tag verteilen.
Damit sind weitere Auseinandersetzungen sicher. Die Grüne Liga Berlin und der Bürgerverein Friedrichshagen haben für den Fall der Festlegung einer Flugroute über den Müggelsee Klage angekündigt. Sollte die umstrittene Strecke freigegeben werden, sei der gemeinsame Gang vor Gericht geplant, teilte die Grüne Liga mit. Als Begründung führt der Landesverband die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung für das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet rund um den See ins Feld. Dieses Fehlen sei „rechtswidrig“.
Proteste seit Herbst 2010
Der Protest gegen die Flugrouten reicht bis zum September 2010 zurück. Damals hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) Flugrouten vorgeschlagen, die stark von den damaligen Annahmen abwichen. Eine Protestwelle rollte los. Mit der Fluglärmkommission aus Vertretern von Gemeinden und Luftverkehrsbranche handelte die DFS einen neuen Vorschlag aus, der im Wesentlichen am 4. Juli 2011 präsentiert wurde. Der Müggelsee würde demnach bei Ostwind überflogen, etwa 122 Mal am Tag. Dort wären die Maschinen mit 1200 Metern nur halb so hoch wie über dem Wannsee, der weiter vom Flughafen entfernt ist.
Zuletzt hatte sich das Umweltbundesamt dagegen ausgesprochen, die Seen zu überfliegen. Die Dessauer Behörde empfahl, als Alternative eine Route über das Landschaftsschutzgebiet Gosener Wiesen zu prüfen – wie es Bürgerinitiativen bereits zuvor gefordert hatten. Die DFS argumentiert, dass in diesem Fall Erkner (Oder-Spree) zu stark belastet würde, dessen Bürger schon Landeanflüge ertragen müssen. Bei Landungen gibt es wenig Spielraum für Änderungen.
Erste Grobplanung wichen extrem von späteren Routen ab
Die Ursache für den Flugrouten-Streit liegt viele Jahre zurück. Im Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen wurden als Grobplanung Geradeausstarts von den beiden Start- und Landebahnen aufgenommen - auch auf Druck der Flughafengesellschaft, die darüber in intensiver Diskussion mit dem brandenburgischen Verkehrsministerium stand.
Die DFS wies in dem mehrere hundert Seiten langen Dokument aber mehrfach darauf hin, dass die Routen erst später in einem gesonderten Verfahren festgelegt werden, und dass Geradeausstarts nicht möglich sind, wenn der Flughafen die gewünschte Kapazität von 27 Millionen Passagieren haben soll. Die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg gaben später zu, dies den Bürgern nicht deutlich genug gesagt zu haben. Betroffene sprechen von Täuschung.
Denn um möglichst viele Maschinen abfertigen zu können, müssen sie von den beiden Pisten parallel und unabhängig von einander abheben können. Wegen Sicherheitsbestimmungen müssen die Maschinen dann aber nach dem Start abdrehen - und somit ganz andere Routen fliegen als mit der Grobplanung angedeutet.
Verkehrsministerium sagt Überprüfung nach einem Jahr zu
Die Flugrouten, die am Donnerstag vorgestellt werden, sind aber nicht in Stein gemeißelt. Das BAF hat schon darauf hingewiesen, dass Flugrouten - formal eine Rechtsverordnung - immer wieder verändert werden können, wenn das notwendig ist. Das Bundesverkehrsministerium hat eine Überprüfung nach einem Jahr zugesagt.
Mehr Informationen zum Flughafen Berlin Brandenburg gibt es in unserem Schwerpunkt zum Flughafen BER .
BMO/ap mit dpa



