Behördenchef Jahn

Tausende westdeutsche Stasi-Spione unentdeckt

Nach Angaben des Chefs der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, soll nur gegen ein Viertel der 12.000 Westspione ermittelt worden sein. Davon seien nur 360 verurteilt worden. Erneut kritisierte er Brandenburgs Ex-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.

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Die Stasi-Unterlagen-Behörde geht davon aus, dass noch Tausende Ex-Spione der DDR in Westdeutschland unentdeckt sind. Die Experten des Amts hätten für die Zeit zwischen 1949 und 1989 rund 12.000 Westspione berechnet, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Jahn forderte zudem ein stärkeres Bekenntnis ehemaliger DDR-Bürger zur eigenen Biografie.

Jahn sagte mit Blick auf die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, dass es 20 Jahre nach dem Mauerfall möglich sein müsse, eine reine Rechtfertigungshaltung zu überwinden. Erneut kritisierte er Brandenburgs Ex-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) für dessen Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Er würde sich wünschen, dass Stolpe nun, da er nicht mehr im Amt sei, „ein bisschen offensiver auch seine eigenen Positionen hinterfragt“. Zudem solle er „seine Verstrickungen mit der Staatssicherheit“ offensiver diskutieren und sich nicht nur rechtfertigen, sagte Jahn. Das Hinterfragen der eigenen Biografie müsse aber nicht immer in der Öffentlichkeit stattfinden, sagte der Behördenchef. „Aufarbeitung heißt nicht nur, wenn es in der Zeitung steht.“ Ausdrücklich forderte Jahn von der Linkspartei eine intensivere Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Die Partei müsse sich den Vorwurf der Verklärung der Zustände in der DDR gefallen lassen, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. „Es würde der Aufarbeitung insgesamt helfen, wenn die Linke das Verhältnis der SED als Auftraggeberin der Staatssicherheit stärker beleuchten würde.“

Zu der geschätzten Zahl von rund 12.000 ehemaligen DDR-Spionen im Westen sagte Jahn, dass dazu die Zahl der Strafverfahren in Bezug gesetzt werden müsse: Von 1990 bis 1999 habe es etwa 3000 derartige Verfahren gegeben. „Davon kamen allerdings lediglich 500 zur Anklage, 360 Spione wurden verurteilt“, sagte er. Demnach sei die überwiegende Mehrzahl der Stasi-Spione in Westdeutschland bisher ungeschoren davongekommen.

Zudem forderte Jahn eine bessere Aufklärung über das Wirken der Stasi im Westen Deutschlands. „Die Stasi war keine Sache des Ostens allein“, sagte der Behördenchef. Sie habe mithilfe von Westdeutschen in der Bundesrepublik vor allem Militär- und Wirtschaftsspionage betrieben. Jahn nannte die DDR und die Stasi einen „Teil der Geschichte aller Deutschen“.