Das Umweltbundesamt hat das umstrittene Lärmgutachten über den Hauptstadtflughafen für alle Interessierte auf seiner Internetseite veröffentlicht. Es kann dort heruntergeladen werden (74 MB). Die „Lärmfachliche Bewertung der Flugrouten für den Verkehrsflughafen Berlin Brandenburg (BER)“ umfasst 166 Seiten. Dem Amt zufolge wurde eine solche Bewertung in Deutschland bislang noch nie vorgenommen.

Die ursprünglich für Dienstag geplante Veröffentlichung der Untersuchung war kurzfristig abgesagt worden. Zur Begründung hieß es am Dienstag, es habe noch Gesprächsbedarf beider Behörden gebegeben.

Das Bundesverkehrsministerium räumte am Mittwoch eine Intervention bei der Vorstellung eines Gutachtens zur Lärmbewertung am künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld ein. Er habe das Umweltbundesamt darum gebeten, das Papier nicht auf einer Pressekonferenz zu veröffentlichen, sagte Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheurle in Berlin. Er begründete seine Entscheidung damit, dass keine Bundesbehörde vor der Bekanntgabe der Flugrouten durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung am 26. Januar Inhalte aus Gutachten vorab veröffentlichen sollte. Zugleich verwies Scheurle darauf, dass er nicht die Absicht gehabt habe, etwas zu unterdrücken. „Ich finde es wichtig, dass man sich unter Behörden so benimmt, dass man ein gemeinsames Auftreten sicherstellt und keine Rosinen pickt, um eine gewisse Öffentlichkeit für sich zu erhaschen“, verteidigte Scheuerle sein Vorgehen. Keine Einwände hatte er dagegen, dass das UBA sein Gutachten am Mittwoch ins Internet stellte. Das Umweltministerium kommentierte den Vorgang auch am Mittwoch nicht.

In dem Gutachten plädiert das Umweltbundesamt in Dessau (Sachsen-Anhalt) dafür, die Flugrouten-Vorschläge für den künftigen Berliner Flughafen in Schönefeld zu überarbeiten. Beim Lärmschutz würden die bisherigen Pläne der Deutschen Flugsicherung (DFS) „der komplexen Besiedlungsstruktur in der Umgebung des Flughafens BER nur unzureichend gerecht“, heißt es.

Nach Ansicht der Behörde seien für die Gebiete um den Wannsee, den Müggelsee und die Havelseen gesonderte Maßnahmen erforderlich, um den Fluglärm zu mindern. Das UBA empfiehlt, die Flugrouten zunächst ein Jahr lang zu testen und dann gegebenenfalls zu ändern. Die Empfehlungen des UBA sind nicht verbindlich. Letztlich legt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) die Routen fest. Es will sie Ende 2012 vorstellen.

Aus Lärmschutzgründen könnten „Flüge während des Tages (6 bis 22 Uhr) nicht über dem Wannsee durchgeführt werden“, stellt die Studie fest. In der Region um die Havelseen könnten laut Gutachten vor allem durch lärmmindernde Anflugverfahren die Menschen vom Fluglärm entlastet werden.

Bei den von der Flugsicherung vorgeschlagenen Flügen über dem Müggelsee wären „sowohl am Tag als auch in der Nacht weniger Personen vom Fluglärm betroffen ... als durch die alternativ vorgeschlagene Route über Erkner“. Die Abflüge über den Müggelsee seien gleichwohl problematisch, unter anderem weil das Gewässer ein wichtiges Naherholungsgebiet sei. „Das Umweltbundesamt hält deshalb auch andere Flugroutenverläufe für möglich, um die Lärmsituation in der Region am Müggelsee zu verbessern“, heißt es in dem Gutachten.

Wie für andere stadtnahe Flughäfen auch empfiehlt das UBA für den neuen Berliner Airport „eine regelmäßige Nachtruhe in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr“. Gerade das hatt für Überraschung gesorgt. Diese Forderung hatte der Präsident des UBA, Jochen Flasbarth, zwar bereits im Sommer erhoben. Inzwischen hatte jedoch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass lediglich von 24 Uhr bis 5 Uhr nicht geflogen werden darf.

Inwieweit die Vorschläge des Umweltbundesamts überhaupt Eingang finden in die endgültige Routenplanung, ist völlig offen. Denn schlussendlich entscheidet das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung über die An- und Abflugwege des Flughafens in Schönefeld.

Mehr Informationen zum Flughafen Berlin Brandenburg gibt es in unserem Schwerpunkt zum Flughafen BER .

dapd/dpa/sei