DDR-Gefängnis

Berliner Stasi-Gedenkstätte mit Besucherrekord

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Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat im vergangenen Jahr 2011 einen Besucherrekord verzeichnet. Bis zum Jahresende hätten 342.000 Menschen die ehemalige Haftsanstalt des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit besichtigt.

Die Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen hat im zurückliegenden Jahr einen neuen Besucherrekord verzeichnet. Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe sagte der Nachrichtenagentur epd, bis Jahresende hätten mehr als 340.000 Menschen die frühere zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit im Nordosten Berlins besucht. So viele Besucher seien noch nie innerhalb eines Jahres in die 1994 eröffnete Gedenkstätte gekommen. 2010 wurden rund 332.000 Gäste gezählt.

Wie Knabe weiter sagte, stößt die Gedenkstätte damit an die Grenzen ihrer baulichen und personellen Kapazitäten. Schon jetzt müssten einzelne Besuchergruppen abgewiesen werden, Führungen seien oft lange im Voraus ausgebucht. Etwas Entlastung verspricht sich Knabe von der neuen Dauerausstellung, die 2013 eröffnet werden soll. In einer ehemaligen Lagerhalle des DDR-Staatssicherheitsdienstes soll eine große Ausstellungsfläche entstehen. Zudem werden ein modernes Besucherzentrum, neue Veranstaltungs- und Seminarräume, ein Buchladen und ein Café gebaut.

Die steigenden Besucherzahlen dokumentieren nach den Worten des Gedenkstättenleiters „ein wachsendes Interesse an diesem Teil der deutschen Geschichte“. Auch die Gedenkveranstaltungen zum 50. Jahrestag des Mauerbaus hätten im zurückliegenden Jahr zu mehr Aufmerksamkeit geführt. Junge Menschen zeigten sich beim Besuch der Gedenkstätte immer wieder überrascht davon, dass sie weder zu Hause noch in der Schule über die Verbrechen der kommunistischen Diktatur informiert worden seien.

„So groß das Interesse ist, so groß ist leider auch das Unwissen vieler Besucher“, beklagte Knabe. Studien belegten zum Teil „auf bedrückende Weise“ fehlendes Wissen bei Schülern und mangelnde Urteilsfähigkeit über die DDR. Der schulische Unterricht über die SED-Diktatur sei offenbar „völlig unzureichend“. Das kommunistische System werde meist nur kurz und im Zusammenhang mit dem Ost-West-Konflikt behandelt. „Für eine tiefergehende Auseinandersetzung ist oft keine Zeit“, kritisierte er. Die Gedenkstätte könne dem nur punktuell durch Führungen, Seminare und die Vermittlung von Zeitzeugen entgegenwirken, sagte Knabe.

Beim Umgang mit der DDR gebe es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern, sagte der Gedenkstättendirektor. So kämen immer mehr Schüler aus dem Westen Deutschlands, um das ehemalige Stasi-Gefängnis zu besichtigen. Die Zahl der ostdeutschen Besucher stagniere hingegen oder gehe sogar zurück. „Da der Lehrer normalerweise die Klassenfahrt plant, liegt hier offenbar auch das Problem,“ sagte Knabe.

Umso größer sei das Interesse aus dem Ausland an der Arbeit der Gedenkstätte. „Wie wir die Erfahrung der SED-Diktatur weitergeben, wird weltweit als vorbildhaft betrachtet,“ sagte Knabe. Das Interesse an Austausch und Beratung reiche von Taiwan über Tunesien bis nach Peru.

Die Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen gilt als einer der wichtigsten Erinnerungsorte für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Gebäude und Einrichtung der früheren Stasi-Untersuchungshaftanstalt sind fast unversehrt erhalten geblieben. Die Besucher werden in der Regel von ehemaligen Häftlingen durch das Gelände geführt.

( epd/dapd/tj )