Krankenstand

Bei der S-Bahn fallen jetzt die Lokführer aus

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Thomas Fülling

Knapp zehn Prozent der Lokführer bei der Berliner S-Bahn haben sich in den letzten Wochen krankgemeldet. Das Ergebnis sind Ausfälle und Verspätungen. Berlins neuer Verkehrssenator Michael Müller ist verärgert.

Auch ohne Eis und Schnee häufen sich bei der Berliner S-Bahn wieder Ausfälle und Verspätungen. So fahren auf der Linie S 47 (Spindlersfeld–Hermannstraße) derzeit die Züge nur bis Schöneweide statt bis nach Neukölln. Der Betrieb der erst kürzlich wiedereröffneten Linie S 45 (Flughafen Schönefeld–Südkreuz) wurde zeitweise ganz eingestellt. Auf der S25 (Hennigsdorf–Teltow Stadt) fuhr die S-Bahn am Mittwoch zwischen Potsdamer Platz und Teltow nur alle 20 Minuten statt im bestellten 10-Minuten-Takt.

Die Bahn-Tochter begründete die Ausfälle mit dem seit Wochen hohen Krankenstand. Rund 90 der insgesamt 1000 Triebfahrzeugführer sind demnach nicht arbeitsfähig. Zudem würden sich die Krankmeldungen derzeit häufen. Statt wie im Regelfall täglich kurzfristig ein bis zwei Krankmeldungen, waren es am Mittwoch im Tagesverlauf 16. „Dies ist bei drei Schichtlagen täglich von keinem Verkehrsunternehmen vorbeugend abzudecken“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Der neue Verkehrssenator Michael Müller (SPD) zeigte sich verärgert über die neuerlichen Einschränkungen im Nahverkehr. „Die S-Bahn muss endlich ihre Personalprobleme in Griff bekommen“, forderte Müllers Sprecher Mathias Gille. In Kürze soll es ein Treffen mit der S-Bahn-Geschäftsführung geben, bei dem auch diese Probleme angesprochen werden sollen. Zudem will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erneut die Zahlungen für die Verkehrsleistung an die S-Bahn kürzen. Der Berliner Fahrgastverband Igeb forderte die Deutsche Bahn auf, mehr Geld bereitzustellen, um sowohl kurzfristig als auch dauerhaft die Personalprobleme bei ihrem Tochterunternehmen S-Bahn Berlin zu beheben.

Die Initiative „Rettet unsere S-Bahn“ hat unterdessen zum Endspurt für das von ihr gestartete gleichnamige Volksbegehren aufgerufen. Bis zum 22. Dezember müssen die Aktivisten mindestens 20.000 gültige Stimmen sammeln, um die zweite Stufe des Begehrens in Gang setzen zu können. Mehr als 19.000 Berliner hätten bereits ihre Unterstützung dokumentiert, sagte ein Sprecher der Initiative. Sie setzt sich unter anderem für die Offenlegung des Verkehrsvertrags des Landes mit der Deutschen Bahn und für mehr Personal auf den Bahnhöfen ein. Zugleich will die Initiative eine Ausschreibung des S-Bahn-Betriebs verhindern, weil sie damit zum „Spielball von Wirtschaftsinteressen“ werde.