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Diese Berliner Kinos bieten mehr als Mainstream

Zum Popcorn ein Glas Champagner. Es werden immer weniger, aber es gibt sie noch: Berliner Kinos, die ihrem Publikum mehr bieten wollen als nur aktuellen Mainstream. Morgenpost Online präsentiert eine Auswahl.

Charlottenburg - Fußhocker und Fingerfood

Wenn die muschelartige Decke bei dezenter Musik in ein Farbenmeer getaucht wird, man es sich in den dicken Sesseln gemütlich gemacht, die Beine auf dem Fußhocker ausgestreckt und dann noch mit seinem Sitznachbarn geprostet hat, ist der Auftakt eines Filmabends perfekt. In der Astor Film Lounge ist all das möglich – es ist das komfortabelste Kino der Stadt. Im Foyer gibt es ein Begrüßungsgetränk, anschließend kann man am Platz Getränke und Fingerfood bestellen. Da ist der Eintritt zwar etwas höher. Aber es lohnt sich.

Astor Film Lounge, Kurfürstendamm 225, Charlottenburg, U1, 9 Kurfürstendamm, Tickets 10–18 Euro, Zuschlag für 3D-Filme: 2–3 Euro, Tel.: (030) 8838551, www.berlin.astor-filmlounge.de

Zehlendorf - Von Stummfilm bis Kinderkino

Bei einem Lichtspielhaus im ehemaligen amerikanischen Sektor liegt ein Fokus auf amerikanische Künstler nahe. Doch damit nicht genug. In dem 1946 eröffneten 100-Plätze-Kino, das in den 20er-Jahren ein Tanzpalast war und in der langen Version wegen der Lage zur nächsten S-Bahnstation „Bahnhofslichtspiele“ heißt, werden auch Stummfilme gezeigt. Ebenfalls zum Programm gehören Kinderkino, Dokumentarfilme mit anschließenden Diskussionsrunden, Lesungen sowie Sonderveranstaltungen wie das Frühstückskino.

Bali Kino, Teltower Damm 33, Zehlendorf, S1 Zehlendorf, Karten 7/5 Euro, Kinder 3 Euro, Überlängenzuschlag 0,50/1 Euro, Kinotag: Mi. 5 Euro, Tel.: (030) 8114678, www.balikino-berlin.de

Moabit - Wohnzimmerkino, das schon Filmkulisse war

„Filmansagepalast“ wäre treffender. Denn vor jedem Film begrüßen Thorsten Dorow und Kollegen das Publikum persönlich. „Filmräusche“ aber gibt es auch: Das wohnzimmerartige Programmkino in der Kulturfabrik (44 Plätze) setzt neben dem aktuellen Programm mit kulturell anspruchsvollen und sozialpolitischen Werken sowie OmU-Filmen auch auf Kurzfilmreihen und diente bei der Verfilmung des Bestsellerromans „Herr Lehmann“ als Kulisse.

Filmrauschpalast, Lehrter Str. 35, Moabit, Bus M27 bis Quitzowstraße, Tickets Mo.–Mi. 4,50, Do.–So. 5 Euro, Tel.: (030) 3944344, www.filmrausch.de

Wilmersdorf - Alte Schmonzetten gucken

Mittwochnachmittags kehren Marika Röck & Co. zurück auf die Leinwand. Der Tag der alten deutschen Spielfilme ist Kult, hat eine treue, Kuchen essende Fangemeinde gefunden. Das Haus wurde 1912 als „Roland Lichtspiele“ eröffnet. Auch Nichtkinogängern ist es bekannt wegen seines schönen Neonschriftzugs an der Fassade. Wochenends hebt sich der Vorhang für die Sonntagsmatineen. Dabei werden vor allem Dokumentarfilme gezeigt. Einmal im Monat gibt es die Matinee in Verbindung mit einem Brunch im benachbarten Café. Kinder- und Jugendfilme laufen ebenfalls am Wochenende.

Eva Lichtspiele, Blissestr. 18, Wilmersdorf, U7 Blissestraße, Tickets 7/6 Euro, bis 14 J. 4,50 Euro, Di. Kinotag 4,50 Euro, Tel.: (030) 92255305, www.eva-lichtspiele.de

Kreuzberg - Berlins höchstes Filmtheater

Im höchstgelegenen Programmkino Berlins kann das Publikum bei Nichtgefallen einen Film stoppen: Jeden dritten Mittwoch im Monat zeigen beim „Open Screening“ Filmemacher ihre Werke. Wenn es den Zuschauern nicht gefällt, heben sie die rote Karte. In den beiden Sälen (25 und 75 Plätze) werden ausgesuchte Leinwandproduktionen, Kinder-, Dokumentar- und politische Filme gezeigt. Außerdem lädt der Salon Kreuzberg zu Lesungen ein. Gratis ist der Ausblick über die Dächer Kreuzbergs.

