CCS-Technologie

Vattenfall bläst 1,5-Milliarden-Projekt ab

Der Energiekonzern Vattenfall begräbt den Plan, im brandenburgischen Jänschwalde eine CCS-Anlage zur Verpressung von Kohlendioxid in tiefe Erdschichten zu errichten. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben war im September gescheitert. Nun zieht Vattenfall die Reißleine. Das größte industrielle Klimaschutz-Projekt in Deutschland ist damit gescheitert.

Es ist das Ende: Es wird kein CCS-Demonstrationskraftwerk in Südbrandenburg geben. Der Energiekonzern Vattenfall hat seine Pläne begraben. Das hat die Vorstandsspitze des Energiekonzerns Vattenfall Europe entschieden. Die Chefs von Vattenfall in Deutschland, Tuomo Hatakka, und in der Lausitz, Hartmuth Zeiß, erläutern zurzeit in Cottbus die künftige Strategie zur Braunkohleverstromung.

Mit der CCS-Anlage sollte das in Kohlekraftwerken anfallende, klimaschädliche Kohlendioxid gespeichert werden - mit dem Projekt sollte die Abgabe von Kohlendioxid in die Erdatomsphäre gesenkt werden und der "Treibhauseffekt", den das Gas maßgeblich erzeugt, gemindert werden.

Mit dem CCS-Verfahren (CCS = Carbon Dioxide Capture and Storage, Sammlung und Lagerung von Kohlendioxid) sollte Kohlendioxid in ziefe Erdschichten geleitet und "verpresst", also komprimiert werden. Vattenfall hatte geplant, eine CCS-Anlage für 1,5 Milliarden Euro am Standort Jänschwalde (Spree-Neiße) zu bauen. Dafür ist jedoch ein CCS-Gesetz (Carbon Capture and Storage) erforderlich. Ein Entwurf der Bundesregierung war Ende September im Bundesrat vorerst gescheitert - das gesetz sollte es ermöglichen, bis 2017 die CCS-Technik in Kohlekraftwerken und in der Industrie zu erproben. Im Vermittlungsausschuss kam bisher kein Kompromiss zustande.

Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten den Ausschluss unterirdischer CO2-Speicher auf ihrem Gebiet gefordert. Im Norden liegen die meisten möglichen Speicherstätten. Die rot-rote Landesregierung in Brandenburg, wo Vattenfall mehrere Tagebaue und Kraftwerke betreibt, ist gegen eine Ausschlussklausel. Die EU-Kommission hat wegen der noch nicht gefundenen Lösung ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet.

Viele Bürger in Ostbrandenburg wehren sich zudem gegen dort vorgesehene CO2-Speicher in tiefen Erdschichten mit massiven Protesten. Sie fürchten ein unkontrolliertes Entweichen des Gases und Schäden für ihre Gesundheit und die Umwelt. Eine Pilotanlage arbeitet nach dem CCS-Verfahren seit drei Jahren im südbrandenburgischen Spremberg.

Zuvor hatten Beschäftigte von Vattenfall in Berlin gegen mögliche Standortverlagerungen des Energiekonzerns protestiert. Laut Gewerkschaftsangaben beteiligten sich 2000 Menschen an der Demonstration. Aufgerufen zu dem Protestmarsch, der vor den Nordischen Botschaften in Tiergarten endete, hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Grund für den Protest sei die Ankündigung des schwedischen Energieunternehmens, die Standorte der Vattenfall Europe Kundenservice GmbH in Berlin und Hamburg an einen anderen Ort zu verlegen, sagte ein Gewerkschaftssprcher.

Durch eine Zusammenlegung der Standorte wäre laut Gewerkschaft rund die Hälfte der derzeit 900 Arbeitsplätze im Kundenservice in Berlin und Hamburg gefährdet. ver.di kritisierte zudem, dass der Druck auf die Beschäftigten steige, da immer mehr Arbeitsplätze abgebaut würden und dadurch die „Arbeitsverdichtung“ weiter erhöht werde.