Berliner Nahverkehr

Kranke Fahrer – Auch am Sonntag S-Bahn-Probleme

Die Pannenserie geht weiter: Auch am Sonntag fallen in Berlin S-Bahn-Züge aus. Weil jeder zehnte Triebwagenführer krank sein soll, fahren die Linien S25 und S47 nur eingeschränkt.

Am vierten Tag in Folge hat die Berliner S-Bahn Probleme, den Fahrplan einzuhalten. Am Sonntag fährt die S25 im 20-Minuten-Takt und die S47 nur zwischen Schöneweide und Spindlersfeld .

Bereits am Sonnabend waren zehntausende Nutzer der S-Bahn wieder von umfangreichen Zugausfällen beim Tochterunternehmen der Deutschen Bahn betroffen. Nur zwei Tage nach dem mehrstündigen Totalzusammenbruch des S-Bahn-Verkehrs wegen des Stromausfalls und weiteren Behinderungen am Freitag – eine defekte S-Bahn war auf den Gleisen liegen geblieben – informierte die S-Bahn Berlin GmbH ihre Kunden auf den Anzeigetafeln über erneute Probleme. „Wegen kurzfristiger Erkrankung von Triebfahrzeugführern kommt es heute zu Zugausfällen im Berliner S-Bahnnetz“, war dort zu lesen.

Viele S-Bahn-Kunden quittierten das am Sonnabend nur noch mit verständnislosem Kopfschütteln. Auf der Homepage gab das Unternehmen seinen Kunden dann weitere Informationen: So verkehrten die S2 und die S25 statt alle 10 Minuten nur noch im 20-Minuten-Takt, die S45 zwischen Südkreuz und Flughafen Schönefeld sogar nur im 40-Minuten-Takt. Die S46 fuhr lediglich auf dem Abschnitt zwischen Hermannstraße und Königs Wusterhausen, die S47 sogar nur auf dem kurzen Stück zwischen Schöneweide und Spindlersfeld.

"Wir bedauern ausdrücklich diese Leistungseinschränkungen“, sagte ein Bahnsprecher am Sonnabend. Aufgrund der aktuellen Erkältungswelle hätten sich diese Einschränkungen jedoch nicht vermeiden lassen. Zu viele Kollegen hätten sich kurzfristig abgemeldet.

Konkrete Zahlen, wie viele Fahrer sich denn tatsächlich kurzfristig krankgemeldet hätten, wollte der Sprecher aus „personalrechtlichen Gründen“ jedoch nicht mitteilen. Auch die Anzahl der Doppelwagen, die am Sonnabend im Einsatz waren, wollte der Sprecher nicht benennen. Ein Mitarbeiter des Unternehmens sagte jedoch Morgenpost Online, dass derzeit rund 100 Fahrer erkrankt seien – und damit rund ein Zehntel der Lokführer.

Schon die zweite Krankheitswelle

Der Winter ist noch gar nicht da, kein Schnee, kein Eis, da hat die Berliner S-Bahn schon wieder massive Probleme. „Der von uns schon vor Monaten befürchtete Ausfall von S-Bahn-Fahrten durch Fahrermangel scheint sich leider zu bewahrheiten“, so Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb. Die Nachrichten auf der Internetseite der S-Bahn Berlin GmbH seien jedenfalls ausgesprochen beunruhigend.

Der Fahrgastverband erwartet nun, dass die S-Bahn und auch die Deutsche Bahn alles tun, um den Fahrermangel sowohl kurzfristig als auch dauerhaft zu beheben. „Hierfür muss auch mehr Geld bereitgestellt werden, selbst wenn das die betriebswirtschaftliche Bilanz der S-Bahn weiter ins Minus zieht“, fordert Wieseke.

Bereits am vergangenen Mittwoch hatte es aufgrund von Krankschreibungen Einschränkungen im Nahverkehr gegeben. Die aktuelle Krankheitswelle bei der S-Bahn ist bereits die zweite in diesem Jahr. Erst vor rund einem Monat musste die S-Bahn ihren Verkehr aus genau den gleichen Gründen einschränken. Mitte November hatten sich kurzfristig 16 Fahrer krankgemeldet.

„Wir brauchen einfach mehr Fahrer, dann schlägt eine Krankheitswelle auch nicht gleich so durch“, sagt deshalb auch Betriebsratschef Volker Hoffmann. Im Unternehmen fehlten rund 100 Fahrer. Weil die seit März geltenden Tarifverträge die Arbeitsbedingungen besonders im Hinblick auf die Wochenendarbeitszeiten verbessert hätten, gebe es zudem eine Personallücke. Frühestens Ende Februar 2012, so hatte S-Bahn-Chef Peter Buchner bereits im November mitgeteilt, werde der Personalmangel behoben sein.

Nach wie vor sorgt auch der Mangel an einsatzfähigen Bahnen für Betriebseinschränkungen. Von 650 Doppelwagen waren zuletzt nur 476 auf den Schienen. Immerhin sind das deutlich mehr als vor einem Jahr: Damals waren es 409. Allerdings hatte Bahnchef Rüdiger Grube noch im Sommer versprochen, dass die S-Bahn ab Mitte Dezember wieder nach Plan fahren soll. Eine kostspielige Fehleinschätzung: Für ausgefallene Fahrten zieht der Senat der S-Bahn einen Teil der Zuschüsse ab; in diesem Jahr waren es bisher 37,8 Millionen Euro. 2009 und 2010 hielt der Senat zusammen bereits mehr als 100 Millionen Euro zurück.