Sputnik-Kino, Höfe am Südstern, Hasenheide 54, Kreuzberg, U7 Südstern, Tickets Mo.–Do 5 Euro, Fr.–So. 6,50 Euro, Kinder für Kinderfilme 3,50 Euro, Überlängenzuschlag 0,50–1 Euro, Tel.: (030) 6941147, www.sputnik-kino.com

Kreuzberg - Festivals und Kurzfilmbühne

Drei Termine für 2012 kann man sich schon notieren: das „Punkfilmfest“ im Mai, das „Australian Filmfestival“ im September und das „IsraelFilm Festival“ im Oktober. Im ältesten Kino des Landes, 1907 eröffnet, mit seinen drei Sälen (103, 67, 62 Plätze), herrscht reges cineastisches Leben. Bei mancher Vorstellung sind auch Regisseure und Schauspieler anwesend. Am jeweils letzten Donnerstag im Monat heißt es „Open Kinoberlino Screening“: Auf der offenen Kurzfilmbühne präsentieren sich wagemutige Filmemacher.

Moviemento , Kottbusser Damm 22, Kreuzberg, U8 Schönleinstraße, Tickets Do.–So. 7,50/6,50, Di., Mi. 6,50 Euro, bis 12. J. 5 Euro, Mo. Kinotag 5 Euro, Tel.: (030) 6924785, www.moviemento.de

Charlottenburg - Fast wie in alten Zeiten

Mit seinen 784 Plätzen könnte das Delphi ein Multiplex sein. Doch trotz moderner Technik ist das Gegenteil der Fall: Zu Recht trägt das Haus den Beinamen Filmpalast. Der Zauber großer Kino-Zeiten ist noch spürbar. Aktuelle Filme werden gezeigt, aber auch Ungewöhnliches und Unbekanntes sowie OmU-Filme finden in dem 1949 als Lichtspielbühne eröffneten Haus ein Forum. Bei den Sonntagsmatineen können Cineasten schon um 12.30 Uhr Filme gucken. Der preiswerteste Tag ist der Montag, dann kostet die Eintrittskarte 5,50 Euro.

Delphi Filmpalast, Kantstr. 12a, Charlottenburg, U2, 9,12, S3, 5, 7, 9, 75 Zoologischer Garten, Tickets Di., Mi. 7/6 Euro, Do.–So. 9/8 Euro, Überlängenzuschlag 0,50–1,50 Euro, Tel.: (030) 3121026, www.delphi-filmpalast.de

Friedenau - Die preiswerteste Eintrittskarte

Vor knapp hundert Jahren ging man ins Colibri, wenn man die neuesten Stummfilme sehen wollte. Heute ist das 119-Plätze-Lichtspielhaus als Cinema ein beliebtes Kiez-Kino. Statt Premieren wird gezeigt, was bereits in den großen Häusern gelaufen ist und in Kürze auch auf DVD zu bekommen ist. Das hat dem Haus mit 1980-er-Jahre-Charme auch den charmanten Beinamen „One-Dollar-Cinema“ eingebracht. Zwar reicht ein Dollar an der Kinokasse nicht, aber generell kann man hier für 3,90 Euro einen netten Kinoabend verleben.

Cinema, Bundesallee 111, Friedenau, U9 Walther-Schreiber-Platz, Tel.: (030) 8523004

Mitte - Für Besessene und junge Eltern

Das Babylon Mitte bietet breite Kino-Unterhaltung, Filme mit Konzerten, Lesungen sowie Buchpremieren. Regelmäßig steht der Donnerstag im Zeichen des „Neuen Deutschen Films“. Der Montag ist mal den „Freunden des schrägen Films“ vorbehalten, dann wieder Tag der Fans des spanischen Films, wenn Originalversionen zu sehen sind. Beginn ist um 21.30 Uhr. Für junge Eltern gibt es das „Kinderwagenkino“ mit gedämpftem Licht und leiserem Ton.

Babylon, Mitte, Rosa-Luxemburg-Str. 30, Mitte, U2 Rosa-Luxemburg-Platz, Tickets 6,50 Euro, Überlängenzuschlag 0,50–1 Euro, Kinderfilme 4 Euro, Tel.: (030) 2425969, www.babylonberlin.de

Klassiker - Die Originalstimmen der Stars

Das Odeon gehört zu den Perlen der Berliner Programmkinos: Seit 25 Jahren ist es das Kino für Filme in englischer Originalfassung. Meist werden anspruchsvolle amerikanische Filme gezeigt. Von außen kaum zu vermuten, verfügt das 1950 als „Filmbühne Sylvia“ erbaute Kino über eine stattliche Anzahl an Plätzen: 359 rote Samtsessel. Bevor man es sich dort bequem macht, wird im Foyer eingekauft, typisch Amerikanisches, etwa Popcorn und Brownies. Montags ist Kinotag, dann gibt es die Karte für 5,50 Euro.

Odeon, Hauptstr. 116, Schöneberg, Bus M48 Domenicusstr./Hauptstraße, Tickets Di., Mi. 7/6 Euro, Do.–So. 8/7 Euro, Tel.: (030) 78704019

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